700 Unternehmen Wasserwirtschaft und Getränkeindustrie fordern Fracking-Verbot

"Der Einsatz der Fracking-Technologie wäre unverantwortlich" - ein Bündnis von 700 deutschen Unternehmen warnt vor der umstrittenen Gas-Fördermethode. Das Bündnis aus Wasserwirtschaft und Getränkeindustrie fordert von Union und SPD ein strenges Gesetz.

Fracking im US-Bundesstaat Colorado: Kaum Handhabe für Verbot
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Fracking im US-Bundesstaat Colorado: Kaum Handhabe für Verbot


Berlin - Ein 700 Unternehmen umfassendes Bündnis fordert aus Sorge um die Reinheit der Wasservorkommen in Deutschland strikte gesetzliche Regeln für das Gas-Fracking. Das von Union und SPD im Falle einer Großen Koalition geplante Moratorium für die Gasförderung aus tiefem Gestein wird zwar begrüßt. Aber eine gesetzliche Klarstellung sei dringend geboten.

Getragen wird das Bündnis von Gelsenwasser, den Wasserwerken an der Ruhr, dem Deutschen Brauer-Bund, dem Verband Deutscher Mineralbrunnen und der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke - also Unternehmen, für die sauberes Wasser existentiell wichtig ist.

Solange keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse vorlägen und nicht alle Risiken für Gesundheit und Umwelt bewertet seien und ausgeschlossen werden könnten, wäre der Einsatz der Fracking-Technologie unverantwortlich, warnt das Bündnis. Bisher gebe es kaum eine Handhabe, Gasbohrungen unter Einsatz umweltgefährdender Chemikalien zu verbieten, weil klare gesetzliche Festlegungen fehlten. Erst Anfang Juni hatte die damalige schwarz-gelbe Koalition ein Gesetzesvorhaben gekippt.

Laut Studien könnte Deutschland mit den Schiefergasvorkommen in tiefen Gesteinsschichten über zehn Jahre seinen Gasbedarf decken. Die Reinheit des Wassers und die Gesundheit müssten aber Vorrang haben vor energiepolitischen oder wirtschaftlichen Interessen, verlangt das Bündnis. Die Forderungen sollen am Freitag in einer "Gelsenkirchener Erklärung" veröffentlicht werden.

In den vergangenen Monaten hatten Berichte aus den USA über Verunreinigungen von Wasser im Zusammenhang mit Fracking für Aufsehen gesorgt. So ergab etwa eine Studie von Forschern der Duke University im US-Staat North Carolina Hinweise darauf, dass manche Brunnen in der Nähe von Fracking-Anlagen mit den Gasen Methan, Ethan und Propan belastet seien. Die Belastung von Methan und Ethan lag demnach bei Brunnen im Umkreis von einem Kilometer um Fracking-Anlagen sechsmal beziehungsweise 23 Mal höher als in anderen Brunnen.

fdi/dpa

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insgesamt 49 Beiträge
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thorsten.gysin 22.11.2013
1. Die 700 kann man nur unterstützen ..
Wie dumm sollen wir denn sein? Dass man heute giftige Chemikalien in den Boden pumpt und uns glauben machen will, das kommt irgendwann nicht wieder hervor? Fracker vergiften aus Geldgier unsere Nachkommen ! NEIN DANKE !
Darknessfalls 22.11.2013
2. 10 Jahre
Die Gasversorgung für 10 Jahre im Tausch für eine nicht definierbare Verschmutzung/Verseuchungsgefahr des Nahrungsmittels Nummer eins - wenn das kein guter Deal (für die Fracking-Betreiber) ist, weiss ich auch nicht... Im Ernst: zehn Jahre? Um die Zeitspanne mal in historische Rahmen einzubinden: wie lange ist die Wiedervereinigung her? Seit wann haben wir den Euro? Zehn Jahre. Bei den Aussichten bekommt man ja Fracking-Sausen!
ragabhava 22.11.2013
3. -
Na endlich stehen wir Bürger auch mal im Windschatten dicker Lobbyverbände: ich fühle mich wie klein Mäxchen hinter Mamas Rock...wenn da nur nicht noch die noch fetteren Auto und Energielobbies wären...
mbraun09 22.11.2013
4. Keine Regeln, Verbot!
Für ein paar Jahre Profit von wenigen ganze Landstriche vergiften.... Und Menschen glauben wirklich, sie wären die Krone der Schöpfung.
Muhli9 22.11.2013
5. Rechtliche Handhabe
---Zitat--- Bisher gebe es kaum eine Handhabe, Gasbohrungen unter Einsatz umweltgefährdender Chemikalien zu verbieten, weil klare gesetzliche Festlegungen fehlten. ---Zitatende--- Beispiel Nummer 29.432.524 dafür, dass Juristen auf diesem Planeten nichts zu suchen haben.
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