Wirtschaftsflaute: Frankreich gewährt Unternehmen Steuerentlastung

Die französische Regierung will Firmen entlasten und so die Wirtschaft ankurbeln. Die Unternehmen sollen 20 Milliarden Euro weniger Steuern zahlen, im Gegenzug wird die Mehrwertsteuer erhöht. Präsident Hollande umgeht damit ein gefordertes Reformkonzept.

Frankreichs Präsident Hollande (r.) mit Premier Ayrault: Entlastungen verkündet Zur Großansicht
AFP

Frankreichs Präsident Hollande (r.) mit Premier Ayrault: Entlastungen verkündet

Paris - Frankreich muss dringend seine schwache Konjunktur in Schwung bringen und die Verschuldung reduzieren. Ein Berater von Präsident François Hollande hat dem Land deshalb eine Radikalkur empfohlen, die den deutschen Hartz-Gesetzen ähnelt. Nun hat die Regierung erste Maßnahmen verkündet - und folgt dabei nur zum Teil den Vorschlägen des Gutachters.

Um die Unternehmen zu entlasten, beschloss die Regierung milliardenschwere Steuererleichterungen. Geplant seien auf drei Jahre verteilte Ermäßigungen über einen Gesamtbetrag von 20 Milliarden Euro, sagte Premierminister Jean-Marc Ayrault am Dienstag in Paris.

Zur Gegenfinanzierung werde der Staat von 2014 an weitere Einsparungen in Höhe von zehn Milliarden Euro vornehmen. Zudem soll ab 2014 die allgemeine Mehrwertsteuer von 19,6 auf 20 Prozent steigen. Damit greift die sozialistische Regierung eine Maßnahme der Konservativen auf, gegen die sie im Frühjahr noch Wahlkampf gemacht hatte. Der im Mai abgewählte Präsident Nicolas Sarkozy hatte eine Mehrwertsteuererhöhung auf 21,2 Prozent angekündigt, um eine Entlastung der Arbeitgeber zu finanzieren.

Der frühere Chef des Luftfahrtkonzerns EADS, Louis Gallois, hatte im Auftrag der Regierung ein Gutachten erstellt und vorgeschlagen, die Sozialabgaben für die Arbeitgeber direkt um 20 Milliarden Euro zu senken und dafür auch die Sozialsteuer CSG deutlich zu erhöhen. Eine Erhöhung der CSG, die alle Steuerzahler gleichermaßen treffen würde, lehnt die sozialistische Regierung aber ab.

Eine neue Öko-Steuer soll ab 2016 mindestens drei Milliarden Euro in die Kassen bringen. Neben der allgemeinen Mehrwertsteuer soll auch die verringerte Mehrwertsteuer für Hotels und Gaststätten zum 1. Januar 2014 von sieben auf zehn Prozent angehoben werden. Sinken soll dagegen der Mehrwertsteuersatz für Nahrungsmittel und Energie von 5,5 auf fünf Prozent, um insbesondere der ärmeren Bevölkerung zu helfen.

Opposition kritisiert Paket als zu kompliziert

Die konservative Opposition kritisierte die nun verkündeten insgesamt 35 Maßnahmen als "zu kompliziert". Die Steuererleichterungen würden erst 2014 greifen, sagte der frühere konservative Regierungschef François Fillon. Der von den Unternehmern erhoffte "Wettbewerbsschock" werde deshalb ausbleiben. Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) das größte Problem Frankreichs.

Die Regierung übernahm in ihrem "Pakt für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze" auch Vorschläge von Gallois. So sollen die kleinen und mittleren Unternehmen gezielt gefördert werden. Außerdem soll Bürokratie abgebaut und die Forschung gestärkt werden.

mmq/dapd/dpa

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1. Ich lach mich schlapp
aramcoy 06.11.2012
Also ich habe Sarkozy ja immer als Mini-Napoleon bezeichnet. Aber Holland mutiert gerade zum Mini-Sarkozy. Das ist zum brüllen. Die Franzosen sollten diese Regierung schleunigst zum Teufel jagen, die haben sie vor der Wahl nur belogen und betrügen sie jetzt jeden Tag mehr.
2. Gähnende Leere...
westerwäller 06.11.2012
... hier im Forum... Hat jetzt diese Nachricht "Hollande macht den Schröder" den Linksforisten die Sprache verschlagen? Die Lichtgestalt des Sozialismus verteilt "Geschenke" an Unternehmen? Wassnjetztkaputt? Ich lach mich krank....
3. Wie seinerzeit bei Schröder
warndtbewohner 06.11.2012
die französischen Sozialisten entpuppen sich immer wie die die schröderisierte SPD. Sie sind auf dem besten Weg Hartz IV in Frankreich einzuführen. Hoffentlich lassen sich das die Franzosen nicht gefallen. Bei uns lässt man sich in den Arsch treten und bedankt sich noch bei der SPD für den Sozialabbau-
4.
friedrich_eckard 06.11.2012
Mir steht nun Mélenchon wahrlich sehr viel näher als Hollande - aber wenn ich mich auf die Informationen im Bezugstext beziehe, muss ich ihn doch gegen den Vergleich mit dem Nachfolger Kohls in Schutz nehmen. Eine Erhöhung des allgemeinen MwSt-Satzes um 0,4%, der damit gerade um 1% über dem hierzulande liegt, und demgegenüber eine Senkung der MwSt auf Nahrungsmittel und Energie, was für Niedrigverdiener die grössten Ausgabenposten sind, auf 5%: da sollte man aber doch einmal hiesige Sätze zum Vergleich heranziehen - und die Kirche im Dorf lassen.
5. fließt direkt in den Gewinn
David Leon 06.11.2012
[QUOTE=sysop;11292231]Die französische Regierung will Firmen entlasten und so die Wirtschaft ankurbeln. Die Unternehmen sollen 20 Milliarden Euro weniger Steuern zahlen, im Gegenzug wird die Mehrwertsteuer erhöht. Präsident Hollande umgeht damit ein gefordertes Reformkonzept. Das hat man schon in Deutschland erlebt. Steuerentlastung für Unternehmer dient unmittelbar der Steigerung des Unternehmensgewinns. Die Wirtschaft ankurbeln kann man nur wenn man die Nachfrage ankurbelt. Und dies ist eben nur möglich wenn die Arbeitnehmer/Verbraucher mehr Geld in der Tasche haben. Gerade in Frankreich ist das der richtige Weg denn dort liegen einerseits die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer etwas ein Drittel unter dem deutschen Niveau, anderseits müssen sie aber etwa 8 Prozent mehr für Produkte des täglichen Bedarfs bezahlen. Im Großraum Paris indem etwa 20 Prozent der Franzosen leben, liegen die Lebenshaltungskosten noch weitaus höher.
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  • Dienstag, 06.11.2012 – 16:53 Uhr
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