Übernahme von Flughäfen EU-Kommission findet Fraport-Deal in Griechenland okay

Erbittert kämpft die griechische Luftfahrt-Gewerkschaft gegen die Übernahme 14 griechischer Flughäfen durch Fraport - und hofft auf Hilfe von der EU. Doch die Kommission versteht die Aufregung nicht.

REUTERS

In wenigen Wochen übernimmt Fraport die Kontrolle über 14 griechische Flughäfen - sehr zur Empörung der griechischen Luftfahrt-Gewerkschaft. Sie hatte gegen die Privatisierung gekämpft und sie als "deutsche Kolonialisierung" bezeichnet.

Jetzt hat die EU-Kommission die Übernahmen für rechtens erklärt. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager teilte mit, dass die Übernahme nicht gegen EU-Recht verstößt. Denn die Konzession sei in einer gewöhnlichen privaten Ausschreibung vergeben worden. Und die dominante Marktstellung der Flughafengesellschaft Fraport in Griechenland verletze keine EU-Regeln.

Zuvor hatte die Gewerkschaft argumentiert, das Geschäft verstoße gegen Artikel 106 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Denn Fraport erlange durch die Konzession "eine Monopolstellung in fast allen Flughäfen."

Über die 14 Airports, die das in Frankfurt ansässige Unternehmen für 40 Jahre gemietet hat, wird die Hälfte des Passagieraufkommens in Griechenland abgewickelt; unter ihnen sind auch die Flughäfen in Ferienzielen wie Kreta, Korfu und Santorini. Im vergangenen Jahr nutzten 23 Millionen Passagiere die Flughäfen.

Vassilis Alevizopoulos, Chef der zivilen Luftfahrt-Gewerkschaft OSYPA, will weiter gegen die Konzessionsvergabe an Fraport kämpfen: "Es ist noch nicht alles verloren." Zwar hat die Kommission den Deal nun für rechtens erklärt, die Prüfung der Beschwerde der Gewerkschaft steht aber noch aus.

Auch Fabio De Masi (MdEP, Die Linke), der die Anfrage an die Kommission gestellt hatte, ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden. "Die Kommission nennt die Ausschreibung gewöhnlichen Wettbewerb, ich nenne das gewöhnliche Erpressung." Private Investoren würden kriminell handeln und dadurch den griechischen Staat ausbeuten.

Das sind die 14 Flughäfen, um die es geht:

gec



insgesamt 18 Beiträge
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louissipher 19.01.2017
1. Erpressung?
Wer die Zustände auf den Flughäfen in Griechenland kennt muß eher an Masochismus bei Fraport denken ;-))
frenchie3 19.01.2017
2. Den griechischen Staat ausbeuten
ist ein Privileg der Einheimischen. Hat Fraport eigentlich vor Steuern zu zahlen oder werden sie sich den lokalen Bräuchen anschließen?
chrizna 19.01.2017
3. Ausgeplündert wird Griechenland sowieso!
Der griechische Staat wird leider sowieso vom Kapital nach Strich und Faden ausgeplündert werden.... Dann ist Fraport vielleicht noch das kleinere Übel! Es gäbe bestimmt schlimmere Investoren. Die eigenen Politker haben doch schon die wertvollen Gasfelder Griechenlands für einen Appel und ein Ei verscherbelt....dieser Schatz hätte dem Land und seiner Bevölkerung zugute kommen können- man hätte die Schulden damit zurückzahlen können...Dort sitzen die ganz großen Profiteure, die das griechische Volk big time berauben!
flytogether 19.01.2017
4. Piloten können ein Lied
davon singen, welch miese Bedingungen auf den griechischen Flughäfen geherrscht haben. Die Griechen sollten froh sein, dass nunmehr mit Fraport ein professionelles Unternehmen die Geschicke in die Hand nimmt. Und die Gewerkschaften wären gut beraten, wenn sie sich die neuen Arbeitsstrukturen genau ansehen. Das würde dem Staat in der Zukunft helfen, wettbewerbsfähiger zu werden.
nesmo 19.01.2017
5. Ja die Griechen halt,
sie wollen nicht sehen, dass ihre staatliche Verwaltung Hand in Hand mit den griechischen Gewerkschaften ihren Staat und ihre Wirtschaft ruinierten. Grassierende Vetternwirtschaft, hemmungsloses Besitzstandsdenken und Innovationsfeindlichkeit sollen gegen jede Form von Modernisierung geschützt werden. Wie schön, wenn man die eigene Unfähigkeit als Kapitalismuskritik und als Kampf gegen die alles angeblich unterdrückende Vorherschaft Deutschlands verbrämen kann.
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