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22. Februar 2013, 18:53 Uhr

Schwache Wirtschaft

Euro-Retter sorgen sich um Frankreich

Der wirtschaftliche Ausblick mies, das Defizit über den EU-Vorgaben: Die Sorgen um das schwächelnde Frankreich wachsen. EZB-Mann Asmussen drängt zum Sparen, EU-Kommissar Rehn zu raschen Reformen. CDU-Fraktionsvize Fuchs nennt die Grande Nation ein "Sorgenkind des Euro-Raums".

Hamburg - Lange hat Europa voller Sorge auf kleine Euro-Krisenländer wie Griechenland oder Zypern geblickt. Doch nun rückt ein Schwergewicht des gemeinsamen Währungsraums in den Fokus der Aufmerksamkeit: Frankreich. Das berichtet ein Brüsseler Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters.

In Brüssel sorgten sich manche, dass das Zentrum der Krise sich nach Frankreich heranrücken könnte und sich so ins Herz der Währungsunion frisst.

Grund zur Sorge gibt es tatsächlich. Denn die französische Wirtschaft schwächelt unerwartet stark, wie die Konjunkturprognose der EU-Kommission zeigt. Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Euro-Zone könne 2012 nur mit einem Plus von 0,1 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt rechnen. Bislang war Paris von 0,8 Prozent Wachstum ausgegangen. Dadurch wird Frankreich die von der EU vorgegebene Obergrenze für Neuverschuldung durchbrechen. Die liegt bei 3 Prozent, Frankreichs Defizit dürfte eher 3,7 Prozent betragen. Im kommenden Jahr könnten es gar 3,9 Prozent sein.

Experten drängen die Grande Nation zu raschen Maßnahmen. Reformen seien nötig, "so schnell wie möglich", sagte EU-Kommissar Rehn. Es sei von höchster Wichtigkeit für die Stabilität der gesamten Euro-Zone, dass Frankreich "angemessene und überzeugende Maßnahmen" ergreife. Gleichzeitig schloss er nicht aus, Paris noch bis 2014 Zeit zu geben, die Neuverschuldung in den Griff zu bekommen.

"Besondere Verantwortung für die Stabilität der Euro-Zone"

Viele Firmen, etwa der Autohersteller PSA Peugeot Citroën, verlieren gegenüber ausländischer Konkurrenz an Boden, die Konzernstrukturen gelten teils als verkrustet. "Frankreich muss die Kurve kriegen", mahnt ein EU-Diplomat, der namentlich nicht genannt werden will.

EZB-Direktor Jörg Asmussen mahnte zu verstärkten Sparanstrengungen. "Es ist jetzt wichtig, dass Frankreich relativ rasch konkrete und messbare Schritte unternimmt, um in diesem Jahr so nahe es geht, an das Ziel zu kommen", sagte er. Frankreich habe "eine ganz besondere Verantwortung" für die Stabilität der Euro-Zone. Paris hat für das laufende Jahr bereits Einsparungen und Steuererhöhungen im Umfang von rund 38 Milliarden Euro beschlossen.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) nannte Frankreich ein "Sorgenkind im Euro". Er sprach sich für Reformen bei den Arbeitszeiten und der Rente aus; eine 35-Stunden-Woche und eine Rente mit 60 seien nicht mehr zeitgemäß. "Frankreich hat ein Problem", sagte Fuchs.

ssu/dpa/Reuters

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