Kandidatur für CDU-Parteivorsitz Blackrock will Merz nicht zurückhaben

Friedrich Merz geht mit seiner Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz ins Risiko: Denn auch wenn er scheitert, scheint eine Rückkehr in seinen bisherigen Job beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock nahezu unmöglich.

Blackrock-Zentrale in New York
REUTERS

Blackrock-Zentrale in New York

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Dass sich Friedrich Merz nach dem Rückzug von Angela Merkel um den frei werdenden Job als CDU-Parteichef bewerben würde, kam nicht nur für die Öffentlichkeit völlig überraschend - sondern auch für seinen Arbeitgeber, den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Seit 2016 leitet Merz den Aufsichtsrat der deutschen Blackrock-Tochter - und hat diese Rolle bisher sehr aktiv ausgefüllt. Entsprechend groß ist die Verwunderung über die plötzliche Kehrtwende.

Man habe quasi erst in allerletzter Minute davon erfahren, dass sich ihr Frontmann auf einen Wechsel zurück in die Politik vorbereitet, heißt es nach SPIEGEL-Informationen in Blackrock-Kreisen. Dass Merz in den vergangenen Wochen immer wieder bei Parteifreunden die Erfolgschancen für eine Kandidatur abgeklopft hatte, hat beim Unternehmen offenbar niemand mitbekommen.

"Jetzt geht es darum, ohne Gesichtsverlust auseinanderzugehen", sagt ein Insider. Derzeit werde fieberhaft an einer Lösung gearbeitet. "Klar ist aber auch: Einen Weg zurück zu Blackrock gibt es nicht, wenn seine Kandidatur scheitert." Offiziell wollte die Informationen zunächst nicht kommentieren. Am Mittwochnachmittag veröffentlichte das Unternehmen dann ein Statement des Firmenchefs Larry Fink: "Blackrock und Friedrich Merz pflegen weiterhin eine hervorragende Beziehung", heißt es dort. "Er bleibt Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock in Deutschland. Wenn er nicht Vorsitzender der CDU wird, würden wir es sehr begrüßen, wenn er weiterhin mit Blackrock zusammenarbeitet." In welcher Funktion diese Zusammenarbeit erfolgen soll, ließ der Blackrock-Boss allerdings offen.

Blackrocks stille Macht

Merz selbst hat angekündigt, für den Fall seiner Wahl alle Aktivitäten in der freien Wirtschaft aufzugeben. Offen ließ er allerdings, was er für den Fall einer Wahlniederlage plant. Merz war zeitweise auch Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Börse sowie im Beirat der Commerzbank und vieler weiterer Gremien.

Friedrich Merz
DPA

Friedrich Merz

Als Vorsitzender des Aufsichtsrates des deutschen Blackrock-Ablegers bestand seine Aufgabe bisher vor allem darin, für den US-Vermögensverwalter Kontakte in die deutsche Politik herzustellen. Dank seiner jahrzehntelangen Arbeit auf Landes- und Bundesebene gilt Merz als äußerst gut verdrahtet.

Blackrock verwaltet weltweit mehr als sechs Billionen Dollar Anlagevermögen und ist bei praktisch allen großen Konzernen in Deutschland, Europa und auch weltweit Aktionär. Die Amerikaner üben traditionell im Hintergrund Einfluss auf das Management jener Firmen aus, an denen sie beteiligt sind. Auf Hauptversammlungen treten Blackrocks Fondsmanager dagegen in der Regel nicht auf, auch in den Aufsichtsräten der Beteiligungsunternehmen sitzen kaum Vertreter der Amerikaner.

Merz hatte am Montag - nur wenige Minuten, nachdem Kanzlerin Merkel ihren Rückzug als Parteichefin angekündigt hatte - durchblicken lassen, dass er selbst kandidieren will. Am Dienstag dann machte er seine Kandidatur offiziell. Auf dem Parteitag der CDU am 6. Dezember in Hamburg muss er sich dem Votum der Delegierten stellen. Als Gegenkandidaten sind bisher Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer im Rennen.

Sollte Merz sich durchsetzen, wäre das ein fulminantes Comeback des Westfalen. Ab 2000 war er Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, damals noch in der Oppositionsrolle. 2002 bootete ihn Parteichefin Merkel aus, indem sie auch das Amt der Fraktionsvorsitzenden an sich riss. Seither gilt das Verhältnis der beiden als zerrüttet. 2009 schließlich verließ er die CDU-Fraktion endgültig.

Jetzt zieht es Merz in die aktive Politik zurück und weg von Blackrock - in diesem Fall wohl für immer.


Anmerkung der Redaktion: Blackrock wollte zunächst nicht zu den SPIEGEL-Informationen Stellung nehmen. Ein späteres Statement haben wir im Text ergänzt.



insgesamt 129 Beiträge
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marialeidenberg 31.10.2018
1. Das zeigt zweierlei:
1. Er hat genug Geld verdient, so dass er im Falle des Scheiterns nicht zu seinem alten Arbeitgeber zurückkehren braucht, will oder darf. Die Rückkehr ist im Geschäftsleben ohnehin nicht üblich und bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Die Betonung der endgültigen Trennung ist dennoch vorteilhaft, denn sie schafft Klarheit. 2. Er meint es ernst, geht ins persönliche Risiko. Gut so.
label.michael 31.10.2018
2. Wer's glaubt wird seelig!
Wenn der Blackrock immer noch gute Beziehungen zu einflussreichen Kreisen ermöglicht kann er da auch zurück. Hauptsächlich aus dem Grund hat er den Job doch wohl bekommen.
kuac 31.10.2018
3.
Was heisst hier scheitern? Ist er gescheitert, wenn er kein Parteivorsitzender wird? Man kann auch gute Politik machen, ohne das man Parteivorsitzender ist. Wenn Merz das nicht macht, dann geht es ihm nicht um das Land, sondern um eigenes Ego.
claus7447 31.10.2018
4. Es wird sich doch Ersatz finden...
... bei CDU und FDP stehen sie doch Schlange. Wär doch noch eine Lösung für Horsti .... bin ja schon weg.
spon_leser2892 31.10.2018
5. Die Darstellung ist kaum zu glauben
denn als neuer CDU Chef ist er für Blackrock noch näher an Entscheidern dran. Diese geschilderte "Distanz" ist sicherlich nur "vorgespielt". Blackrock kann nichts besseres passieren als dass Merz in dieses Amt gewählt wird. Blackrock kontrolliert ALLES, denn Sie sind überall beteiligt und wenn die Bevölkerung nur annähernd wüsste wir unterwandert die Politik ist, dann wären vielleicht mal mehr Leute auf der Straße zum Demonstrieren. Demokratie hatten wir mal ...
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