Freitod mit 83 Ehepaar von Brauchitsch nahm sich das Leben

Der frühere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch und seine Frau Helga gingen gemeinsam freiwillig in den Tod. Das Ehepaar war laut Aussagen ihrer Tochter schwer krank und wollte dem Leiden ein Ende setzen.

DPA

Berlin - Er war einst einer der mächtigsten deutschen Industriekapitäne - den Zeitpunkt seines Todes hat er gemeinsam mit seiner Frau selbst gewählt. Der frühere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch, dessen Name für einen der größten Politikskandale der Bonner Republik steht, und seine Frau Helga gingen freiwillig gemeinsam in den Tod.

Offenbar war das Ehepaar schwer krank und wollte seinem Leiden ein Ende bereiten. "Mit fortschreitender Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes haben meine Eltern diesen Schritt in Erwägung gezogen und dann zum für sie geeigneten Zeitpunkt diesen Schritt getan", sagte die Tochter Bettina von Brauchitsch dem "Focus". "Aufgrund ihrer schweren Krankheit wären sie zu dem von ihnen gefassten Entschluss später nicht mehr in der Lage gewesen."

Ihre Mutter habe stark an fortgeschrittenem Parkinson gelitten, sagte Bettina Brauchitsch. Ihr Vater habe ein Emphysem, eine Überblähung der Lunge, gehabt. "Meine Eltern kannten sich 70 Jahre, sie waren fast 60 Jahre verheiratet, haben einen Lebensweg mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt und somit für sich entschieden, auch den letzten Weg gemeinsam zu gehen."

Das Ehepaar war den Angaben zufolge bereits am vergangenen Dienstag in Zürich gestorben, der Tod wurde aber erst am Freitag bestätigt. Beide waren 83 Jahre alt und hatten zuletzt sehr zurückgezogen gelebt. In einer Todesanzeige der Familie hieß es am Samstag, Eberhard und Helga von Brauchitsch "haben uns nach langen, mit großer Geduld und Disziplin ertragenen Krankheiten nach 58 Jahren Ehe für immer verlassen". Laut "Bild"-Zeitung sollen die beiden in Berlin beigesetzt werden, wohin sie bereits überführt worden seien.

Das Ehepaar wurde laut "Bild" von der Schweizer Sterbehilfeorganisation "Exit" unterstützt. Der Vizepräsident von "Exit", Bernhard Sutter, wollte sich aus Datenschutzgründen am Samstag nicht zu dem Fall äußern. Grundsätzlich helfe seine Organisation aber nur Schweizer Bürgern "oder Menschen, die in der Schweiz einen Wohnsitz haben", sagte Sutter der dpa.

Schlüsselfigur im Spendenskandal

Eberhard von Brauchitsch galt als Schlüsselfigur der Flick-Affäre, die Anfang der achtziger Jahre die Bundesrepublik erschütterte. Damals wurden verdeckte Geschenke und Spenden an Politiker und Parteien bekannt. Es bestand der Verdacht, dass die Zuwendungen im Zusammenhang mit Steuerbegünstigungen standen.

Der damalige Generalmanager des Flick-Konzerns verteilte seinerzeit rund 26 Millionen D-Mark an Parteien, Stiftungen und zahlreiche Politiker. Zu den Empfängern gehörten die FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs, die zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden. Lambsdorff musste als Wirtschaftsminister zurücktreten.

Brauchitsch wurde später wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldbuße verurteilt. Vom Anklagepunkt der Bestechung wurde er freigesprochen. Ihm wird auch die noch heute im Zusammenhang mit der Affäre bekannte Aussage von der "Pflege der Bonner Landschaft" zugeschrieben.

Der Ex-Manager nahm auch zahlreiche weitere Positionen in der deutschen Wirtschaft ein. Nach seiner Zeit beim Flick-Konzern arbeitete er unter anderem als Unternehmensberater. Nach der Wiedervereinigung wurde er Aufsichtsratsvorsitzender des ostdeutschen Chemiekonzerns Buna. Brauchitsch und seine Frau hinterlassen drei Töchter und einen Sohn.



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