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Euro-Krise: Forscher warnen vor D-Mark-Comeback

Reichstag in Berlin: "Deutsche würden Einkommen und Arbeitsplätze verlieren" Zur Großansicht
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Reichstag in Berlin: "Deutsche würden Einkommen und Arbeitsplätze verlieren"

Eine Rückkehr zur D-Mark hätte für Deutschland verheerende Folgen. Das besagt eine Studie, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde. Der Euro sei auch dann noch die bessere Wahl, wenn Deutschland einen Großteil seiner Hilfskredite abschreiben müsste.

Hamburg - Deutschland zieht einer Studie zufolge erheblichen Nutzen aus dem Euro. Der Euro reduziere die Kosten des internationalen Handels und schütze vor Wechselkursschwankungen, heißt es in einer Untersuchung des Instituts Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Ohne die Gemeinschaftswährung fiele das deutsche Wachstum den Berechnungen zufolge jährlich um einen halben Prozentpunkt niedriger aus. Das entspreche 200.000 Arbeitsplätzen.

Hintergrund der Studie ist die wachsende Kritik an der europäischen Währungsunion. Im Zuge der andauernden Schuldenkrise gibt es in Deutschland Stimmen, die eine Rückkehr zur D-Mark fordern. Die kürzlich gegründete Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) kann sich Umfragen zufolge Hoffnungen auf einen Einzug in den Bundestag machen. Meinungsforscher stellen der AfD ein Potential von drei bis fünf Prozent in Aussicht. Die Euro-Kritiker warnen, dass die Kosten für die Stabilisierung der Krisenländer Deutschland überfordern könnten. Eine Rückkehr zur D-Mark sei für die Bundesrepublik langfristig günstiger.

Die Bertelsmann Stiftung positioniert sich nun dagegen - als klarer Befürworter der Gemeinschaftswährung. "Eine Rückkehr zur D-Mark würde erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten", sagte Vorstandschef Aart des Geus. "Die Deutschen würden Einkommen und Arbeitsplätze verlieren."

In der Prognos-Studie heißt es weiter: Ohne den Euro würde das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland jedes Jahr um rund 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Würden die Wachstumsvorteile der Euro-Mitgliedschaft zwischen 2013 und 2025 aufaddiert, ergebe sich ein Gewinn in Höhe von fast 1,2 Billionen Euro. Dieser Wert entspricht in etwa der Hälfte der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung des Jahres 2012. Auch für den Bürger rechne sich der Euro: Im Durchschnitt betrage das Plus je Einwohner zwischen 2013 und 2025 etwa 1100 Euro pro Jahr.

Die Vorteile des Euro seien für Deutschland auch dann noch gegeben, wenn es in den kommenden Jahren zu erheblichen Abschreibungen von Forderungen gegenüber den vier südeuropäischen Krisenländern Griechenland, Portugal, Spanien und Italien kommen sollte. Die Forscher haben ein Szenario berechnet, das für jedes Land Abschreibungen von 60 Prozent der Forderungen zugrunde legt. Die in diesem Fall höhere Staatsverschuldung wirke zwar dämpfend auf die wirtschaftliche Dynamik. Die Auswirkungen hielten sich jedoch in Grenzen.

Die Macher der Studie betonen, dass es sich um Modellrechnungen handle. Wenn Deutschland tatsächlich aus dem Euro aussteigen würde, hätte dies mit großer Wahrscheinlichkeit den Zusammenbruch der Währungsunion und eine Weltwirtschaftskrise zur Folge, hieß es.

cte/dpa

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1.
SenYek 29.04.2013
... der Weltwirtschaft zu Folge... eine mutmaßlich sehr exklusive Sicht von Prognos. Was mich noch interessieren würde: Von welchen Wachstumsraten der "Rettungsschirme" und der (nie zurückzuzahlenden) Kreditvergaben an Südländer sind die Experten den ausgegangen? In den letzten Jahren haben ja sowohl Haftungsumfang als auch Kreditvergabe der sogenannten "Euro-Rettung" ein sehr beachtliches Wachstum vorgelegt. Und die zunehmenden Rufe nach "Wachstum" (gemeint ist: Wachstum der Staatsausgaben) lässt auch nicht vermuten, dass das Wachstum der (von Deutschland zu sichernden) Schulden demnächst nachlässt.
2. Schlimm genug, daß man für diese Erkenntnis Forscher...
gersco 29.04.2013
...bemühen muß. Es wäre Aufgabe der Politik und (endlich mal sinnvoll) vielleicht der Medien solche Zusammenhänge erklärend zu kommunizieren und nicht nur auf jeden Anti-Hype aufzuspringen, der sich gerade platzfüllend egal von welcher Seite her bietet.
3. Lächerlich
bugs bunny 29.04.2013
Ich kenne die Studie zwar nicht, aber das, was SPON zitiert, ist in höchstem Maße unseriös: 2013 - 2025 als Zeitraum zu nehmen, ist mehr als willkürlich. Damit wird dann eine Zahl wie 1,2 Billione begründet, die sich bei einer andren zeitlichen Betrachtung ganz anders liest. Oder anders ausgedrückt, das Ganze klingt nach ideologisch gesteuerter Aktion Pro Euro der höchst konservativen Bertelsmann-Stiftung.
4. Zwei Worte:
mwinter 29.04.2013
"Bertelsmann Stiftung". Cui bono - alles klar! Also müssen wir davon ausgehen, dass das Gegenteil wahr ist - der Euro-Austritt also tatsächlich der Weg ist, von dem die Mehrheit der Deutschen profitieren würde.
5. Ja zur DM.....
optimist11 29.04.2013
Zitat von sysopDPAEine Rückkehr zur D-Mark hätte für Deutschland verheerende Folgen. Das besagt eine Studie, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde. Der Euro sei auch dann noch die bessere Wahl, wenn Deutschland einen Großteil seiner Hilfskredite abschreiben müsste. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/forscher-warnen-vor-folgen-eines-d-mark-comebacks-a-897217.html
[QUOTE=sysop;12619407]Eine Rückkehr zur D-Mark hätte für Deutschland verheerende Folgen. Das besagt eine Studie, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde. Der Euro sei auch dann noch die bessere Wahl, wenn Deutschland einen Großteil seiner Hilfskredite abschreiben müsste. Hoffentlich kommt die DM wieder. Dann werden alle sehen wie sich die Preise erhöht haben und wie wir beschissen wurden. Wenn dann ein Golf (billigste Ausstattung) auf einmal 400000 DM kostet, werden die Preise wieder sinken müssen. Das war nur ein Beispiel. Wer kennt nicht die Pause auf einem Autohof an der Raststätte, wo locker ein Kaffee 3,50 € kostet. Ich würde dem Chef dieser Einrichtung den Kaffee (abgekühlt natürlich) über die Birne kippen, wenn er 7 DM haben will.
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