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Wirtschaftskrise: Frankreichs Schulden steigen erstmals über zwei Billionen

Präsident Holland (r.), Premierminister Valls: Frankreichs Führung mit Problemen Zur Großansicht
AFP

Präsident Holland (r.), Premierminister Valls: Frankreichs Führung mit Problemen

Die Wirtschaft schwächelt, das Haushaltsdefizit steigt: Frankreich wird immer mehr zum Sorgenkind der Eurozone. Nun hat das Land beim Schuldenstand die Grenze von zwei Billionen Euro überschritten.

Paris - Die seit Jahren ständig steigende Staatsverschuldung Frankreichs hat die symbolische Schwelle von zwei Billionen Euro überschritten. Wie das nationale Statistikamt Insee am Dienstag in Paris mitteilte, war Frankreich am Ende des zweiten Quartals mit 2,024 Billionen Euro verschuldet. Das waren 28,7 Milliarden Euro mehr als im ersten Quartal 2014.

Der Schuldenstand erreichte damit den neuen Rekordwert von 95,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Das ist deutlich mehr als nach den Regeln des europäischen Stabilitätspakts erlaubt. Dort ist eine Obergrenze der Schuldenquote von 60 Prozent vorgesehen, die derzeit allerdings von vielen Eurostaaten überschritten wird.

Nach Veröffentlichung der Insee-Zahlen betonte das Finanzministerium, die sozialistische Regierung habe die hohe Schuldenlast von den Vorgängerregierungen geerbt. Zwischen 2002 und 2012 hätten sich die Staatsschulden von 930 Milliarden Euro auf 1,86 Billionen Euro verdoppelt. Allein zwischen 2007 und 2012 - der Amtszeit des konservativen Staatschefs Nicolas Sarkozy - hätten sich 600 Milliarden Euro neue Schulden angehäuft.

Deutschland hat die Zwei-Billionen-Grenze bei den Staatsschulden schon im Jahr 2010 geschafft und lag zuletzt bei 2,044 Billionen Euro. Allerdings ist die jährliche Wirtschaftsleistung hierzulande auch deutlich höher als in Frankreich. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegt die deutsche Schuldenquote deshalb niedriger als bei den Nachbarn, bei rund 77 Prozent.

stk/dpa

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insgesamt 107 Beiträge
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1. Der kranke Mann Europas
Vox libertatis 30.09.2014
In Frankreich lebend hoffe ich, dass die Bundesregierung für den Fall eines weiteren Abdriftens Frankreichs einen guten Plan in der Schublade hat. Anders als in Deutschland vor zehn Jahren ist man sich in Frankreich leider der Dramatik der Lage nicht bewusst und sucht die Schuld allzu oft lieber bei anderen, die eine weitere Explosion der Staatsverschuldung - völlig zu Recht - verhindern wollen.
2. President Hollande bekommt die Krise nicht in den Griff, kein Wunder,
Alfred Ahrens 30.09.2014
wenn persönliche Interessen vor dem des Staates stehen. Die Arroganz mit der er und seinesgleichen auf das franzoesische Volk herabsehen, die Aeusserungen von Herrn Moscovici (die Deutschen sollen mal zahlen etc.) sind nicht produktiv. Wer sich solch einen Sozialstaat ertraeumt, muss ihn auch finanzieren koennen. Hoffentlich gibt es bald eine Wende zum Guten! Gruss aus der Provence !
3. Wer oder was ist
Progressor 30.09.2014
Der typische französische Arbeitnehmer möchte keinen Job der Selbstmord auf Raten bedeutet und keine Bezahlung die zum _Leben_ nicht reicht. Der ist nicht so wie der deutsche Michel. Das ist ein Problem. In einem Gemeinschaftswährungsraum sind Spielregeln einzuhalten. Frankreich hat sich an die Zielinfllationsrate von knapp 2 % gehalten. Deutschland nicht. In unserem schönen Lande hat man sich über Lohndrückerei einen in einem Gemeinschaftswährungsraum unfairen Handelsvorteil verschafft. Das kommt dazu. Frankreich ist vorzuwerfen, dass es unserer deutschen merkantilistischen "Beggar your neighbour" - Politik nicht die Pistole auf die Brust setzt. Der Front Nationale wird dies hoffentlich im Jahre 2017 nachholen. Dann kann Deutschland beweisen wie es mit einer eigenen souveränen Währung und nur mit den tollen Produkten immer noch in der Lage ist das Wachstumsmodell Exortüberschüsse zu fahren.
4. Frankreich allein wird
helle_birne 30.09.2014
diese Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Es wird Zeit, dass im Rahmen einer echten Wirtschafts-, Steuer- und Sozialunion auch die anderen Eurostaaten, vor allem das wirtschaftlich starke Deutschland, ihren solidarischen Beitrag dazu leisten. Auch Italien, Spanien und eine Reihe kleinerer, stark überschuldeter Eurostaaten muss auf diese Weise geholfen werden. Das muss uns der Frieden und Wohlstand in Europa wert sein. Und in Deutschland muss das von den im Bundestag vertretenen Parteien CDU, SPD und Grüne offen und ehrlich(!) kommuniziert und erklärt werden und nicht - wie leider bis jetzt - heimlich durch die Hintertür gehandelt werden. Dann zieht man auch der AfD den Boden unter den Füssen weg, die nicht bereit ist, diese uneingeschränkte europäische Solidarität zu leisten, sondern zurück in's 20. Jahrhundert will...
5. Das bedeutet...
Ikee 30.09.2014
Dass die fetten Jahre für die aus Ausbeute lebenden Westler vorbei ist. Jetzt hilft wahrscheinlich wieder nur ein Krieg um die Schulden zu tilgen. Schliesslich muss ja der "Lebensstil" gewahrt werden. Also losziehen zu einem neuen Raubzug. Gründe gibts ja genug. Deutschland hat ja schon Waffen geliefert, jetzt muss nur noch Frankreich mitmachen.
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