Prognose der EU Frankreich macht auch 2015 zu viele Schulden

Die Regierung in Paris will sparen - aber offenbar nicht genug: Auch im kommenden Jahr macht Frankreich laut der Frühjahrsprognose der EU-Kommission mehr Schulden als erlaubt. In der Euro-Zone soll sich das Wachstum langsam stabilisieren.

Präsident Hollande: Defizit trotz Sparplans zu hoch
AFP

Präsident Hollande: Defizit trotz Sparplans zu hoch


Paris/Brüssel - Trotz des innenpolitisch umstrittenen Sparkurses der Regierung wird Frankreich auch 2015 das europäische Defizitziel offenbar klar verfehlen. In ihrer Frühjahrsprognose sagt die EU-Kommission Frankreich für das kommende Jahr ein Defizit von 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung voraus. Damit würde das Maastricht-Kriterium von drei Prozent erneut nicht erreicht.

Die neue Regierung in Paris unter Ministerpräsident Manuel Valls rechnet hingegen damit, dass eine Punktlandung gelingt und der Haushaltsfehlbetrag im nächsten Jahr auf glatte drei Prozent gedrückt werden kann. Das wäre eigentlich auch dringend nötig, denn Frankreich hatte dafür von der EU bereits zwei Jahre bis 2015 Aufschub erhalten. In diesem Jahr wird das französische Defizit laut EU-Prognose sogar 3,9 Prozent erreichen.

Dass die Erwartungen in Brüssel und Paris in Bezug auf das Staatsdefizit recht deutlich auseinanderliegen, liegt auch an den unterschiedlichen Prognosen für das französische Wirtschaftswachstum. Während die Regierung in Paris mit einem Anstieg von 1,7 Prozent im kommenden Jahr rechnet, erwartet die EU-Kommission lediglich ein Wachstum von 1,5 Prozent.

Für die gesamte Euro-Zone rechnet die Brüsseler Behörde mit einem etwas stärkeren Wachstum. Demnach soll es im kommenden Jahr 1,7 Prozent und in diesem Jahr 1,2 Prozent betragen. In den vergangenen beiden Jahren war das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum noch geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit bleibe hoch, auch wenn sie etwas rascher sinke als bislang erwartet.

"Die Erholung ist angekommen"

Die Wirtschaft wird der EU-Kommission zufolge bereits in diesem Jahr in allen Euro-Staaten wachsen - mit einer Ausnahme: Zypern. Zugpferd bleibt demnach Deutschland, für das die Behörde ein Wachstum von 1,8 Prozent im Jahr 2014 und von 2,0 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Deutlich besser bewertet die EU-Kommission die Lage in Spanien, wo die Wirtschaft um 1,1 in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr zulegen soll.

"Die Erholung ist jetzt angekommen", sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Siim Kallas. "Die Defizite gehen zurück und die Investitionen springen wieder an." Wichtig sei vor allem, dass sich auch die Lage am Arbeitsmarkt allmählich bessere. Um künftig mehr Jobs zu schaffen, müssten die EU-Staaten ihre Strukturreformen fortsetzen und das Potential für Wachstum stärken, ergänzte Kallas, der zugleich Verkehrskommissar ist.

Die Gefahr einer Deflation - also eines Preisverfalls auf breiter Front, der die Konjunktur schädigen könnte - hält die EU-Kommission allerdings für sehr gering. Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone dürften ihrer Berechnung zufolge 2014 um 0,8 Prozent und 2015 um 1,2 Prozent steigen. Allerdings warnt auch die Kommission vor einer zu langen Phase niedriger Inflation als Risiko für die Konjunktur.

fdi/Reuters/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
klaus meucht 05.05.2014
1. Wer soll sich für Frankreich verschulden?
Zitat von sysopAFPDie Regierung in Paris will sparen - aber offenbar nicht genug: Auch im kommenden Jahr macht Frankreich laut der Frühjahrsprognose der EU-Kommission mehr Schulden als erlaubt. In der Euro-Zone soll sich das Wachstum langsam stabilisieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-eu-erwartet-hohes-defizit-im-haushalt-2015-und-mahnt-paris-a-967583.html
Liebe SPON Redaktion. Hört endlich auf im Zusammenhang mit Volkswirtschaften von Sparen zu reden. In einer geschlossenen Volkswirtschaft sind die Einnahmen des einen immer die Ausgaben des anderen. In einer offenen Volkswirtschaft kann ein Staat sparen, in dem er einen anderen Staat findet der die entsprechende Schulden übernimmt. Wer soll der Schuldner für Frankreich sein? Vielleicht Deutschland?
helle_birne 05.05.2014
2. Da derartige Prognosen
regelmäßig zweckoptimistisch zu positiv erfolgen, kann man sich ausmalen, wie die Zahlen wirklich sein werden. Frankreich ist auf dem Weg in den Staatsbankrott und in Italien ist es nicht besser. Und damit die Banken, Hedgefonds und sonstigen Spekulanten aus der ganzen Welt dabei nichts verlieren, haften über ESM, EU und EZB die nordeuropäischen Steuerzahler, also v.a. die kleinen Leute und der Mittelstand...
analysatorveritas 05.05.2014
3. Kein Problem, nur für Berlin!
Zitat von sysopAFPDie Regierung in Paris will sparen - aber offenbar nicht genug: Auch im kommenden Jahr macht Frankreich laut der Frühjahrsprognose der EU-Kommission mehr Schulden als erlaubt. In der Euro-Zone soll sich das Wachstum langsam stabilisieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-eu-erwartet-hohes-defizit-im-haushalt-2015-und-mahnt-paris-a-967583.html
Was will Berlin oder Brüssel machen? Richtig, man hofft auf ein paar schöne Zusagen. Sarkozy rettete mit der französischen Staatskasse viele fehlinvestierte französische Banken, Parallelen zu Deutschland und anderen Eurostaaten sind durchaus erkennbar, Hollande und Valls werden in Sachen EU, Euro und Europa nach den Wahlen ein neue Richtung einschlagen. Mit großer Unterstützung von Renzi und den anderen Mittelmeeranrainereurostaaten. Ein Umbau Frankreichs zu einem Modell Hartzer Gaz-Gerd dürfte eine Revolution auslösen, Madame Le Pen holt stetig auf. Für sie ist der Euro ein gescheitertes Projekt und der eigentliche Grund für die Misere der französischen Wirtschaft (Mitterrands Erbe). Könnte uns ja eigentlich alles egal sein, dank dieser neuen Währung hängt der Haussegen überall schief. Sieht Mutti Merkel, Opa Schäuble, der Erzengel und die angeschlossene groKo in Berlin sicherlich völlig anders.
WILHHERDE 05.05.2014
4. Was solls
Die EZB kann unendlich viel Geld in Umlauf bringen und den Franzosen alle Anleihen abkaufen. Keiner geht pleite, keiner bleibt allein zurück. Das kann notfalls bis in alle Ewigkeit so weitergehen. Wir leben in einer wunderbaren neuen Welt, der EZB-Welt.
Progressor 05.05.2014
5. Schulden und Wirtschaftswachstum
Wirtschaftswachstum = Erhöhung der nachfragewirksamen Geldmenge (nach BIP-relevanten Gütern; im Vergleich zum Vorjahr) - Inflation Die Erhöhung der nachfragewirksamen Geldmenge geht nur über eine Erhöhung der Nettokreditaufnahme. Die Schulden muss nicht immer der Staat machen. Das können auch die anderen Wirtschaftssektoren übernehmen (private Haushalte, Unternehmen, das Ausland). Da private Haushalte und Unternehmen die Angewohnheit haben ihre Schulden zurück zu bezahlen, geht die Wachstumsinduzierung durch diese beiden Sektoren nicht lange gut. Am Ende bleibt in unserem bösen Wirtschaftssystem der Schwarze Peter doch immer wieder am Staat hängen. Natürlich geht das nicht bis in alle Ewigkeit gut, da die Schuldenaufnahme progredierend verlaufen muss. So genommen kann man also sagen, dass der Endcrash im Kapitalismus systemimmanent ist. Kann uns egal sein, es geht ja nur ums Geld. Die bis dahin geschaffenen Werte wie Häuser, Autos und Fabrikanlagen, lösen sich dadurch ja nicht in Luft auf. Einfach schütteln dann und von Neuem anfangen, muss die Devise lauten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.