Anleihen Frankreich verdient am Schuldenmachen

Frankreichs Wirtschaft stockt, doch Anleger vertrauen dem Euro-Land. Bei einer Anleiheauktion nahm der Staat mehr als acht Milliarden Euro ein - und muss dafür teilweise nicht einmal Zinsen an die Investoren zahlen.

Frankreichs Präsident Hollande: Investoren verzichteten teils auf die sonst übliche Rendite
REUTERS

Frankreichs Präsident Hollande: Investoren verzichteten teils auf die sonst übliche Rendite


Paris - Trotz mauer Konjunktur und steigender Schulden kann sich Frankreich problemlos Geld am Kapitalmarkt leihen - und kassiert dafür teilweise noch Prämien. Die Emission dreier Geldmarktpapiere brachte dem Staat am Montag rund 8,2 Milliarden Euro, teilte das Finanzministerium in Paris mit.

Rund die Hälfte davon wurde mit Bonds mit zwölfwöchiger Laufzeit eingenommen. Die Investoren verzichteten auf die sonst übliche Rendite. Sie zahlten stattdessen eine Prämie von 0,004 Prozent an den französischen Staat, um ihr Geld sicher parken zu können. Die Papiere mit einer Laufzeit von 25 Wochen warfen eine Mini-Rendite von 0,001 Prozent ab, die mit 51 Wochen Laufzeit 0,018 Prozent.

Wegen der Wirtschaftsflaute räumt die EU-Kommission dem Land zwei Jahre länger Zeit zum Abbau der hohen Neuverschuldung ein. Frankreich wollte eigentlich schon dieses Jahr die Drei-Prozent-Defizitgrenze einhalten. Da die Wirtschaft aber voraussichtlich schrumpft, wird nun mit einem Fehlbetrag von 3,9 Prozent gerechnet.

Frankreich soll nicht in Krise hineinsparen, sagt Schäuble

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortete mehr Zeit zur Haushaltskonsolidierung in Frankreich. Der europäische Stabilitätspakt zur Kontrolle der Staatsschulden sei nicht doof, sondern erlaube steigende Defizite bei einem konjunkturellen Abschwung, sagte Schäuble bei einer Konferenz am Montag in Stuttgart. "Natürlich spart man nicht in eine Krise hinein - wenn ein konjunktureller Abschwung droht, nimmt man steigende Defizite in Kauf", ergänzte er.

Allerdings werde schnell vergessen, dass die Schulden bei besserer Konjunktur auch wieder stärker abgebaut werden müssten. Frankreich müsse deshalb die längere Zeit, die die EU-Kommission zum Abbau des Defizits vorgeschlagen habe, nutzen. Wenn große Mitgliedsländer ihr Sparziel 2014 wegen der schwächeren Konjunktur nicht schafften, sei dies traurig, aber zu akzeptieren.

yes/Reuters



insgesamt 42 Beiträge
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glen13 06.05.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSFrankreichs Wirtschaft stockt, doch Anleger vertrauen dem Euro-Land. Bei einer Anleiheauktion nahm der Staat mehr als acht Milliarden Euro ein - und muss dafür teilweise nicht einmal Zinsen an die Investoren zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-leiht-sich-milliarden-und-verdient-daran-a-898391.html
Nur wer Geld in Massen druckt ist'ne coole Sau in Europa. Dieser biedere Sparzwang aus Deutschland ist so was von out. Haut raus die Knete, die blöden, langweiligen Deutschen zahlen.
margacon 06.05.2013
2. Staatsanleihen zu kaufen
ist jedem zu empfehlen, egal von welchem Pleiteland, egal mit welchen Wirtschaftsaussichten. Es besteht absolut kein Risiko, die EZB wird´s im Ernstfall schon richten, dass kein Käufer zur Kasse gebeten wird.
west120 06.05.2013
3. Daran sieht man sehr
schön wohin die lockere Geldpolitk der EZB führt. Es ist soviel Geld da das nach Anlagenmöglichkeiten sucht das es den Anlegern bereits egal ist ob Sie dafür Zinsen bekommen. Und genau aus diesem Grund wird die EZB massive Schwierigkeiten haben diese lockere Geld wieder einzukassieren falls die Infl. ansteigen sollte. Diese Politik wird es dem Club Med ermöglichen noch mehr Schulden zu machen und die Blase noch größer wird, platzt diese dann, dann wird der Euro wohl kaum in der jetzigen Form überleben.
shodanpc 06.05.2013
4. Moment mal...
....Die Südstaaten müssen sparen bis die Schwarte kracht und ein Nordland wie Frankreich darf sich nicht in die Krise hineinsparen? Finde nur ich das merkwürdig oder geht's auch anderen so? Und wer hat nochmal erzähl Wachstum darf nicht mit Schulden finanziert werden?
muellerthomas 06.05.2013
5.
Zitat von west120schön wohin die lockere Geldpolitk der EZB führt. Es ist soviel Geld da das nach Anlagenmöglichkeiten sucht das es den Anlegern bereits egal ist ob Sie dafür Zinsen bekommen. Und genau aus diesem Grund wird die EZB massive Schwierigkeiten haben diese lockere Geld wieder einzukassieren falls die Infl. ansteigen sollte. Diese Politik wird es dem Club Med ermöglichen noch mehr Schulden zu machen und die Blase noch größer wird, platzt diese dann, dann wird der Euro wohl kaum in der jetzigen Form überleben.
Die Inflation wird nur vom aktuell nahe deflationären Niveau ansteigen, wenn die Wirtschaftskrise überwunden ist, die Arbeitslosenquoten fallen und die Löhne steigen. Dann aber steigen auch die Steuereinnahmen und die EZB kann in einer solchen Situation die Geldpolitik straffen. Davon sind wir aber noch weit, weit entfernt und daher gibt es wohl keinen Grund, mitten in der Rezession restriktiver zu werden.
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