Forderung von US-Finanzminister: Deutsche sollen kaufen, nicht exportieren

Der US-Finanzminister attackiert Deutschland und China: In einem Brief zum Auftakt des G-20-Treffens fordert Timothy Geithner von den exportstarken Ländern, die Ungleichgewichte bei den Handelsbilanzen abzubauen. Wirtschaftsminister Brüderle lehnt die Vorschläge ab.

US-Finanzminister Geithner: Kritik am Exportüberschuss von China und Deutschland Zur Großansicht
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US-Finanzminister Geithner: Kritik am Exportüberschuss von China und Deutschland

Washington - Timothy Geithner macht Druck auf Exportweltmeister China und auf Deutschland: In einem Brief vor dem Treffen der G-20-Finanzminister in Südkorea hat der US-Finanzminister einen Brief geschrieben. Darin macht er einen Vorschlag zum Abbau der Ungleichgewichte bei den Handelsbilanzen.

In dem Brief, aus dem unter anderem das "Handelsblatt" und das "Wall Street Journal" zitieren, fordert Geithner, dass sich Länder mit hohen Exportüberschüssen verpflichten, etwa mit Steuererleichterungen die heimische Nachfrage anzukurbeln. Dies würde vor allem China, Japan und Deutschland betreffen.

Im Gegenzug müssten sich Länder mit chronischen Handelsbilanzdefiziten auf einen Sparkurs und die Förderung ihrer Exportwirtschaft verpflichten. Dies würde vor allem die USA betreffen. Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Minister vor Konferenzen versucht, Druck auf die Partnerländer in der G20 auszuüben. Von Experten werden dem Vorstoß allerdings nur geringe Chancen auf eine Umsetzung eingeräumt. Bereits im Sommer hatten die G-20-Finanzminister einen ähnlichen Vorstoß Geithners abgelehnt.

Für Aufregung könnte vor allem Geithners Vorschlag sorgen, bei den Handelsbilanzen Grenzen festzulegen - im Vergleich zur Wirtschaftsleistung der jeweiligen Länder. Konkrete Zahlen nannte er nicht, laut namentlich nicht genannten Insidern peile er aber eine Grenzmarke von vier Prozent an. Überschreiten die Länder diese Marke, müssten sie laut Geithner Konsequenzen in der nationalen Wirtschaftspolitik ziehen.

Die Vereinigten Staaten kritisieren immer wieder den hohen Exportüberschuss von China. Selbst verzeichnen die USA einen riesigen Importüberschuss. Das führt dazu, dass das Land sein Wachstum nur durch enorme Steigerungen bei der Binnennachfrage vorantreiben kann.

Streit über Währungen vorherrschendes Thema

Im Mittelpunkt des bis Samstag dauernden Treffens der Finanzminister dürfte allerdings vor allem die Frage der Wechselkurse stehen. Die USA und Europa werfen China vor, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um seine Exporte billiger zu machen. Auch Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sprach erneut von einem internationalen "Währungskrieg" und hat Gegenmaßnahmen seines Landes angekündigt.

Für die Bundesregierung ist als Vertreter des erkrankten Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nach Kyongju gereist. Angesprochen auf Geithners Forderungen verwies er laut "Handelsblatt" auf die "überaus gute Binnenkonjunktur" in Deutschland. Er halte eine Obergrenze beim Abbau von Ungleichgewichten nicht für den richtigen Weg. Der FDP-Minister argumentiert, der Exportüberschuss sei der hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft geschuldet.

Dagegen begrüßte Kanadas Finanzminister Jim Flaherty Geithners Vorschlag. Der Brief sei hilfreich, sagte er am Freitag in Südkorea.

cte/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 212 Beiträge
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1. Der Witz fürs Wochenende…
wika 22.10.2010
Schön, dass sich der amerikanische Finanzminister um das Konsumverhalten der Deutschen, Chinesen und manch anderer Mitbewohner auf diesem Planeten sorgt um eigene Probleme in den Griff zu bekommen. Wenn man im Gegenzug allerdings Amerika den Tipp gibt, sie sollten es doch unterlassen den Markt mit „Greenspam“ zu fluten … http://qpress.de/2010/08/11/was-hat-greenspam-mit-dollar-zu-tun/ … dann dürfte dies binnen einen halben Tages als Einmischung in innere Angelegenheiten zurückgewiesen werden. Also Mr. Finanzminister von und zu USA, nicht wir wollen uns weiter vollfressen umd uns hernach nicht mehr bewegen zu können, sondern die Amerikaner sollten mal etwas abspecken (weniger konsumieren), um wieder auf Wettkampfniveau zu kommen … schöne Grüße über den Teich oder doch besser Teig?
2. Fehler zu Beginn des Textes
ruben83 22.10.2010
"In einem Brief vor dem Treffen der G20-Finanzminister in Südkorea hat der US-Finanzminister einen Brief geschrieben."
3. Was
moritzdog, 22.10.2010
Zitat von sysopDer US-Finanzminister attackiert Deutschland und China: In einem Brief zum Auftakt des G20-Treffens fordert Timothy Geithner von den exportstarken Ländern, die Ungleichgewichte bei den Handelsbilanzen abzubauen. Wirtschaftsminister Brüderle lehnt die Vorschläge ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,724581,00.html
bieten denn die Amis an, was interessant ist zu kaufen? Mir fällt da nichts ein. Sorry. Ach so, vielleicht Waffen.
4. Nicht nur Waffen!!!
ceebass 22.10.2010
Zitat von moritzdogbieten denn die Amis an, was interessant ist zu kaufen? Mir fällt da nichts ein. Sorry. Ach so, vielleicht Waffen.
Genmais würde mir da noch einfallen...
5. .
orion4713 22.10.2010
Zitat von sysopDer US-Finanzminister attackiert Deutschland und China: In einem Brief zum Auftakt des G20-Treffens fordert Timothy Geithner von den exportstarken Ländern, die Ungleichgewichte bei den Handelsbilanzen abzubauen. Wirtschaftsminister Brüderle lehnt die Vorschläge ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,724581,00.html
Na dann los Angie, keine Steuersenkungen sondern Mindestlöhne! Das erhöht nicht nur die Binnennachfrage sondern entlastet auch die Sozialsysteme. Aber bitte vorher mit Ackermann abstimmen!
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Das chinesische Währungssystem
Im Juli 2005 wertet die Zentralbank den Yuan gegenüber dem Dollar um 2,1 Prozent auf und kündigt den Übergang zu einer Währungskorbpolitik an. Nach Angaben der Zentralbank sind die wichtigsten Währungen des Korbs Dollar, Euro, Yen und der koreanische Won. Auch der Singapurer Dollar, das britische Pfund, der malaysische Ringgit, der russische Rubel, der australische Dollar, der thailändische Baht und der kanadische Dollar sind enthalten. Die Gewichtung der Währungen ist geheim.

Ab Juli 2008 ist der Yuan de facto wieder an den Dollar gekoppelt, um die heimische Wirtschaft vor den Auswirkungen der Finanzkrise zu schützen.

Die chinesische Zentralbank setzt täglich einen Mittelwert fest, der sich an von Händlern gesammelten Angeboten orientiert. Gegenüber diesem Wert darf der Yuan im Verhältnis zum Dollar bis zu 0,5 Prozent an einem Tag steigen oder fallen. Tatsächlich beschränken sich die Schwankungen des Yuan jedoch meist auf bis zu 0,15 Prozent gegenüber dem Dollar-Mittelwert. Die tägliche Handelsspanne gegenüber anderen wichtigen Währungen ist auf plus oder minus drei Prozent gegenüber dem täglichen Mittelwert festgesetzt.