Fonds gegen Spekulanten: EU beschließt Multi-Milliarden-Stütze für den Euro

Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen. Die Finanzminister beschlossen das Paket in einer dramatischen Nachtsitzung, die Börse in Tokio reagiert positiv.

Brüssel - Erst kurz nach Eröffnung der japanischen Finanzmärkte um zwei Uhr nachts deutscher Zeit war alles unter Dach und Fach. Die EU hat in einer Krisensitzung ein historisches Hilfspaket mit gigantischen Summen beschlossen. Nun müssen Regierungschefs, Minister und Notenbanker hoffen, dass das Signal an den Börsen ankommt und die Wetten gegen den Euro ein Ende finden.

Mit ihrem Hilfspaket in Höhe von bis zu 750 Milliarden Euro wollen EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) die Einheitswährung stabilisieren.

  • 440 Milliarden kommen in Form von Garantien und Krediten von den Euro-Mitgliedern,
  • 60 Milliarden Euro stelle die Kommission bereit, erklärte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière nach der Krisensitzung der EU-Finanzminister am frühen Montagmorgen in Brüssel.
  • Der IWF wird zusätzlich bis zu 250 Milliarden Euro bereitstellen.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) teilte mit, einen Beitrag leisten zu wollen und auf den Finanzmärkten wo nötig zu intervenieren. Dazu gehört auch der umstrittene Ankauf von europäischen Staatsanleihen.

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EU-Rettungspaket: 750-Milliarden-Euro-Stütze
Im Gegenzug für die angekündigten Schritte der Euro-Zone und der EZB verpflichteten sich die nach Griechenland wichtigsten Sorgenkinder des Euro-Raums, Spanien und Portugal, zu erheblichen zusätzlichen Konsolidierungsmaßnahmen, erklärte de Maizière, der den plötzlich erkrankten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Brüssel vertreten hatte. Beide Länder wollten am 18. Mai über ihren Sparkurs berichten.

Die genaue Ausgestaltung der geplanten Zweckgesellschaft ("Special Purpose Vehicle") werde noch "in den nächsten Tagen" festgezurrt, sagte der Minister. Deutschland werde für die Unterstützung ein Gesetz verabschieden müssen. Er rechne damit, dass dies schon in den kommenden Tagen geschehen könne, sagte de Maizière.

Deutscher Beitrag voraussichtlich bei rund 123 Milliarden Euro

Als rechtliche Grundlage für den neuen Mechanismus zur Abwehr von Spekulanten solle Artikel 122 des Lissabon-Vertrages dienen. Er erlaubt finanziellen Beistand der Union "aufgrund von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen". Im Falle Griechenlands war ein Rückgriff auf diese Klausel noch vermieden worden, weil das hellenische Schuldendrama nicht erst durch die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise ausgelöst wurde.

Würde der gleiche Verteilungsschlüssel wie zur Rettung Griechenlands angewandt, steuerte Deutschland bis zu 123,2 Milliarden Euro zu dem Rettungspaket bei. Deutschland habe stundenlang auf bilateralen Krediten beharrt und dem System der Garantien erst zugestimmt, als die Gründung einer eigenen Zweckgesellschaft beschlossen wurde, hieß es. Deutschland hätte sich gemeinsam mit den Niederlanden gegen die zentrale Stellung der Brüsseler EU-Behörde bei der Rettungsaktion gewehrt.

Die Einführung eines Stabilisierungsmechanismus für die Euro-Zone war in der Nacht zum Samstag von den Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone beschlossen worden. Den Finanzministern der EU erteilten sie den Auftrag, noch vor Börsenöffnung am Montagmorgen einen konkreten Eilbeschluss zu fassen.

Der Euro-Kurs steigt wieder

"Das zeigt, dass wir den Euro verteidigen werden, koste es, was es wolle", sagte Währungskommissar Olli Rehn. "Es gibt ganz klar ein systemisches Risiko und eine Bedrohung für die finanzielle Stabilität von Euro-Zone und EU, es handelt sich nicht nur um eine Attacke auf einzelne Länder."

Nach der Einigung der EU-Finanzminister auf den beispiellosen Krisenfonds und der EZB-Ankündigung, möglicherweise Staatsanleihen zu kaufen, hat der Kurs des Euro Chart zeigen an den asiatischen Börsen deutlich angezogen. An der Börse in Tokio stieg er am Montagmorgen über die Marke von 1,29 Dollar. Schon zum Börsenauftakt war der Kurs der Gemeinschaftswährung auf 1,2884 Dollar gestiegen, nachdem der Verwaltungsrat des IWF Notkredite in Höhe von 30 Milliarden Euro für die Regierung in Athen gebilligt hatte. Am Freitag hatte der Euro-Kurs beim Börsenschluss in New York bei 1,2755 Dollar gelegen.

Vergangene Woche war der Euro unter dem Druck der gewaltsamen Proteste in Griechenland gegen die Sparpläne der Regierung in Athen eingebrochen. Die Attacken von Spekulanten auf die Einheitswährung glichen "dem Verhalten von Wolfsrudeln", hatte der schwedische Finanzminister Anders Borg vorher in Brüssel gewarnt. "Wenn wir dieses Rudel nicht stoppen, werden sie die schwächsten Länder zerreißen."

itz/yes/dpa-AFX/Reuters

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Forum - Wird Deutschland von der Griechenland-Krise erfasst?
insgesamt 1072 Beiträge
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    Seite 1    
1.
Ghost12 08.05.2010
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen? Zudem erreicht die Griechenland-Krise die Börsen, die erhebliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten. Was glauben Sie - wird die Krise auch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bremsen?
Die Banken fordern und betteln um den erneuten Bail-Out. Alle Monate wieder, schon wieder haben sie sich verzockt. "Anleger betteln bei Zentralbank um Hilfe" http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:boersenausblick-anleger-betteln-bei-zentralbank-um-hilfe/50111588.html Knickt die EZB ein, wovon auszugehen ist, sind all unsere bisherigen Eigentümer, alle unsere Freiheitsrechte nicht mehr in unserer Hand sondern ein reines Pfand der Politik und Banken. EU-Bürger sind dann reine Sklaven, die ihre komplette Arbeitskraft der Obrigkeit zur Verfügung stellen.
2.
Volker Gretz 08.05.2010
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen?
Die Frage lautet doch eher: Wird die Wirtschaft ihre Währung noch verteidigen können? In Brüssel werden gerade "Reformen" (=zahlen für die Wirtschaft) beschlossen, die Sonntag (nach Schließung der NRW-Wahllokale und vor Öffnung der internationalen Börsen) verkündet werden.
3.
Prekarianer 08.05.2010
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen? Zudem erreicht die Griechenland-Krise die Börsen, die erhebliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten. Was glauben Sie - wird die Krise auch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bremsen?
es ist immer wieder schön mitanzusehen, wie sich die marionetten der wirtschaftsbosse, politiker genannt, wie käfer verhalten. auf den rücken fallen und ihre beine empor halten und willig den weg der bänker hinterherlaufen
4.
Ghost12 08.05.2010
Zitat von Prekarianeres ist immer wieder schön mitanzusehen
"Quantitave Easing" wäre eine Abwertung des Euros. Das wäre Enteignung. Zugunsten von spekulierenden Banken. Das ist alles nicht mehr witzig, das wäre Ende von Demokratie und Eigentum.
5.
rolli 08.05.2010
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen? Zudem erreicht die Griechenland-Krise die Börsen, die erhebliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten. Was glauben Sie - wird die Krise auch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bremsen?
Die Weltwirtschaft, incl. der Banken hat sich an foreign exchange swaps verzockt. Bevor Staaten daran zugrunde gehen, werden grosse Unternehmen, Banken und Versicherungen bankrott sein. Aber die Staaten werden folgen, denn Zocker an diesem Markt waren auch die Zentralbanken in grossem Stil tätig. Es bleibt nur Rezession, dadurch Inflation und dadurch weltweit Zusammenbruch der Wirtschaft und des Geldsystems. rolli
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