Frankreich Hollande will Arbeitslosigkeit mit Milliardenprogramm senken

Zuschüsse für Niedriglohnjobs, Ausbildung für eine halbe Million Menschen: François Hollande will zwei Milliarden Euro in die Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit investieren - 2017 stehen Präsidentschaftswahlen an.

Frankreichs Präsident Hollande: Zuschüsse für Niedriglohnjobs
AP/DPA

Frankreichs Präsident Hollande: Zuschüsse für Niedriglohnjobs


Frankreichs Präsident François Hollande will die hohe Arbeitslosigkeit in Frankreich mit einem Programm über zwei Milliarden Euro bekämpfen. Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl stellte der Amtsinhaber vor Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften seine Pläne vor. Dazu gehören ein staatlicher Zuschuss für Unternehmen, die Arbeitslosen Jobs im Niedriglohnsektor geben sowie umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen. Die Pläne sind auf zwei Jahre angelegt, treten ab sofort in Kraft und sollen über Einsparungen im Haushalt finanziert werden.

"Es gibt einen wirtschaftlichen und sozialen Notstand", sagte Hollande in Anspielung auf den seit den Terroranschlägen vom November herrschenden Ausnahmezustand. Beschäftigung sei die einzige Frage, die noch wichtiger sei als die Sicherheit der Franzosen, sagte der Präsident.

Tatsächlich ist die Arbeitslosigkeit in Frankreich auf sehr hohem Niveau. Zuletzt waren 3,57 Millionen Menschen ohne Job gemeldet, rund 650.000 mehr als bei Hollandes Amtsantritt. Nach jüngsten EU-Zahlen suchen in der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft damit 10,1 Prozent einen Job, in Deutschland sind es 4,5 Prozent.

Konkret kündigte Hollande an, eine Milliarde Euro für die Ausbildung von 500.000 Arbeitslosen in diesem Jahr auszugeben. Zudem sollen kleine und mittlere Unternehmen zu Zuschüsse in Höhe von 2000 Euro für Arbeitsverträge erhalten, die länger als ein halbes Jahr gelten und sich am Mindestlohn orientieren. Dies gelte ab sofort für Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Derlei Maßnahmen gibt es in Frankreich bereits für sehr kleine Firmen.

Darüber hinaus sollen die Sozialabgaben gesenkt werden, wie auch von den Arbeitgebern gefordert wird. Von geringeren Arbeitskosten profitierten alle im Land, sagte Hollande. Dies solle "so schnell wie möglich" geschehen, er machte aber keine konkreteren Angaben zur Umsetzung.

Hollande hat sein politisches Schicksal an eine Besserung am Arbeitsmarkt geknüpft. Der seit 2012 amtierende 61-Jährige hatte ursprünglich angekündigt, bis Ende 2013 eine Trendwende bei der seit Jahren steigenden Arbeitslosigkeit zu erreichen.

fdi/Reuters



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Hartmut Schwensen 18.01.2016
1. Perpetuum Mobile der Volkswirtschaft
Man nehme ganz viel Subvention und schon läuft der Laden von alleine. Leider ist es hinterher bei jeder Subvention immer schlimmer hinterher als vorher. Aber dann ist die Wahl ja vorbei...
licorne 18.01.2016
2. Der Präsident
Hollande will vor allem mit dieser Maßnahme seiner eigenen Arbeitslosigkeit zuvorkommen. Einsparungen im Haushalt? Bla, bla...
denislangedoc 18.01.2016
3. Ja, wahlen stehen an.
Es sind eigentlich 2 Milliarden Euro nur um ein Job zu retten :-(
Darwins Affe 18.01.2016
4. Anfa
Zitat von Hartmut SchwensenMan nehme ganz viel Subvention und schon läuft der Laden von alleine. Leider ist es hinterher bei jeder Subvention immer schlimmer hinterher als vorher. Aber dann ist die Wahl ja vorbei...
Die verschleuderten Milliarden muss Frankreich nicht selbst bezahlen. Durch das geheime ANFA-Abkommen (das dummerweise an die Öffentlichkeit gelangte) ist jedem Eurostaat unbenommen, neben der EZB Geld zu drucken. Geschädigt wird nur die Euro-Staatengemeinschaft. Nebenbei: Frankreich, Italien und Griechenland haben sich aus diesem Topf schon mit Hunderten von Milliarden bedient.
amdorf 18.01.2016
5. Klasse Politik
Prima, seit Amtsantritt 650 000 neue Arbeitsplätze produziert. Das reale Ergebnis linker Politik. Frankreich braucht keine Milliardensubventionspolitik, sondern andere Gesetze, damit Leute zear eher gefeuert, aber besser eingestellt werden klnnen. Das Hauptproblem bei der Arbeitslosigkeit sind die Gwerkschaften.
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