Wahlversprechen von Hollande: Frankreich beschließt befristete Reichensteuer

François Hollande hat eines seiner wichtigsten Wahlversprechen umgesetzt: eine 75-prozentige Spitzensteuer für Millionäre. Obwohl sie nur 210 Millionen bringt und auf zwei Jahre begrenzt bleibt, gibt es herbe Kritik an Hollande - unter anderem von Modezar Karl Lagerfeld.

Luxushotel in Cannes: "Hollande hasst die Reichen" Zur Großansicht
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Luxushotel in Cannes: "Hollande hasst die Reichen"

Paris - Wer viel hat, muss mehr helfen: Unter diesem Motto kündigte François Hollande vor seiner Wahl zum französischen Präsidenten eine Reichensteuer an, mit der Wohlhabende besonders an den Kosten der Krise beteiligt werden sollten. Nun hat die französische Nationalversammlung die Steuer beschlossen.

Die Mehrheit der Abgeordneten votierte in Paris dafür, einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent einzuführen. Dieser betrifft Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro und soll auf zwei Jahre begrenzt bleiben. Rund 1500 Steuerzahler in Frankreich sind von der Reichensteuer betroffen, der Fiskus rechnet mit Mehreinnahmen von jährlich rund 210 Millionen Euro.

Haushaltsminister Jérôme Cahuzac bezeichnete die Reichensteuer als legitim. Jeder in Frankreich müsse seinen Möglichkeiten entsprechend seinen Teil zur Sanierung der öffentlichen Finanzen beitragen. Der konservative Abgeordnete und ehemalige Arbeitsminister Eric Woerth sprach hingegen von einer Strafsteuer. Diese werde nicht viel bringen, aber zweifellos dazu führen, dass einige Steuerzahler Frankreich verlassen.

Herbe Kritik an Hollande kam auch vom Wahl-Pariser Karl Lagerfeld. Der Kreativchef des französischen Modehauses Chanel beschimpfte den Sozialisten als Dummkopf. "Hollande hasst die Reichen", sagte Lagerfeld der spanischen Ausgabe des Magazins "Marie Claire". "Er will sie bestrafen, und klar, sie gehen und keiner investiert mehr." Hollande solle sich lieber um die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft kümmern. "Außer bei Mode, Schmuck, Parfum und Wein ist Frankreich nicht wettbewerbsfähig."

Rückendeckung erhielt Hollande von seiner Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal. "Diese Beleidigungen sind vollkommen fehl am Platz", sagte die sozialistische Politikerin dem Sender RTL. Lagerfeld profitiere als Modeschöpfer vom "Ansehen und Prestige Frankreichs". Der Designer müsse sich daher für seine Äußerungen entschuldigen.

dab/AFP

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Damit ist der linke Mythos entlarvt
Archimedes_da_Siracusa 20.10.2012
Es wird doch immer behauptet, man muss nur die Reichen ordentlich besteuern, schon sind alle Probleme gelöst. Jetzt sieht man, das bringt gerade mal 0,2 Mrd. Euro. Das ist weniger als 1
2. Großbritannien sagt 'Dankschön'
hxk 20.10.2012
Zitat von sysopAFPFrancois Hollande hat eines seiner wichtigsten Wahlversprechen umgesetzt: eine 75-prozentige Spitzensteuer für Millionäre. Obwohl sie nur 210 Millionen bringt und auf zwei Jahre begrenzt bleibt, gibt es herbe Kritik an Hollande - unter anderem von Modezar Karl Lagerfeld. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-beschliesst-reichensteuer-a-862477.html
und die französischen Spitzensteuerzahler sagen 'Auf (Nimmer?)Wiedersehen' und das wegen lächerlicher 210 Mio.€ bei einem Haushalt von 1.300 Mrd. Linke konnten noch nie mit Geld umgehen und die kleinen Leute müssen mal wieder drunter leiden.
3. ...
kojak2010 20.10.2012
Zitat von sysopAFPFrancois Hollande hat eines seiner wichtigsten Wahlversprechen umgesetzt: eine 75-prozentige Spitzensteuer für Millionäre. Obwohl sie nur 210 Millionen bringt und auf zwei Jahre begrenzt bleibt, gibt es herbe Kritik an Hollande - unter anderem von Modezar Karl Lagerfeld. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-beschliesst-reichensteuer-a-862477.html
Leute wie Lagerfeld gehören der Lige "Unternehmer" an. also menschen mit Visionen, Nachhaltigkeit, Biss und vorallem mit einem 16 Stunden Arbeitstag. Die wirklich Reichen, die Schmarotzer, die Assizialen mit dem wirklichen Geld, die haben ihr Geld auf den Caymens, aber doch nicht in Frankreich. und somit ist die Reichensteuer wie alles andere von den Geisteskranken der EU Politiker, nichts als Aktionismus, während sich die Bänker einen ablachen, wie schön die Politik-Darsteller das Stöckchen holen, was sie eben geworfen haben...
4. Linkspopulismus
frank-thiele 20.10.2012
0,2 Mrd. Euro ist lächerlich wenig. (Volkswirtschaftlich gesehen) Es geht im tatsächlich nur um das Prinzip. Hoffentlich kommen die Steuerflüchtlinge zu uns uns. Er richtet großen Schaden für sein Land an. Neid ist eine Todsünde.
5. Nachfrage
Progressor 20.10.2012
Werden zur Veranlagung dieses neuen Spitzensteuersatzes auch Kapitalerträge herangezogen? Oder versteuert man nur die Ärmsten der Reichen? ;-)
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