Hamburg - Deutschland zieht einer Studie zufolge erheblichen Nutzen aus dem Euro. Der Euro reduziere die Kosten des internationalen Handels und schütze vor Wechselkursschwankungen, heißt es in einer Untersuchung des Instituts Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Ohne die Gemeinschaftswährung fiele das deutsche Wachstum den Berechnungen zufolge jährlich um einen halben Prozentpunkt niedriger aus. Das entspreche 200.000 Arbeitsplätzen.
Hintergrund der Studie ist die wachsende Kritik an der europäischen Währungsunion. Im Zuge der andauernden Schuldenkrise gibt es in Deutschland Stimmen, die eine Rückkehr zur D-Mark fordern. Die kürzlich gegründete Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) kann sich Umfragen zufolge Hoffnungen auf einen Einzug in den Bundestag machen. Meinungsforscher stellen der AfD ein Potential von drei bis fünf Prozent in Aussicht. Die Euro-Kritiker warnen, dass die Kosten für die Stabilisierung der Krisenländer Deutschland überfordern könnten. Eine Rückkehr zur D-Mark sei für die Bundesrepublik langfristig günstiger.
Die Bertelsmann Stiftung positioniert sich nun dagegen - als klarer Befürworter der Gemeinschaftswährung. "Eine Rückkehr zur D-Mark würde erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten", sagte Vorstandschef Aart des Geus. "Die Deutschen würden Einkommen und Arbeitsplätze verlieren."
In der Prognos-Studie heißt es weiter: Ohne den Euro würde das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland jedes Jahr um rund 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Würden die Wachstumsvorteile der Euro-Mitgliedschaft zwischen 2013 und 2025 aufaddiert, ergebe sich ein Gewinn in Höhe von fast 1,2 Billionen Euro. Dieser Wert entspricht in etwa der Hälfte der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung des Jahres 2012. Auch für den Bürger rechne sich der Euro: Im Durchschnitt betrage das Plus je Einwohner zwischen 2013 und 2025 etwa 1100 Euro pro Jahr.
Die Vorteile des Euro seien für Deutschland auch dann noch gegeben, wenn es in den kommenden Jahren zu erheblichen Abschreibungen von Forderungen gegenüber den vier südeuropäischen Krisenländern Griechenland, Portugal, Spanien und Italien kommen sollte. Die Forscher haben ein Szenario berechnet, das für jedes Land Abschreibungen von 60 Prozent der Forderungen zugrunde legt. Die in diesem Fall höhere Staatsverschuldung wirke zwar dämpfend auf die wirtschaftliche Dynamik. Die Auswirkungen hielten sich jedoch in Grenzen.
Die Macher der Studie betonen, dass es sich um Modellrechnungen handle. Wenn Deutschland tatsächlich aus dem Euro aussteigen würde, hätte dies mit großer Wahrscheinlichkeit den Zusammenbruch der Währungsunion und eine Weltwirtschaftskrise zur Folge, hieß es.
cte/dpa
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