Experten GroKo-Rentenpläne nur mit drastischen Steuererhöhungen finanzierbar

Die Große Koalition verspricht stabile Renten und einen moderaten Beitragssatz. Doch Forscher warnen: Diese Pläne wären nur mit massiven Steuererhöhungen machbar.

Senioren an der Ostsee
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Senioren an der Ostsee


Die SPD verbuchte es als ihren Verhandlungserfolg beim Koalitionsvertrag: Dort ist als Ziel festgehalten, das Rentenniveau - also das Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn - bis 2025 nicht unter 48 Prozent fallen zu lassen. Außerdem soll der von Arbeitnehmer und Arbeitgeber hälftig zu zahlende Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen. In der Vereinbarung heißt es auch, die Koalition werde das "bei Bedarf durch Steuermittel sicherstellen".

Forscher warnen nun laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" aber, dass diese Rentenversprechen nur mit Dutzenden Milliarden Euro an Zusatzkosten pro Jahr zu finanzieren wären und wohl deutliche Steuererhöhungen nötig machen würden.

Eine Gruppe von Rentenforschern habe entsprechende Berechnungen ans Bundeswirtschaftsministerium geschickt, schreibt die Zeitung. Demnach müssten von der nächsten Legislaturperiode an jedes Jahr viele Milliarden Euro Steuergeld zusätzlich an die Rentenkasse überwiesen werden, um die Finanzierungslücke zu schließen. Diese ergebe sich aus der sinkenden Zahl der Beitragszahler bei gleichzeitig immer mehr Rentnern.

Die Forscher vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München kommen laut dem Bericht zu dem Schluss, dass von 2023 an die Haltelinie für das Rentenniveau unterschritten und zwei Jahre später der Beitragssatz von 20 Prozent überschritten würde. Dadurch würden 2025 elf Milliarden Euro im Jahr fehlen, 2030 bereits 45 Milliarden Euro, 2035 dann 80 Milliarden Euro und 2048 mehr als 125 Milliarden Euro im Jahr.

"Diese Kosten sind unbezahlbar"

Um die Finanzierungslücke beispielsweise allein mithilfe der Mehrwertsteuer zu schließen, die heute bei 19 Prozent liegt, müsste diese gemäß den Berechnungen 2030 um drei Prozentpunkte erhöht werden. Bis 2036 wären es schon sechs Prozentpunkte, langfristig müsste die Steuer sogar bei 26 Prozent liegen. Die Zeitung zitiert den Rentenexperten Axel Börsch-Supan von der Forschungsgruppe mit den Worten: "Wie auch immer das finanziert wird - diese Kosten sind unbezahlbar."

In der Großen Koalition gibt es bisher keine bekannten Pläne, die Zusatzkosten bei der Rente über eine höhere Mehrwertsteuer zu finanzieren. Laut "SZ" haben die Forscher aber dieses Szenario durchgerechnet, um die Größenordnung zu verdeutlichen.

mmq/dpa



insgesamt 273 Beiträge
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joke61 24.04.2018
1. Völliges Unverständnis
Eigentlich kann es sich ja nur um eine Rentenloch handeln, was überbrückt werden muss. Es sei denn, man belügt uns bewusst: 1. Die Geburtenraten liegen zur Zeit sehr hoch. 2. Die Integration williger Migranten schreitet voran. Also sind für die Zukunft auch viele Arbeitnehmer da, oder geht man jetzt schon davon aus das in Zukunft wegen der Digitalisierung, bzw. Übernahme von Arbeitsplätzen durch Computer und Roboter, nur noch jeder zweite Arbeit hat?
jogi2001 24.04.2018
2. Es gibt noch eine 3. Option der Finanzierung
Höheres Renteneintrittsalter. Und bevor die MwSt auf 26 Prozent steigt, wird das Renteneintrittsalter angehoben.
pepe-b 24.04.2018
3. Keine Überraschung
Überraschend ist eher immer wieder, dass viele Bürger mit ihren Rufen nach mehr Rente glauben aus 1 und 1 in Summe 3 machen zu können. Dass es immer mehr Alte und gleichzeitig immer weniger Junge gibt, ist seit Langem klar. So sehr das alles sicherlich wünschenswert wäre: am Ende steht IMMER die Frage: wer zahlt‘s? Ausgleich durch Migration ist ja offensichtlich auch nicht erwünscht.
deufin 24.04.2018
4. Die Lösung ist einfach....
Alle Menschen zahlen endlich einmal in die gleiche Rentenkasse ein, anstatt daß jeder sein eigenes Süppchen kocht. Anschließend sorgen wir dafür, daß nicht nur Löhne zur Finanzierung der Rente herangezogen werden, sondern auch von Kapitalerträgen ein kleiner Prozentsatz in die Rentenkasse geht. Das Geld ist vorhanden, es ist nur sehr schlecht verteilt, und nicht alle werden zur Finanzierung des Gemeinwohls hergenommen. Wir haben schlichtweg irgendwann einmal das Soziale aus der sozialen Marktwirtschaft gestrichen und diese Entwicklung zugelassen.
erzengel1987 24.04.2018
5. Schwarzmalerei?
Also solange der Staat bequem Staaten, Banken und Unternehmen mit Krediten helfen kann sehe ich bei weitem keine Engpässe. In Österreich werden ebenfalls deutlich höhere Renten ausbezahlt. Hätte man die Rentenkassen nicht ständig geplündert wäre auch genug Geld da. Also jeder Arbeitnehmer zahl seinen Anteil in die Kassen ein. Die Politik kann ja mal bei der Bundeswehr sparen, oder bei kostspieligen Auslandseinsätzen, das erspart uns im übrigen dann auch Flüchtlinge. Oder unsinnige Bauprojekte stoppen, oder Personal in Ämter durch Software ersetzen. Es gibt genügend Sparpotential.
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