Für Aufschwung in der EU Frankreichs Wirtschaftsminister fordert mehr deutsche Investitionen

Deutschland soll mehr investieren und so das Wirtschaftswachstum in der EU ankurbeln. Das forderte der französische Wirtschaftsminister Macron und kündigte gleichzeitig an, die Reformen im eigenen Land voranzutreiben.

Wirtschaftsminister Macron: Deutschland stehe "dringend in der Verantwortung"
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Wirtschaftsminister Macron: Deutschland stehe "dringend in der Verantwortung"


Paris - Frankreichs Wirtschaftsminister hat Deutschland aufgefordert, mehr für das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union zu tun. Emmanuel Macron sagte der Tageszeitung "Les Echos", es müsse mehr deutsche Investitionen geben, Deutschland stehe damit "unabweisbar in der Verantwortung".

"Wir wollen unsere deutschen Partner überzeugen, dass Frankreich und Deutschland für den Aufschwung in Europa gemeinsam deutlich weitergehen müssen," so Macron kurz vor dem geplanten Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten François Hollande am Sonntag in Straßburg.

Auch die Verantwortung Frankreichs hatte der Wirtschaftsminister im Blick: Sein Land müsse dringend Wirtschaftsreformen vorantreiben. Frankreich steht in der Eurozone unter dem Druck, die Defizit- und Schuldenregeln einzuhalten. Derzeit hat es Schulden von 2,0315 Billionen Euro. Das entspricht 95,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Laut Prognose der EU-Kommission dürfte das Defizit bis 2016 auf 99,8 Prozent wachsen.

Zur Diskussion um den sogenannten Grexit, den Austritt Griechenlands aus der Eurozone, sagte Macron, das Land habe seinen "Platz in der Eurozone" bei "jeder Art von Regierung" in Athen. Das griechische Volk habe die Möglichkeit, bei der Parlamentswahl am 25. Januar "souverän" über seine Vertreter abzustimmen. Diese hätten dann die Verantwortung, die internationalen Verpflichtungen des Landes einzuhalten.

Bei der Parlamentswahl in Griechenland könnte die linke Syriza-Partei stärkste Kraft werden. Deren Vorsitzender Alexis Tsipras fordert eine Abkehr vom strikten Sparkurs sowie Verhandlungen über einen Schuldenschnitt mit den internationalen Gläubigern.

sun/Reuters/AFP



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insgesamt 6 Beiträge
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Progressor 06.01.2015
1. Wirtschaftswachstum in Gemeinschaftswährungsräumen, wie geht das?
In einem Gemeinschaftswährungsraum übernehmen die Lohnstückkosten die Aufgabe der dann fehlenden Wechselkurse die Leistungsbilanzen zum Ausgleich zu bringen. Dabei gilt ohne Berücksichtigung etwaiger Produktivitätssteigerungen: niedrigere Löhne -> Leistungsbilanz wird in Richtung Überschuss gedrückt = mehr Wachstum und Beschäftigung höhere Löhne -> Leistungsbilanz wird in Richtung Defizit bewegt = niedrigeres Wachstum und mehr Arbeitslose Da Produktivitätssteigerungen nicht schnell und nicht einfach mal so und nicht in beträchtlichem Umfang realisiert werden können bedeutet also ein Gemeinschaftswährungsraum ein Wettrennen um die niedrigsten Löhne. Schlauberger wie der französische Wirtschaftsminister möchten das natürlich umgehen, indem sie "Investitionen" fordern, das heisst nichts anderes als staatliche Konjunkturprogramme auf Pump. Und da machen wir natürlich nicht mit, das ist klar. Der Weg Deutschlands heisst Armut auf Arbeitnehmerseite gegen hohe Beschäftigung eintauschen.
spmc-129372683232763 06.01.2015
2. Wie wär`s
mit weiteren wettbewebsschädigenden Wohltaten aus der Schublade "Gleichheit und Gerechtigkeit"!! - ein unauffälliges und wesentlich wirkungsmächtigeres Konjunkturprogramm an Stelle des von Anfang an obsoleten "Stabilitätspaktes!!??
sfk15021958 06.01.2015
3. Welcher Kapitalist investiert dort, wo...
...aufgrund hoher Lohn/Stück-Kosten keine Gewinne zu erwarten sind? Alternativ und provokant: Vielleicht sollte Deutschland in Griechenland investieren, dann hat man später keinen Ärger mehr mit den Gewinnen, denn das Geld ist gleich weg!
schwarzwaldbauer, 07.01.2015
4. Monsieur Macon
sollte nicht fragen was andere für Europa tun können. Monsieur Macon sollte fragen, was er für Europa tun kann. PS: Und wenn ihm da nichts einfällt, kann er mich fragen..
freizeitverkaeufer 07.01.2015
5. Früher hat fast jeder Deutsche ..
..mindestens einmal im Jahr kräftig im EU- Süden investiert. Dort hat er seinen Urlaub zugebracht. Heute kann sich die breite Mittelschicht diese Investition nicht mehr leisten. Stattdessen bezahlt der Lohnsteuerzahler hierzulande mit seinen sauer verdienten Steuermoneten die EURO-Rettung des Südens. Das ist doch besser für den EU-Süden: Das deutsche Steuergeld wird heutzutage leistungsfrei via EU, Target-II-Salden und EZB dorthin überwiesen. Wer braucht da überhaupt noch Investitionen?
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