Schwache Wirtschaft: Euro-Retter sorgen sich um Frankreich

Der wirtschaftliche Ausblick mies, das Defizit über den EU-Vorgaben: Die Sorgen um das schwächelnde Frankreich wachsen. EZB-Mann Asmussen drängt zum Sparen, EU-Kommissar Rehn zu raschen Reformen. CDU-Fraktionsvize Fuchs nennt die Grande Nation ein "Sorgenkind des Euro-Raums".

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Politiker Hollande: Frankreich mutiert zum Sorgenkind

Hamburg - Lange hat Europa voller Sorge auf kleine Euro-Krisenländer wie Griechenland oder Zypern geblickt. Doch nun rückt ein Schwergewicht des gemeinsamen Währungsraums in den Fokus der Aufmerksamkeit: Frankreich. Das berichtet ein Brüsseler Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters.

In Brüssel sorgten sich manche, dass das Zentrum der Krise sich nach Frankreich heranrücken könnte und sich so ins Herz der Währungsunion frisst.

Grund zur Sorge gibt es tatsächlich. Denn die französische Wirtschaft schwächelt unerwartet stark, wie die Konjunkturprognose der EU-Kommission zeigt. Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Euro-Zone könne 2012 nur mit einem Plus von 0,1 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt rechnen. Bislang war Paris von 0,8 Prozent Wachstum ausgegangen. Dadurch wird Frankreich die von der EU vorgegebene Obergrenze für Neuverschuldung durchbrechen. Die liegt bei 3 Prozent, Frankreichs Defizit dürfte eher 3,7 Prozent betragen. Im kommenden Jahr könnten es gar 3,9 Prozent sein.

Experten drängen die Grande Nation zu raschen Maßnahmen. Reformen seien nötig, "so schnell wie möglich", sagte EU-Kommissar Rehn. Es sei von höchster Wichtigkeit für die Stabilität der gesamten Euro-Zone, dass Frankreich "angemessene und überzeugende Maßnahmen" ergreife. Gleichzeitig schloss er nicht aus, Paris noch bis 2014 Zeit zu geben, die Neuverschuldung in den Griff zu bekommen.

"Besondere Verantwortung für die Stabilität der Euro-Zone"

Viele Firmen, etwa der Autohersteller PSA Peugeot Citroën, verlieren gegenüber ausländischer Konkurrenz an Boden, die Konzernstrukturen gelten teils als verkrustet. "Frankreich muss die Kurve kriegen", mahnt ein EU-Diplomat, der namentlich nicht genannt werden will.

EZB-Direktor Jörg Asmussen mahnte zu verstärkten Sparanstrengungen. "Es ist jetzt wichtig, dass Frankreich relativ rasch konkrete und messbare Schritte unternimmt, um in diesem Jahr so nahe es geht, an das Ziel zu kommen", sagte er. Frankreich habe "eine ganz besondere Verantwortung" für die Stabilität der Euro-Zone. Paris hat für das laufende Jahr bereits Einsparungen und Steuererhöhungen im Umfang von rund 38 Milliarden Euro beschlossen.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) nannte Frankreich ein "Sorgenkind im Euro". Er sprach sich für Reformen bei den Arbeitszeiten und der Rente aus; eine 35-Stunden-Woche und eine Rente mit 60 seien nicht mehr zeitgemäß. "Frankreich hat ein Problem", sagte Fuchs.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Ganz einfach
Progressor 22.02.2013
Wenn der französische Staat sparen muss, dann fällt eines der zwei Möglichkeiten weg um Wachstum zu erzeugen. Es bleibt der Exportüberschuss. Diesen zu erzielen ist ganz einfach: Die Mindestlöhne herabsetzen. Zwar sind in der Exportindustrie typischerweise höhere Löhne an der Tagesordnung. Die Anpassung der Mindestlöhne hat aber, genau wie Hartz IV, Auswirkung auf das ganze allegmeine Lohnniveau. Zu dumm: Der sozialistische Präsident wird wohl nicht als Mindestlohnsenker in die Geschichte eingehen wollen. Und lieber Herr Hollande: Am Euro-Wechselkurs rum zu pfuscheln macht derzeit die EZB (noch?) nicht mit.
2. Wiederholungen
Modest 22.02.2013
Man kann es drehen und wenden wie man es will, Bosse, Banken und Börse bestimmen die Wirtschafts- und Finanzwelt und Brüssel ist weit weg vom Steuerzahler und Sparer. Die Billion ist auch schon abgenickt, schaun mir mal ob das für die nächste 5 Jahre reicht, das wär wirklich optimistisch positiv. Nein die Wiederholungen haben nun neue Methoden: Vorgestern Griechenland, gestern Spanien und Irrland, heute Frankreich, und morgen Italien und so drehen die Gauckler ihren Leierkasten und jammen den Menschen ängstliche Melodien vor. Ja, Freude schöner Götzendiest sorry Göterfunken.
3. Fällt mit dem Staatsbankrott der Welschen das Spielgeldeuro Kartenhaus?
edmond_d._berggraf-christ 22.02.2013
Die Spatzen pfeifen es ja schon seit geraumer Zeit von den Dächern, doch nun haben auch die berüchtigten Bewertungsgesellschaften so ihre Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Welschen bekundet und in der Tat steigt deren Schuldenstand stark an, während Einsparungen wegen dem Straßenlärm unmöglich erscheinen und zudem die dortigen Parteiengecken ihre Wahlen mit üppigen Versprechungen zu gewinnen suchen; und allenfalls versucht man danach den Mittelstand, als angebliche Reiche, mittels Steuern zu ruinieren, während man natürlich den wahrhaft Reichen keinerlei Abbruch tut. Wie in Italien oder Griechenland ist daher ein Staatsbankrott unvermeidlich, mag man diesen auch mit einer Geldentwertung zu bemänteln versuchen; interessant werden hierbei vor allem die Folgen für das Spielgeld Euro sein, denn immerhin haften die Welschen bei diesem mit gut 20% und so dürfte mit deren Ausfall das ganze Kartenhaus endlich in sich zusammenfallen, wogegen auch ein mögliches Gelddrucken nichts hilft.
4. Honecker hatte Recht
hxk 22.02.2013
Der Sozialismus nimmt seinen natürlichen Lauf in die Pleite. Schulden rauf, Steuern rauf, Arbeitszeit runter, Leistungsträger raus, das kann nicht ewig gut gehen.
5. und was noch ?
anniemation 22.02.2013
"Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) nannte Frankreich ein "Sorgenkind im Euro". Er sprach sich für Reformen bei den Arbeitszeiten und der Rente aus; eine 35-Stunden-Woche und eine Rente mit 60 seien nicht mehr zeitgemäß. "Frankreich hat ein Problem", sagte Fuchs. Wissen Sie Was, ? Deutsche und französische Arbeitnehmer gehen ungefähr im selben Alter auf Rente, zwischen 62 und 63 Jahren... Das Gesetz zum Rentenanspruch mit 60 gilt nur für Arbeitnehmer, die schon sehr früh angefangen haben (also keine Studiengänger)... Und dann sollte man noch dazufügen, dass die Lebenserwartung für diese Leute mindestens 10 Jahre kürzer ist, als die in höheren Stellen ! Die französischen Arbeitszeiten ? Die Produktivität ist einer der höchsten in der Welt !
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