Geldfragen bei Paaren "Gefühle machen Frauen extrem risikofreudig"

Frauen sind noch immer oft finanziell vom Partner abhängig und vernachlässigen für die Familie den Beruf, stellt die Ökonomin Miriam Beblo fest. Sie erklärt, warum sich selbst Aufsteigerinnen stark im Haushalt engagieren.

Mutter mit Kindern (Archivbild)
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Zur Person
  • BeFF
    Miriam Beblo ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und beschäftigt sich dort insbesondere mit Arbeitsmarkt-, Migrations- und Genderthemen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Beblo, Frauen in Deutschland haben viel weniger Geld als Männer zur Verfügung - vor allem, wenn sie verheiratet sind. Warum?

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Heft 3/2017
Das Problem mit der Liebe und dem Geld

Beblo: Natürlich gibt es strukturelle Probleme. Trotzdem hat heute jede und jeder verschiedene Möglichkeiten und trifft eigene Entscheidungen. Frauen vernachlässigen für die Familie oft ihren Beruf und verlassen sich damit auf die Alimentation vom Partner. Aber 40 Prozent der Ehen werden geschieden. Auf eine Finanzanlage mit derartigem Ausfallrisiko würde wohl niemand seine Existenz aufbauen. Bei der Ehe tun das leider viele. Gefühle machen Frauen extrem risikofreudig.

SPIEGEL ONLINE: Umfragen unter jungen Frauen zeigen doch aber, dass die meisten beides wollen: Familie und Karriere. Wie passt das zu Ihrer Theorie?

Beblo: Die gelebte Realität ist eine andere. Weil der Mann, wenn Kinder kommen, häufig mehr verdient, bleibt er dann typischerweise Hauptverdiener. Die Frau reduziert auf Teilzeitarbeit.

SPIEGEL ONLINE: Wie lässt sich das ändern?

Beblo: Man muss sich als Erstes die Ursachen ansehen. Es fängt damit an, dass in den meisten Beziehungen immer noch der Mann der Ältere ist und deshalb oft einen Vorsprung beim Vermögensaufbau, in der Karriere und beim Gehalt hat. Typische Frauenberufe sind außerdem schlechter bezahlt, weil sie häufig anders bewertet werden als Männerberufe.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Beblo: Da ist Tradition im Spiel, die in der Gesellschaft tief verankert ist. Wir haben in einer Studie Frauen und Männer gefragt, welche Kompensation sie für ihre Arbeit wollen - und welche ihre Partner. Dabei hat sich gezeigt, dass die Frauen im Durchschnitt einen geringeren Lohn verlangten als die Männer. Bei anderen Experimenten wurden Berufe beschrieben, und je nachdem, ob sie einem Mann oder einer Frau zugeschrieben wurden, bestimmten Probanden unterschiedlich hohe Gehälter für den gleichen Job. Die Männer schnitten dabei deutlich besser ab.

SPIEGEL ONLINE: Chefs berichten, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen meist bescheidener auftreten. Interessieren sich Frauen einfach weniger für Geld?

Beblo: Geld als Zeichen für Erfolg ist Frauen wahrscheinlich tatsächlich weniger wichtig als Männern. Für viele ist stattdessen das Gefühl zentral, nützlich zu sein oder gesellschaftliche Anerkennung zu finden. Aber das ist natürlich soziale Normung.

SPIEGEL ONLINE: Spielt es für Beziehungen eine Rolle, wer wie viel verdient?

Beblo: Ja, aber oft nicht die, die wir meinen. Man könnte ja zum Beispiel annehmen, dass immer derjenige mehr Hausarbeit macht, der weniger verdient und erwerbstätig ist. Aber es gab in den USA und in Deutschland Studien, die zeigten: Frauen, die mehr verdienten als ihre Männer, übernahmen noch mehr Hausarbeit. Die Autorinnen vermuten, dass sie damit den Verlust der Männlichkeit ihres Partners kompensieren wollten.

SPIEGEL ONLINE: Wer bestimmt in Beziehungen denn, wie das Geld ausgegeben wird?

Beblo: Wir haben Paare bei einem Experiment einmal gebeten, Geld auszugeben, das wir ihnen in Form von Einkaufsgutscheinen gegeben hatten. Dabei machte es einen Unterschied, wem wir die Bons in die Hand gedrückt haben. Die- oder derjenige hat auch die Entscheidungen eher getroffen. Wenn beide Partner Bons bekamen, haben die Frauen sich eher durchgesetzt.

SPIEGEL ONLINE: Was schließen Sie daraus?

Beblo: Wir haben gezeigt, dass es eine Rolle spielt, wer das Einkommen erhält. Zwar übernehmen Frauen eher alltägliche Anschaffungen. Wenn es aber um größere Investitionen geht, wissen wir aus anderen Studien, haben Männer mehr Einfluss.

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ich2010 17.01.2017
1.
interessanterweise werden frauen, die eben nicht dem traditionellen rollenspielchen entsprechen wollen, als egoistische emanze hingestellt. entscheidet man sich als frau gegen kinder und für die karriere ist man die böse und kassiert mitleidige und/oder verachtende kommentare ringsherum. irgendwie scheint es noch im hirn der sogenannten "gesellschaft" verankert zu sein, dass frauchen gefälligst am herd zu stehen hat und die kinderchen großzieht. solange da kein umdenken stattfindet kann man sich jede studie sparen. die beweist ja nur, dass man geistig immer noch in den verstaubten 1950ern hängen geblieben ist.
Sibylle1969 17.01.2017
2.
Meine Eltern hätten sich mE in den 80er Jahren scheiden lassen, wenn das finanziell machbar gewesen wäre. War es nicht, daher blieben sie zusammen. In mir verstärkte das den Wunsch, als Frau mein eigenes Geld zu verdienen und bloß niemals von einem Mann finanziell abhängig zu sein. Ich entschied mich für ein MINT-Studium und eine Karriere in der IT-Branche, wo ich seither gutes Geld verdiene. Aktuell verdiene ich ungefähr das Vierfache des Verdienst meines Mannes. Bin allerdings kinderlos...
Nordstadtbewohner 17.01.2017
3. Jeder lebt sein Leben, wie er/ sie es am liebsten mag.
Zitat von Sibylle1969Meine Eltern hätten sich mE in den 80er Jahren scheiden lassen, wenn das finanziell machbar gewesen wäre. War es nicht, daher blieben sie zusammen. In mir verstärkte das den Wunsch, als Frau mein eigenes Geld zu verdienen und bloß niemals von einem Mann finanziell abhängig zu sein. Ich entschied mich für ein MINT-Studium und eine Karriere in der IT-Branche, wo ich seither gutes Geld verdiene. Aktuell verdiene ich ungefähr das Vierfache des Verdienst meines Mannes. Bin allerdings kinderlos...
Meine Frau und ich haben gemeinsam studiert, arbeiten in derselben Branche. Wir arbeiten in unterschiedlichen Unternehmen, haben Kinder. Was wir verdienen, ist unser Einkommen. Wir werden auf Grund unserer Kinder nicht einsam sterben. Zum Artikel: Die Ökonomin blendet aus, dass 60% nicht scheitern, sondern gewinnen. Das hat was mit Liebe zu tun. Miriam Beblo bezieht sich auf alte Rollenbilder, die heutzutage nicht mehr Realität sind.
nine1011 17.01.2017
4. am Problem vorbei dikutiert
Das Problem ist nämlich die Wirtschaftszentrierte Denkweise. Der Beruf ist doch ich nicht das Wichtigste im Leben! Warum sollte man etwas an der Tatsache ändern, dass Frauen auf Teilzeit reduzieren? Den Job kann wirklich jeder oder jede erledigen. Meine Kinder kann nur ich allein erziehen und ich hab nur jetzt die Möglichkeit mit ihnen Zeit zu verbringen und für die Familie da zu sein. Wenn ich alt und gebrechlich bin und nie für meine Kinder da war, muss ich auch nicht erwarten, dass sie für mich da sein werden. Das Problem ist, dass der Staat Frauen und Mütter in diesem Dilemma allein lässt, später ohne Rentenansprüche dazustehen. Statt eines Familiengehalts oder einer Familienversicherung wird Elternarbeit immer noch nicht wert geschätzt oder Sozialversichert, dabei ist sie sicher wertschöpfender (wenn man so will) als Excel-Tabellenschubsen bei irgendeinem Konzern. Deshalb müssen Frauen die zu Haus bleiben, ebenso von der Karriere und der Rentenversicherung ihres Ehemannes profitieren (Väter von der arbeitenden Ehefrau ebenso) und selbst für die Elternarbeit auch Renten- und Pflege-ansprüche erwirtschaften können.
trotro 17.01.2017
5. Wie Frau es macht so macht Frau es falsch
Eine Frau, die trotz Kindern Vollzeit arbeitet, ist die Rabenmutter. Eine Frau, die zu Hause bleibt, ist in der Vergangenheit stecken geblieben. Eine Frau, die Teilzeit arbeitet ist der Klassiker und trotzdem noch finanziell abhängig vom Partner. Jeder ist doch immer noch seines Glückes Schmied und sollte sein Leben so leben, wie es ihm richtig erscheint. Ich gehöre zu den Klassikern, mein Mann Vollzeit, ich Teilzeit, zwei Kinder. Und ich bin glücklich so. Wenn wir später geschieden werden sollten und ich in Altersarmut versinke, war es für mich trotzdem die richtige Entscheidung, da ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbracht habe. Das ist mir im Leben wichtig. Eine andere Frau macht es anders? Auch gut, solange sie damit glücklich ist, bin ich absolut einverstanden!
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