Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Freiwillige Finanzspritze: Deutschland AG plant Griechenland-Hilfe

Athen bekommt möglicherweise Finanzhilfe von deutschen Konzernen: Laut Agenturberichten will eine Allianz mehrerer Unternehmen die griechische Regierung mit Milliardenzahlungen stützen. An der Koordination sei auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beteiligt.

Flaggen vor der griechischen Nationalbank: Hilfe aus Deutschland angekündigt Zur Großansicht
AP

Flaggen vor der griechischen Nationalbank: Hilfe aus Deutschland angekündigt

Athen - Die deutsche Wirtschaft plant offenbar eine freiwillige Beteiligung am Rettungspaket für Griechenland. Banken, Versicherungen und Industriefirmen stellen dem Land Hilfen in Milliardenhöhe in Aussicht, berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und dpa. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann helfe bei der Zusammenstellung, hieß es aus Verhandlungskreisen. Bisher hätten "eine Handvoll" Firmen ein bis zwei Milliarden Euro informell zugesagt.

Eine offizielle Erklärung von den beteiligten Firmen gibt es bislang nicht. Die Deutsche Bank Chart zeigen sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, man wolle die Gerüchte weder bestätigen noch dementieren.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) begrüßte die Idee eines freiwilligen Beitrags. "Freiwillig ist immer besser als Zwang", sagte Brüderle in Lissabon nach Gesprächen mit der portugiesischen Regierung. Die Wirtschaft sei herzlich eingeladen, sich an der Rettungsaktion zu beteiligen.

Ganz uneigennützig wäre eine Beteiligung deutscher Unternehmen nicht. Schließlich könnte ein Staatsbankrott Griechenlands zahlreiche Banken hierzulande ins Wanken bringen. Das könnte auch die Kreditvergabe in Deutschland gefährden.

Deutsche Banken mit Milliarden in Griechenland engagiert

Griechenland ist mit einer Gesamtsumme von rund 45 Milliarden Dollar (knapp 34 Milliarden Euro) bei deutschen Geldhäusern verschuldet, wie aus Daten der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) in Basel hervorgeht. Nur die Banken in der Schweiz und in Frankreich mit Schulden von jeweils um die 79 Milliarden Dollar träfe es härter.

Besonders teuer würde eine Griechenland-Pleite für jene Geldhäuser, die ohnehin schon am Tropf des Staates hängen: den maroden Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) Chart zeigen und die Commerzbank Chart zeigen mit ihrer Immobilien- und Staatsfinanzierungstochter Eurohypo Chart zeigen. Die verstaatlichte HRE ist mit rund 7,9 Milliarden Euro in Griechenland engagiert. Bei der teilverstaatlichten Commerzbank belaufen sich die an Griechenland verliehenen Summen auf etwa 3,1 Milliarden Euro. Hart treffen würde ein Bankrott auch die Postbank Chart zeigen, bei der die Deutsche Bank Großaktionär ist. Die Postbank ist mit rund 1,3 Milliarden Euro in Griechenland engagiert.

Verabschiedung des Rettungsplans schon am Wochenende möglich

In Athen wird weiter nach einer politischen Rettungslösung gesucht. Die Verhandlungen Griechenlands mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern über das Spar- und Reformprogramm könnten der EU-Kommission zufolge schon am Samstag zu einem erfolgreichen Ende kommen. "Ich bin zuversichtlich, dass die Gespräche sehr bald abgeschlossen sein werden", sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Freitag. Es seien substantielle Fortschritte erzielt worden, der Abschluss der Verhandlungen stehe kurz bevor. Nicht allein Griechenland werde geholfen, es gehe darum, die Stabilität der Euro-Zone insgesamt sicherzustellen, betonte Barroso.

Bei allen Bemühungen dürfe der Fall Griechenland aber nicht als Blaupause für Rettungspläne für andere europäische Länder dienen, ergänzte der Sprecher von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn in Brüssel. "Was wir hier machen, ist speziell für Griechenland, eine Feuerwehr an der griechischen Front." Es gebe derzeit keine Diskussionen über Kredithilfen für andere Euro-Länder.

Die sich abzeichnende Umsetzung des Hilfspakets hat den Kurs des Euro am Freitag beflügelt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,3302 US-Dollar gehandelt. "Angesichts der bevorstehenden Umsetzung des Hilfspakets für Griechenland hat das Vertrauen wieder zugenommen", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank.

Bundesregierung bewertet Rettungsplan positiv

Auch die Bundesregierung äußerte sich optimistisch zum geplanten Milliarden-Hilfsprogramm. "Nach allem, was wir wissen, wird es ein hartes Programm sein, was den Erfordernissen zur Umstrukturierung Griechenlands Rechnung tragen soll", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Michael Offer, in Berlin. "Insofern haben wir jetzt keinen Grund, pessimistisch zu sein."

Während des Wochenendes werde sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eng mit seinen Länderkollegen abstimmen, für Sonntag ist eine Telefonkonferenz der Euro-Finanzministern vorgesehen. Die deutsche Belastung durch das Rettungspaket blieb weiter offen.

Negative Rückwirkungen der Hilfsmaßnahmen für Deutschland erwartet das Finanzministerium nicht. "Deutschland ist eine starke Nation mit hohen Exportüberschüssen", sagte Offer. "Wir stehen in der Krise relativ gut da." Die Ausgangslage in Spanien und Portugal nannte er trotz der Herabsetzung der Kreditwürdigkeit günstiger als die in Griechenland. Auch laut Wirtschaftsminister Brüderle ist die Situation Portugals nicht mit der in Griechenland zu vergleichen. Das Land habe eine deutlich niedrigere Verschuldung und bereits konsequent auf die Krise reagiert.

Griechischer Ministerpräsident ruft zum Spar-Patriotismus auf

Unterdessen stellte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou seine Landsleute auf weitere Sparmaßnahmen ein. Diese seien notwendig, um Griechenland vor dem Bankrott zu bewahren, sagte Papandreou vor dem Parlament in Athen.

"Die wirtschaftlichen Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, sind zur Sicherung unseres Landes notwendig. Für unser Überleben, für unsere Zukunft, damit wir wieder festen Boden unter unsere Füßen bekommen", sagte der Regierungschef. "Es ist eine patriotische Pflicht, zu handeln, egal, was dies politisch kosten mag", so Papandreou weiter. Die Kosten für den Staat durch Untätigkeit und Unentschlossenheit wären weit höher.

Papandreou wählte in seiner Rede teils dramatische Formulierungen, um den Ernst der Lage deutlich zu machen: "Das Überleben der Nation ist heute das Wichtigste, es ist unsere rote Linie."

jok/dpa-AFX/ddp/AP/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. aw
kdshp 30.04.2010
Zitat von sysopAthen bekommt möglicherweise Finanzhilfe von deutschen Konzernen: Laut Agenturberichten will eine Allianz mehrerer Unternehmen die griechische Regierung mit Milliardenzahlungen stützen. An der Koordination sei auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beteiligt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692279,00.html
Hallo, äh tuen die das nicht eh im prinzip?! Wenn in D nur die mitte und oberschicht real steuern zahlt dann zahlen die das doch eh egal ob staat oder sonst wer das den griechen gibt. Der mittelstand wird sich bedanken denn der größteteil schultert dieser ja wieder zu 100%.
2. Helft den Banken!
AttilaR, 30.04.2010
Solange es "nur" darum ging den Menschen in Griechenland zu helfen, war jeder Ezuro zu viel. Jetzt, da es um die deutschen Banken geht ist jede Milliarde gefordert...
3. re
marks & spencer 30.04.2010
Au weia. Wenn Ackermann mitmischt, kann nur die Finanzkrise Teil II herauskommen.
4. Hört hört.
fc-herrenturnverein 30.04.2010
Zitat von sysopAthen bekommt möglicherweise Finanzhilfe von deutschen Konzernen: Laut Agenturberichten will eine Allianz mehrerer Unternehmen die griechische Regierung mit Milliardenzahlungen stützen. An der Koordination sei auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beteiligt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692279,00.html
3 Möglichkeiten: a) PR war noch nie so billig - nix Konkretes bisher, aber alle finden unsere Daxler und den Herrn Ackermann wieder super! b) Man zeigt sich engagiert, um später umso unverschämter in das ohnehin leere (oder man sollte sagen für unsere Konzerne immer prallgefüllte, aber für alle anderen leere) Subventionssäckel zu greifen. c) Die Lage ist viel viel viel viel schlimmer, als Mutti uns das sagen will ... Mein Tipp: Nicht mehr hinhören. Weder auf Politik, noch Konzerne ... einfach ignorieren und an sich selber denken und selber clever arbeiten.
5. Griechenland kaufen
wintersommer, 30.04.2010
Ich finde den Vorschlag, Teile Griechenlands zu kaufen sehr vernünftig. Wie ein bankrottes Unternehmen. Auf lange Sicht betrachtet gehört dann bald aber ein Land einer Bank :(
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite


EU-Rettungsplan für Griechenland
Die Hilfe
Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.
Das Geld
Wirtschaftsminister Brüderle beziffert den Finanzbedarf Griechenlands auf 135 Milliarden Euro für drei Jahre. Für das laufende Jahr braucht Athen 45 Milliarden Euro. Davon entfielen auf den IWF 15 Milliarden Euro, auf die Euro-Staaten 30 Milliarden Euro. Die bilateralen Kredite sollen erst nach einem einstimmigen Beschluss der 16 Euro-Länder fließen.
Die Kosten
Deutschland müsste den größten Teil der Euro-Hilfen übernehmen. Dem Vernehmen nach entfielen auf die Bundesrepublik entsprechend ihrem Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank (EZB) 27 Prozent der Gesamtsumme. Das wären für 2010 8,4 Milliarden Euro. Für die folgenden Jahre steht noch keine Summe, Wirtschaftsminister Brüderle stellte aber eine Gesamtsumme von 25 Milliarden Euro in den Raum. Derzeit werde geprüft, ob griechische Anleihen gekauft oder über die Staatsbank KfW mit Bundesbürgschaften abgesicherte Kredite vergeben werden. Es zeichne sich die KfW-Lösung ab.
Die Sanktionen
Um das Anhäufen von Rekordschulden künftig zu verhindern, sollen die Sanktionen verschärft werden. Eine Expertengruppe soll bis Ende des Jahres "alle Optionen ausloten, um den Rechtsrahmen zu stärken". Merkel hatte als äußerstes Mittel einen Ausschluss von Ländern aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. In dem Text werden aber noch keine konkreten Sanktionen genannt.
Die Sorgen der Bosse vor dem Staatsbankrott

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


Staatsanleihen
Wie die Märkte die Renditen bestimmen
DER SPIEGEL
1. Die Ausgabe der Anleihen
Ein Staat legt eine Anleihe zum Stückpreis von 1000 Euro auf – mit einem festen Zinssatz von 5 Prozent auf den Ausgabepreis. Ein Anleger erhält also jedes Jahr 50 Euro Zinsen.
2. Die Zinsen steigen
Das Vertrauen, dass der Staat seine Schulden zurückzahlt, schwindet. Anleger verkaufen die Anleihe, der Preis sinkt – beispielsweise auf 900 Euro. Ein Käufer erhält dennoch 50 Euro Zinsen – was aber, bezogen auf den Kaufpreis, einer laufenden Rendite von nun 5,6 Prozent entspricht. Dazu erhält der Anleger am Ende der Laufzeit ja 1000 Euro zurück, was die Rendite, nach einer komplizierten Formel, sogar noch weiter erhöht – bei einer Restlaufzeit von 3 Jahren beispielsweise auf 9 Prozent.
3. Der Staat muss mehr zahlen
Der Staat muss nun, wenn er neue Schulden macht, mindestens 9 Prozent bieten. Sonst würde es sich für Investoren lohnen, die alten (oder umlaufenden) Anleihen zu kaufen.
Getty Images
Sie waren die Supermacht der Antike, nun fürchten die Hellenen den Bankrott. Aber wie schlimm steht es wirklich um Griechenland? Testen Sie Ihr Wissen über den Krisenstaat im SPIEGEL-ONLINE-Quiz! !


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: