Frauen in Führungspositionen Nur jede fünfte Bundesbehörde hat eine Chefin

Frauen sind in Deutschland nicht nur in der Wirtschaft selten in Führungspositionen, sondern auch in der Politik: Der Anteil der weiblichen Chefs in Bundesministerien und nachgeordneten Behörden liegt dem Bundesinnenministerium zufolge mit 21 Prozent noch niedriger als in Unternehmen.

Teilnehmerin bei Industrietagung: Auch in der Politik kaum weibliche Chefs
DPA

Teilnehmerin bei Industrietagung: Auch in der Politik kaum weibliche Chefs


Berlin - Frauen sind in Führungspositionen der Bundesregierung deutlich unterrepräsentiert: Nur 150 der 715 Abteilungsleiter in Bundesministerien und nachgeordneten Behörden waren im Jahr 2013 weiblich. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, über die die "Bild"-Zeitung berichtet. Das entspricht einem Anteil von 21 Prozent.

Noch niedriger ist die Frauenquote in den deutschen Botschaften. Wie es unter Berufung auf Daten aus dem Auswärtigen Amt heißt, gibt es in den 153 Botschaften der Bundesrepublik nur 17 Botschafterinnen.

Die Linke-Politikerin Gesine Lötzsch bezeichnete die Zahlen als "Armutszeugnis" für eine sozialdemokratische Bundesregierung. Das FDP-Präsidiumsmitglied Katja Suding sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Koalition sollte in ihren Häusern mit gutem Beispiel vorangehen, bevor sie die Unternehmen mit starren Quoten gängelt." Die Bundesregierung will von 2016 an eine Quote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten von börsennotierten Dax-Unternehmen einführen.

Wie der SPIEGEL unter Berufung auf eine weltweite Umfrage berichtet, gibt es zudem in keiner anderen Wirtschaftsnation prozentual weniger Frauen in Führungspositionen als in Deutschland. Demnach sind nur in jedem dritten Unternehmen Frauen im Vorstand, Aufsichtsrat oder in der Geschäftsführung vertreten - selbst in den arabischen Emiraten gibt es derzeit mehr Frauen in Spitzenfunktionen als in Deutschland.

In den USA sind demnach Frauen immerhin in 72 Prozent der Unternehmen in Führungspositionen vertreten, in Italien sogar in 83 Prozent. In Russland und China gibt es laut Umfrage fast keine Unternehmen mehr, die keine Frauen in ihren Führungsetagen haben.

nck/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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anfried 10.03.2014
1. Man kann es auch positiv formulieren!
Was sich alleine in den letzten 10 Jahren getan hat, ist phänomenal, war für mich, 65, als ich meinen ersten Job nach dem Studium suchte, nicht vorstellbar. Da bot die Süddeutsche in den Stellenazeigen noch getrennt nach "männlich" und weiblich" an. Da fragten die Personaler noch, ob man denn heiraten wolle, Kinder etc. "Die erste Frau" in einem Job zu sein, machte stolz, war aber manchmal auch anstrengend. Und dass ein BILD-Reporter maliziös lächelnd fragte "Sie waren doch vorher Sekretärin?" , mag heute auch keiner mehr glauben. Also Leute, macht mal halblang, wir sind schon ganz schön weit gekommen gemessen am Ausgangspunkt und an der Zeit. Und wir kommen auch noch weiter. Alle Türen stehen sperrangelweit offen - als Frau, die Karriere machen möchte, müsste man nochmal 23 sein!
tadamtadam 10.03.2014
2.
liebe SPON-praktikanten, ich kann diese quotensymbolbilder, in denen eine reihe schwarzer herrenschuhe durch einen andersfarbigen damenschuh (vorzugsweise hochhackig, mit sichtbarem beim oben dran) gebrochen wird, nicht mehr sehen. es nervt. lasst euch mal was neues einfallen, um die quote in chefetagen zu bebildern.
Esib 10.03.2014
3. Offensichtlich untauglicher Maßstab
---Zitat--- Demnach sind nur in jedem dritten Unternehmen Frauen im Vorstand, Aufsichtsrat oder in der Geschäftsführung vertreten - selbst in den arabischen Emiraten gibt es derzeit mehr Frauen in Spitzenfunktionen als in Deutschland. ---Zitatende--- Was ja wohl nichts anderes bedeutet, als dass der Frauenanteil in Führungspositionen kein geeignetes Maß ist, die Gleichberechtigung zu beschreiben. Schon der Norwegische Soziologe und Komiker Harald Eia hat in seinen Serien zum "Genderparadoxon" das Phänomen angesprochen, dass Frauen umso weniger in technische Bereiche gehen, je freier und gleichberechtigter die Gesellschaft ist. Viel interessanter wäre es, sich über andere - und realistischere - Kriterien für Gleichberechtigung Gedanken zu machen. Beispielsweise die Gesetze eines Landes nach Diskriminierungen durchzusehen, die für Menschen festgelegt sind, nur weil sie ein bestimmtes Geschlecht haben. Dann müsste man aber erst einmal über Diskriminierungen von Jungen und Männern sprechen, denn in deutschen Gesetzen findet man ausschließlich Diskriminierungen für den männlichen Teil der Bevölkerung. Beispiele gefällig? Im Bund und vielen Ländern dürfen Gleichstellungsbeauftragte nur Frauen sein und nur von Frauen gewählt werden. Die Kinderzuschläge bei der Riesterrente erhalten grundsätzlich die Mütter. Will der Vater die ihm zustehende Hälfte haben, muss seine Frau die Zustimmung geben, die sie einmal jährlich ohne Angabe von Gründen und ohne Widerspruchsrecht des Vaters zurückziehen kann. Ausschließlich weiblichen, behinderten Gewaltopfern werden Selbstbehauptungskurse per Gesetz garantiert. Bei Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr gibt es für Frauen niedrigere Einstellungskriterien im sportlichen Bereich. Dazu gibt es zudem zahlreiche, in Verordnungen festgelegte Bevorzugungen/Vorteile für Frauen, die Männern nicht gewährt werden. Im letzten Jahr hat man die Strafen für Genitalverstümmelungen bei Mädchen und Frauen noch einmal deutlich erhöht - kurz nachdem man die Genitalverstümmlung von Jungen gesetzlich straffrei gestellt hat. All das verursacht ein Staat, der per Grundgesetz zu Durchsetzung der Gleichberechtigung verpflichtet ist. DAS ist Diskriminierung. Dagegen sind Frauenquoten, die nur einer extrem geringen Minderheit von Frauen die Mühe ersparen soll, die ein Karriereaufstieg mit sich bringt, die berühmten Peanuts.
sagichned 10.03.2014
4.
Was viel schlimmer ist: Nur jeder zweite Artikel auf Spon handelt um Frauen! Und das nur jeden zweiten Tag!
nyn 10.03.2014
5.
---Zitat--- Die Koalition sollte in ihren Häusern mit gutem Beispiel vorangehen, bevor sie die Unternehmen mit starren Quoten gängelt. ---Zitatende--- Das nenne ich mal sinnvoll, Frauenquote in der Politik. Von ihrem Mist wären die dann mal selbst betroffen, also wird's nicht gemacht.
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