CDU-Kandidat fordert Steuervorteile Ökonomen kritisieren Merz' Aktien-Vorstoß

Friedrich Merz - Chefaufseher beim Milliarden-Investor Blackrock - will Aktienkäufer steuerlich begünstigen. Das soll die Altersvorsorge der Deutschen stabilisieren. Wirtschaftswissenschaftler widersprechen.

Friedrich Merz
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Friedrich Merz, Kandidat bei der Wahl des CDU-Vorsitzes beim Ende der Woche beginnenden Parteitag, hat sich für eine steuerliche Begünstigung von Aktienkäufen stark gemacht. Mit Blick auf die Alterssicherung hat Merz gegenüber der "Welt am Sonntag" gefordert, Aktienkäufe durch Arbeitnehmer staatlich zu fördern, etwa steuerlich.

Hintergrund sind einerseits Prognosen, dass viele gesetzlich Rentenversicherte wenig privat für das Alter vorsorgen. Zudem gilt der Anteil deutscher Aktienbesitzer an der Gesamtbevölkerung international als gering.

Doch an Merz' Vorstoß wird Kritik laut, und zwar nicht nur beim politischen Gegner, sondern auch bei Experten. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, lehnt den Vorstoß ab. Das sagte Hüther der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Es gibt schon Förderprogramme

"Keine neue Förderung, sondern bestehende Systeme überprüfen", sagte Hüther der Zeitung. "Es gibt grundsätzlich keinen Grund bestimmte Anlageformen - wie Aktien oder Renten - steuerlich für die Altersvorsorge zu begünstigen." Mit Programmen wie den Riester- und Rürup-Renten gebe es bereits eine steuerliche Förderung, die aus verschiedenen Gründen auch kritisiert werde. Es müsse gefragt werden, ob durch bestehende Regelungen bestimmte Anlageformen diskriminiert würden.

Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel sagte der "Welt", eine gezielte Begünstigung spezieller Anlageformen halte sie für "problematisch". "Besser wäre es, bestehende steuerliche Verzerrungen abzubauen."

Der Leiter des Münchner Ifo-Institutes, Clemens Fuest, sagte der "Welt", es sei richtig dafür zu werben, "dass die Menschen in Deutschland mehr und intelligenter, also unter Einbeziehung von Aktien, für den Ruhestand sparen". Einzelmaßnahmen wie ein Freibetrag seien aber "nicht zielführend". Fuests Vorgänger Hans-Werner Sinn bezeichnete Merz' Vorschlag dagegen als "richtige und wichtige Idee".

Möglicher Interessenkonflikt?

Merz hatte sich für steuerliche Anreize für Aktienkäufe zur Alterssicherung ausgesprochen. So warb er für einen "jährlichen Freibetrag, unter dem man einen auf Aktien basierten Spar- oder Vorsorgeplan aufbaut". Der Vorschlag stieß unter anderem bei der SPD auf heftige Kritik.

Merz ist Aufsichtsratsvorsitzender beim Vermögensverwalter Blackrock Deutschland. Mit zuletzt rund 6,4 Billionen Dollar (etwa 5,7 Bio. Euro) an Anlegergeldern ist Blackrock der größte Vermögensverwalter der Welt. Die Firma ist über diverse Branchen und Sektoren hinweg einer der wichtigsten Investoren rund um den Globus und hält auch Aktienpakete an etlichen deutschen Großkonzernen.

Auf die Frage nach einem möglichen Interessenkonflikt sagte Merz in der ARD, er habe sich schon lange vor seinem Engagement für das Unternehmen für die private Altersvorsorge ausgesprochen. "Ich musste meine Meinung da nie ändern und werde sie auch nicht ändern." Angesprochen auf den Charakter von Aktien als Risikopapiere sagte er, aus seiner Sicht sei "langfristige Beteiligung am Produktivkapital der Unternehmen" verlässlich. Es komme darauf an, dass man in jungen Jahren mit kleinen Beiträgen anfange - "das können schon vier oder fünf Euro am Tag sein".

Neben Merz sind CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn aussichtsreiche Kandidaten für den CDU-Vorsitz. Die Entscheidung über die Nachfolge vom Angela Merkel fällt Ende der Woche auf dem CDU-Parteitag in Hamburg.

beb/AFP/dpa

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renker2001 03.12.2018
1.
Ein Vorschlag aus der Mottenkiste
claus7447 03.12.2018
2. Die Maske ist gefallen!
FM hat sein wahres Gesicht gezeigt. Mehr muss man nicht mehr sagen.
freudentanz 03.12.2018
3. Warum Interessenkonflikt ?
Der Mann hat Recht und da müssen wir uns nicht noch selbst belügen. Andere Parteien fordern geringere Kosten der Arbeitnehmer an Renten ... aber nicht auf Pensionen ! Merkwürdig . Wenn Leute die 40-45 Jahre gearbeitet haben in Zukunft nicht auf der Strasse leben sollen müssen wir in Aktien. Beamte brauchen das nicht die werden ja alimentiert und manche ökologische Parteien fordern noch mehr Verbeamtungen.
herbert 03.12.2018
4. Merz hat total Recht !
Die Norweger haben das System und fahren sehr gut dabei ! Es gibt viele stabile Unternehmen die zahlen seit ewigen Zeiten satte Dividenden zwischen 5 und 6 Prozent ! Aber die Denke des deutschen Michel, sein Geld bei der Sparkasse für negativ Zinsen unterzubringen anstatt satte Dividenden kassieren ist typisch im Entwicklungsland Deutschland für Aktien. Anders gesagt, die Deutschen haben da ein Bildungsproblem !
jing&jang 03.12.2018
5. was wirklich hilft:
Lohnsteigerungen bei gleichzeitiger Erhöhung des Rentenbeitrages. Weg mit Merkelschem Migration Wahnsinn, dass ist ein Fass ohne Boden gerade in die Zukunft gesehen, zudem ist das gesellschaftlich inzwischen untragbar geworden. Uns Deutschen stünde es gut an, wegen der verfehlten politischen Entscheidungen, massenweise in gelben Westen in den öffentlichen Raum zu gehen. Allez allez!
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