Bauern-Protest Tausend Traktoren rollen nach Paris

Seit Wochen protestieren Frankreichs Bauern gegen sinkende Preise. Jetzt haben sie sich mehr als Tausend Traktoren auf den Weg nach Paris gemacht. Ein 600 Millionen Euro schwerer Hilfsplan der Regierung genügt ihnen nicht.

AP/dpa

"Frankreich - lass deine Bauern nicht im Stich": Mit solchen Slogans sind am Donnerstagmorgen rund Tausend Traktoren über verschiedene Autobahnen in Richtung Paris gerollt. Französische Landwirte protestieren mit der Aktion gegen sinkende Preise für ihre Produkte.

Am frühen Morgen zählte die Pariser Polizeipräfektur 1038 Traktoren, 49 Busse und 50 andere Fahrzeuge. Die Bauern blockierten in der Regel nur eine Fahrbahn, sodass sich die Verkehrsbehinderungen in Grenzen hielten, es wurden 17 Kilometer Stau gemeldet. Die Polizei hatte Bewohner der Vororte vorsorglich aufgerufen, das Auto stehen zu lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu fahren.

Eine Delegation der protestierenden Bauern wollte sich in die Nationalversammlung begeben. Premierminister Manuel Valls kündigte an, Sprecher der Bauernverbände zu empfangen.

Französische Viehzüchter protestieren schon seit Wochen mit Straßenblockaden im ganzen Land gegen sinkende Preise für Milch und Fleisch. Sie sehen das Überleben ihrer Betriebe gefährdet. Die französische Regierung legte deswegen im Juli einen 600 Millionen Euro schweren Hilfsplan auf. Die Bauern fordern aber weitergehende Maßnahmen - unter anderem weniger Regulierungen. Auch deutsche Milchbauern protestierten wiederholt mit Sternfahrten gegen den Preisverfall.

dab/AFP



insgesamt 28 Beiträge
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!!!Fovea!!! 03.09.2015
1. Mein Mitleid
an die tendenziell verarmenden Landwirte/Agrarökonomen, deren Hütten von Jahr zu Jahr größer werden ebenso wie deren Autos. Mein Mitleid gilt auch den Wanderarbeitern, die Jahre zuvor zu Hungerlöhnen auf den Feldern arbeiteten, damit die verarmenden Bauern z. B. Spargel zu massiv überhöhten Preisen auf den Märkten verkaufen konnten.
eSVau 03.09.2015
2. Ich verstehe die Bauern nicht...
Wenn man als Produzent nur bestimmen könnte, für welchen Betrag man sein hergestelltes Produkt verkauft... Irgendwie scheinen alle Bauern das gleiche Problem zu haben (jedenfalls in .fr und .de). Klingt für mich nach einer gewaltigen Überproduktion. Hängst bestimmt nicht damit zusammen, dass eine Milchkuh vor einem viertel Jahrhundert vielleicht 7000 Liter im Jahr gab und heutige Hochleistungsgezüchte auf 30000 Liter im Jahr kommen. Wer Ironie findet, darf sie behalten.
frenchie3 03.09.2015
3. @1
Wahnsinn, die gibt es noch, die von Ihnen genannten Bauern? Bitte Wohnorte unbedingt auf Guckel Earth veröffentlichen. Haben Sie überhaupt die geringste Idee von der Arbeitsbelastung eines Milchbauerns und dem Erlös dafür? Ich wette, dafür würden Sie nicht mal das Bett verlassen
TasteF6 03.09.2015
4. Protest muss sein
Politik und Gesellschaft haben einen sehr großen Einfluss auf den sog. "freien Markt" und entsprechend auf die Erzeugerpreise. Klar müssen Bauern protestieren, wenn die Erlöse nicht annähernd die Kosten decken. Zur Zeit zahlen sie Eintritt, wenn sie in den Stall gehen. Und 30.000 ltr. produziert keine Kuh im Jahr!
Luxinsilvae 03.09.2015
5. War klar, dass hier erst einmal ...
Zitat von eSVauWenn man als Produzent nur bestimmen könnte, für welchen Betrag man sein hergestelltes Produkt verkauft... Irgendwie scheinen alle Bauern das gleiche Problem zu haben (jedenfalls in .fr und .de). Klingt für mich nach einer gewaltigen Überproduktion. Hängst bestimmt nicht damit zusammen, dass eine Milchkuh vor einem viertel Jahrhundert vielleicht 7000 Liter im Jahr gab und heutige Hochleistungsgezüchte auf 30000 Liter im Jahr kommen. Wer Ironie findet, darf sie behalten.
... so ein naiver Vogel um die Ecke kommt. Wenn Sie jetzt noch kurz erwähnt hätten, dass von 100 Bauernstellen des Jahre 1950 in De. nur noch weniger als 20 vorhanden sind, hätten Sie gemerkt, dass irgendetwas an Ihrer platten Betrachtung nicht so ganz Realitätskompatibel ist - und von welcher Marktseite der Druck offensichtlich ausgeht. Das Ganze nennt sich "Wachsen oder Weichen" um den Angebotsdruck von nur noch 3, 4 verschiedenen Vollsortimenter/Discounter-Gruppen standhalten zu können. Das einzige was sicher ist, scheint mir, dass SIE keiner Betätigung mit eigenverantwortlichem Unternehmerrisiko nachgehen. So eine heilige, politisch korrekt pseudobesserwissende Einfalt kann man sich nur im rundumversorgten, vollumfänglich sozialversichertem und (Ihren letzten Satz aufgreifend) "totaaal ironischen" Angestelltenverhältnis jenseits aller wirklichen ökonomischen Initiativrisiken leisten. Als Landwirt hätten Sie eine Halbwertzeit von max. 2 Jahren. Und: Ironie brauchen Sie bei meinem Beitrag erst gar nicht suchen. Danke schön!
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