Frühjahrsgutachten Ökonomen wollen Steuerzahler um Milliarden entlasten

Deutschland ist im Aufschwung, die großen Wirtschaftsinstitute erhöhen ihre Wachstumsprognose - und sie fordern umfangreiche Steuersenkungen. Vor allem kleine und mittlere Einkommen sollen entlastet werden.

Einkaufspassage in Dresden: Weniger Steuern für kleine und mittlere Einkommen
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Einkaufspassage in Dresden: Weniger Steuern für kleine und mittlere Einkommen


Das Öl ist billig, der Euro ist schwach die Konsumlust ungebrochen: Für die deutsche Wirtschaft sind die Bedingungen fast ideal. In ihrem Frühjahrsgutachten rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute deshalb mit einem deutlich höheren Wachstum als noch vor einem halben Jahr. Angesichts des robusten Aufschwungs plädieren die Ökonomen deshalb jetzt für eine umfangreiche Steuersenkung.

Der Tarif solle insbesondere im Bereich kleiner und mittlerer Einkommen leistungsfreundlicher gestaltet werden, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforscher. Ein solcher Schritt würde den Faktor Arbeit entlasten und das Wachstumspotenzial in der Bundesrepublik dauerhaft steigern. Die Reduzierung der Steuerlast für die mittleren Einkommen würde nach Einschätzung der Forscher rund 25 Milliarden Euro kosten.

Offiziell stellen die Institute ihre Schätzungen an diesem Donnerstag in Berlin vor. Wie vorab bekannt wurde, wollen die Ökonomen ihre Prognose aus dem Herbst von 1,2 auf 2,1 Prozent deutlich anheben. Im kommenden Jahr sei dann mit einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,8 Prozent zu rechnen.

2014 hatte das deutsche BIP um 1,6 Prozent zugelegt. Die deutsche Exportwirtschaft profitiert derzeit unter anderem vom billigen Rohöl und vom schwachen Euro, der Ausfuhren außerhalb der Euroländer günstiger macht. Haupttreiber bleibt aber die starke Inlandsnachfrage mit konsumfreudigen Verbrauchern.

Die Bundesregierung geht zudem von einer erneuten Rekordbeschäftigung aus. Die Zahl der Erwerbstätigen werde voraussichtlich um 170.000 zulegen und im Jahresschnitt auf über 42,8 Millionen steigen. Nach Einschätzung der Regierung wird das Wachstum vor allem von der starken Inlandsnachfrage getragen. Weil sich Sparen wegen der Minizinsen nicht lohnt, konsumieren die Verbraucher viel. Dazu passt, dass Arbeitnehmer höhere Löhne und Gehälter bekommen. Die Nettolöhne dürften um 2,6 Prozent anziehen, die Inflation mit 1,4 Prozent nur moderat ansteigen, teilte die Regierung mit.

nck/dpa

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insgesamt 127 Beiträge
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eunegin 16.04.2015
1. Lohnerhöhung statt Steuersenkung!!
Ich gönne unserem Staat die Steuern und den Unternehmen die Gewinne. Die Gewinne sollten aber weitergereicht werden - nicht nur an die Manager. Daher: Löhne rauf. Dann könnend die Steuern gleich bleiben und investiert werden.
biesi61 16.04.2015
2. Unsere Infrastruktur verrottet,
unsere Kommunen sind kaum noch handlungsfähig, viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind eindeutig unterbezahlt und unsere Ökonomen irrlichtern von Steuersenkungen. Das macht sprachlos!
mailo 16.04.2015
3. Unfug!
Schulden abbauen um Spielräume für die nächste Kriese zu schaffen und Kinder und Familien fördern ist alle Male sinnvoller!
Spiegelleserin57 16.04.2015
4. Steuersenkungen?
die Preise haben in D deutlich angezogen, auch beim Kaffee und anderen Lebensmitteln. nicht selten kostet ein Pfund Kaffee 7!!!! Euro. Vor kurzem war der Preis noch bei 4,50! Auch das Benzin steigt wieder deutlich, also wie beschrieben würde ich mich mal sehr mit der Kauflaune zurückhalten. Man muss nicht den letzten noch vorhandenen Euro, auch wenn er keine Zinsen bringt, ausgeben. Steuersenkungen wären schon angebracht denn die Preiserhöhung ist spürbar und die so groß angekündigten Lohnerhöhungen werden durch die Sozialabgaben wieder entfernt. Die berühmte Senkungen der Krankenkassenbeiträge haben bei mir nur 0,1% ausgemacht. Man darf sich von denn so überaus positiven Nachrichten über die Realität nicht blenden lassen.
blurps11 16.04.2015
5.
Das ginge auch ganz einfach: Mehrwertsteuer senken. Damit würden ALLE kleinen und mittleren Einkommen deutlich entlastet und unkomplizierter geht es nicht. Genau das werden die "Experten" aber kategorisch ausschliessen, wetten ?
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