Von David Böcking und Stefan Kaiser
Die Stimmung ist von Anfang an vergiftet. Als François Hollande eine Woche nach seinem triumphalen Wahlsieg zum Antrittsbesuch in Berlin eintrifft, hat er einen klaren Auftrag seiner Wähler im Gepäck: Sie wollen keinen Sparkurs, sie wollen keinen europäischen Fiskalpakt - und sie wollen auch nicht, dass Frankreichs Staatschef in der Welt als Schoßhund von Bundeskanzlerin Angela Merkel wahrgenommen wird. Von nun an soll sich einiges ändern.
Unmittelbar nach dem Treffen mit Merkel kündigt Hollande den europäischen Fiskalpakt auf, den sein Vorgänger Nicolas Sarkozy Anfang März in Brüssel unterschrieben hatte. Es werde keine Schuldenbremse geben, tönt der neue Präsident. Und statt sich kaputtzusparen müsse Frankreich nun erst einmal das Wachstum stärken.
Dazu müssten - anders als unter Sarkozy - frei werdende Stellen im öffentlichen Dienst wieder besetzt werden. Zudem wolle er staatlich finanzierte Jobs für junge Berufseinsteiger schaffen und im Bildungssektor 60.000 neue Lehrer, Psychologen und Schulkrankenschwestern einstellen. "Wir investieren in Frankreichs Zukunft", ruft Hollande seinen Wählern im französischen Fernsehen zu. Ach ja, auch die von Sarkozy beschlossene Rentenreform werde er rückgängig machen.
In Spanien und Italien nimmt man sich ein Beispiel an Frankreich: Die Regierungen von Mariano Rajoy und Mario Monti verkünden, die Stärkung des Wachstums habe nun Priorität, die Einhaltung der vereinbarten Defizitziele und des Fiskalpakts müsse aber nur um ein oder zwei Jahre verschoben werden.
An den Finanzmärkten sorgt die Abkehr von den Sparzielen für Entsetzen. Die Aktienkurse fallen - und die Zinsaufschläge für spanische und italienische Staatsanleihen steigen dramatisch an. Die Europäische Zentralbank muss die Papiere am Markt aufkaufen, um die Zinsen im einstelligen Bereich zu halten. Zudem dehnt sie ihr Aufkaufprogramm auch auf französische Anleihen aus.
Griechenlands Premier Samaras verkündet neue Verhandlungen
In Griechenland kommt es dagegen schon im Sommer zu Neuwahlen. Die beiden bisherigen Regierungsparteien Pasok und ND hatten bei der Wahl im Mai nicht genügend Stimmen bekommen, um eine stabile Koalition zu bilden. Auch die Neuwahl bringt kein klares Ergebnis: ND und Pasok verlieren weiter an Boden: Die radikal-linke Syriza wird gleichauf mit der ND stärkste Partei. ND-Chef Antonis Samaras lässt sich mit den Stimmen der Syriza zum Ministerpräsidenten wählen.
Unmittelbar nach seiner Amsteinführung verkündet Samaras, die neuen politischen Verhältnisse erforderten neue Verhandlungen über die Griechenland-Hilfen der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das Land stellt die Zinszahlungen für die erhaltenen Hilfskredite und für alle Staatsanleihen ein. Daraufhin stoppen Euro-Länder und IWF alle weiteren Hilfen. Griechenland stürzt in eine ungeordnete Insolvenz.
Für Deutschland bedeutet die griechische Pleite hohe Verluste. Allein 15 Milliarden Euro hatte die staatliche Bank KfW aus dem ersten Rettungspaket von 2010 an Griechenland ausgezahlt. Sie sind nun weg. Hinzu kommen weitere Milliarden aus dem zweiten Rettungspaket, das Anfang 2012 beschlossen wurde.
Weil auch Spanien und Italien immer tiefer im Schuldensumpf versinken und Frankreich als Partner bei der Krisenbewältigung ausfällt, wachsen die Zweifel, ob die Regierung in Berlin die nötigen Hilfen für die Krisenstaaten allein stemmen kann. Die Investoren verlangen deshalb auch von Deutschland Zinsen von mehr als fünf Prozent.
Sie spekulieren nun offen darauf, dass die Euro-Zone auseinander bricht. Die Europäische Zentralbank weigert sich, die Zinsen durch weitere Anleihenkäufe künstlich niedrig zu halten. Die Renditen für spanische und italienische Staatspapiere schießen auf mehr als 15 Prozent.
Bei einem Sondergipfel im Frühling 2013 beschließen die Euro-Staaten, die Wähungsunion ab Sommer vorübergehend auszusetzen und zu den nationalen Währungen zurückzukehren. Es ist das Ende des Euro.
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