Friedrich Merz "Ich würde mich zur gehobenen Mittelschicht zählen"

Wie wohlhabend ist Friedrich Merz? Auf Nachfrage gibt sich der Kandidat für den CDU-Vorsitz als Millionär zu erkennen - rechnet sich aber trotzdem der Mittelschicht zu. In der Europapolitik wagt er einen neuen Vorstoß.

Friedrich Merz
ULRICH HUFNAGEL/EPA-EFE/REX

Friedrich Merz


Friedrich Merz hat interessante Einschätzungen zu seinem eigenen Vermögen abgegeben. In einem Interview mit "Bild", bei dem auch Leserfragen gestellt wurden, antwortete der Kandidat für den CDU-Vorsitz zunächst auf die Frage, ob er zur reichen Oberschicht zähle: "Also, ich würde mich zu der gehobenen Mittelschicht zählen." Zur "kleinen, sehr vermögenden, sehr wohlhabenden Oberschicht" in Deutschland gehöre er "mit Sicherheit nicht".

Auf eine weitere Frage zu seinem möglichen Millionenvermögen sagte Merz dann: "Ich liege jedenfalls nicht darunter." Der 63-Jährige arbeitet seit 2005 im Düsseldorfer Büro der international tätigen Kanzlei Mayer Brown und berät dort nach Angaben der Kanzlei Unternehmen bei Fusionen. Zu seinen Mandanten zählen zahlreiche Dax-Unternehmen und internationale Konzerne.

Seit Frühjahr 2016 führt Merz zudem den Aufsichtsrat der Deutschland-Tochter des US-Investmentunternehmens Blackrock. Mit zuletzt rund 6,4 Billionen Dollar an Anlegergeldern ist Blackrock der weltweit größte Vermögensverwalter. In der Vergangenheit hatte Merz kein Geheimnis daraus gemacht, dass er wohlhabend ist. So flog er regelmäßig mit seinem Privatflugzeug zu Terminen.

"Deutschland muss überproportionalen Beitrag leisten"

Merz sprach sich in dem Interview auch für eine eigene EU-Steuer aus. "Ich glaube, es wäre in der mittleren Frist besser, wenn die EU eine eigene Steuerquelle bekäme", sagte er der "Bild". Merz forderte außerdem eine "durchgreifende Vereinfachung der Einkommensteuer für die privaten Haushalte".

Die EU-Steuer solle aber nicht zu einer höheren Steuerbelastung der Bürger führen, sagte Merz weiter. Derzeit gebe es immer wieder Diskussionen über das Umlagesystem zur Finanzierung der EU. Die Union lehnt eine eigene EU-Steuer bisher ab.

Merz verteidigte zugleich hohe deutsche Nettozahlungen an die EU: "Ja, Deutschland muss einen überproportionalen Beitrag zum Gelingen der EU leisten. Wenn Europa scheitert, sind wir diejenigen, die davon am meisten betroffen sind."

Zugleich verteidigte Merz seine Äußerungen zur Europäischen Arbeitslosenversicherung. Er habe einen entsprechenden Aufruf mehrerer Politiker für mehr EU-Integration unterzeichnet, weil es dort heiße, dass man eine gemeinsame europäische Arbeitsmarktpolitik bis hin zu einer europäischen Arbeitslosenversicherung anstrebe. Dies bedeute aber, dass eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung auf EU-Ebene der End- und nicht der Startpunkt sein müsse. Wie der SPIEGEL berichtete, hatte sich Merz nur zwei Wochen nach der Unterzeichnung des Appells von der Forderung distanziert.

Alle Kandidaten für Steuerreformen

Auch Merz' Mitbewerber sprachen sich für Änderungen in der Steuerpolitik aus. "Aus meiner Sicht werden wir in absehbarer Zeit eine Steuerreform brauchen", sagte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Diese müsse sowohl Unternehmensteuern als auch die Einkommensteuer umfassen. Viel spreche dafür, "dass wir das in eine große Steuerreform gießen".

Gesundheitsminister Jens Spahn forderte eine Senkung der Körperschaftsteuern. "Wir müssen bei den Unternehmensteuern wieder wettbewerbsfähiger werden", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Wenn die USA und Großbritannien die Körperschaftsteuer senken, dann sollten wir nachziehen." Die Steuersenkungen würden auch den deutschen Leistungsbilanzüberschuss verringern, so Spahn.

dab/Reuters/dpa

insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
Havel Pavel 14.11.2018
1. EU Steuer ohne dass die Bürger mehr zahlen?
Wie soll das denn funktionieren? Wer sonst als die Bürger soll denn die Steuern aufbringen, etwa die Unternehmen, die dann die Steuern direkt an die Bürger weitergeben? Indem man die bisherigen Steuern um die Höhe der EU Steuern senkt? Die Regierung die freiwillig auf Steuereinnahmen verzichtet die sie dann verteilen kann muss erst noch geboren werden! Wer soll den Schmu denn nun glauben?
Bundestrainer 14.11.2018
2. Banzai und masel tov
Ja, da kann man dem Herrn Merz nur viel Glück und Erfolg bei dem Versuch wünschen, mit der Idee der Einführung einer EU-Steuer beim deutschen Wähler punkten zu wollen - auch wenn die Bürger dadurch (natüüüürlich!) nicht mehr bezahlen sollen. An dieser Stelle hat der steuerzahlende Bürger mit Sicherheit vollstes Vertrauen in die politische Kaste. Herr Merz wird der Erste sein, der mit Steuererhöhungen Wahlen gewinnt!
Mieze Schindler 14.11.2018
3. Unvergessen!
Nicht vergessen kann ich die unselige Leitkulturdebatte dieses Herrn, bevor ihn Frau Merkel entmachtet hat. Deshalb wäre es mir lieber, wenn er in Zukunft seine Finger von der Politik liese.
max-mustermann 14.11.2018
4.
"Ich würde mich zur gehobenen Mittelschicht zählen" Ach wie bescheiden der Herr, jetzt wird mir aber auch klar warum mann in der Union immer davon spricht das mann die Mittelschicht entlasten muss.
kuac 14.11.2018
5.
Merz: "Ich würde mich zur gehobenen Mittelschicht zählen"... Ich glaube, dass Merz gar nicht weiss, was eine Mittelsicht in DE bedeutet?
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