Frauen in Europa Deutschland ist bei Lohn-Diskriminierung spitze

Weniger Gehalt, geringere Karrierechancen und kaum familienfreundliche Strukturen: Frauen in Deutschland haben im Beruf viel weniger Chancen als Männer, kritisiert die OECD. In keinem anderen europäischen Land ist der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern demnach größer.

Als Frau unter Männern (Symbolbild): Deutsche Frauen sind im Nachteil
Corbis

Als Frau unter Männern (Symbolbild): Deutsche Frauen sind im Nachteil


Berlin - Deutsche Politiker und Unternehmen reden zwar viel über Gleichberechtigung im Beruf, in der Realität haben Frauen aber meist die schlechteren Karten. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Demnach ist in keinem anderen europäischen Land das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern so groß wie in Deutschland.

Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, teilte die OECD mit. In den 34 Industriestaaten, die sich in der Organisation zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt bei 16 Prozent. In Norwegen etwa bekommen Frauen lediglich 8,4 Prozent und in Belgien 8,9 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Deutsche Behörden haben sogar eine noch krassere Lohnkluft errechnet als die OECD. Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen 2010 im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer.

Doch nicht nur in Sachen Lohn hinkt Deutschland hinterher. Die OECD kritisiert auch den Anteil von Frauen in Spitzenjobs in deutschen Firmen. "Auch was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen angeht, ist Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen", hieß es. "Auf kaum vier von hundert Vorstandsposten findet sich hierzulande eine Frau."

Im OECD-Schnitt liegt die Frauenquote in Aufsichtsräten bei zehn Prozent. Den höchsten Anteil an Frauen in Führungspositionen gibt es in Norwegen, das Land hat 2006 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt. Auch in Schweden, Frankreich, Finnland und der Slowakei ist der Anteil von Frauen im Top-Management mit 15 bis 20 Prozent vergleichsweise hoch.

EU-Kommissarin will Firmen per Gesetz Druck machen

In vielen Ländern versuchen die Regierungen per Gesetz mehr Frauen in Vorstandsetagen zu bringen - etwa in Spanien, Island, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Auch die EU-Kommission macht Druck auf Unternehmen in Europa. Justizkommissarin Viviane Reding sagte, im Sommer wolle sie konkrete Vorschläge für eine EU-weite Regelung machen.

Ein wichtiger Grund für die berufliche Benachteiligung von Frauen in Deutschland sei die schlecht ausgebaute Kinderbetreuung, kritisiert die OECD. Der Mangel an Tagesstätten hindere Mütter daran, in den Beruf zurückzukehren, kritisierte die Organisation. Nur für 18 Prozent der Kinder bis zwei Jahre steht demnach ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Der OECD-Schnitt liegt etwa doppelt so hoch. Auch die Betreuungsmöglichkeiten für ältere Kinder und Schüler seien vergleichsweise schlecht und zwängen viele Mütter zur Teilzeitarbeit, hieß es.

mmq/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 215 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 05.03.2012
1. Gleiches....
....Geld für gleiche Leistung. Ganz klare Sache - gibts nix drüber zu meckern. Warum Frauen für die gleiche Leistung schlechter bezahlt werden, habe ich noch nie verstanden....nur was soll man tun um es zu ändern? Tarifverträge helfen da meist wenig, da es wohl um Aussertarifliche Löhne geht...Gesetzte? Tja...da kann ja jeder Arbeitgeber sagen die Dame macht was anderes als der Herr...deshalb bekommt sie weniger....Ratlos?!
Ben Major 05.03.2012
2. Kampagenjournalismus
Zitat von sysopCorbisWeniger Gehalt, geringere Karrierechancen und kaum familienfreundliche Strukturen: Frauen in Deutschland haben im Beruf weitaus weniger Chancen als Männer, kritisiert die OECD. In keinem anderen europäischen Land ist der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern demnach größer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819389,00.html
Da fragt man sich doch, welche Lobby- Agentur im Moment dafür bezahlt wird einen Artikel nach dem Anderen zu lancieren. Methode: Chinesische Folter, bis die Birne weich ist und die Entscheider die Stimmungsmache für die Meinung des Volkes halten.
whitemouse 05.03.2012
3. Unterschiede?
Zitat von sysopCorbisWeniger Gehalt, geringere Karrierechancen und kaum familienfreundliche Strukturen: Frauen in Deutschland haben im Beruf weitaus weniger Chancen als Männer, kritisiert die OECD. In keinem anderen europäischen Land ist der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern demnach größer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819389,00.html
Im öffentl.Dienst gilt das Gegenteil: Wenn nichts zwingend entgegensteht, fließen Vorteile einschl.Beförderungen eher Frauen zu.
huettenfreak 05.03.2012
4. Das ist die Chance!
Denn schließlich kommen höhere Frauengehälter ja auch den Männern (in der Familie/Partnerschaft) zugute. Das Geld geht also nicht "verloren" sondern wird im Familieneinkommenstopf nur anders (und gerechter) verteilt. So bringt die Frau auch endlich ordentlich Knete mit nach Hause und der Mann muss nicht mehr den Überernährer mimen. Vielleicht erfolgt dadurch sogar eine Angleichung bei der Lebenserwartung der Geschlechter weil der Erwerbsstress bei den Männern abnimmt. Also ich als Mann kann darin nur Vorteile erkennen.
fam.bok 05.03.2012
5. Irreführung
So wird mit Statistiken Politik gemacht. Keine Frau verdient weniger, wenn sie gleich qualifiziert ist und die gleichen Aufgaben erfüllt. Doch wenn Frauen lieber Teilzeit arbeiten oder einen bequemen Laberjob anstreben, dürfen sie sich nicht beklagen, wenn am Ende nach Leistung bezahlt wird. Warum gibt es so wenig Ingenieurinnen, oder IT-Expertinnen? Ist wohl zu anstrengend.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.