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Frühjahrsgutachten: Ökonomen warnen vor Job-Abbau durch Mindestlohn

"8,50"-Aufsteller vor dem Kanzleramt: Große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt Zur Großansicht
DPA

"8,50"-Aufsteller vor dem Kanzleramt: Große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Schlechte Nachrichten für Arbeitsministerin Andrea Nahles: Ihre Pläne für einen gesetzlichen Mindeslohn werden im Frühjahrsgutachten von Experten erneut kritisiert. Für die Konjunktur sehen sie mehreren Berichten zufolge aber einen deutlichen Aufschwung voraus.

Berlin - Die Einführung des geplanten gesetzlichen Mindestlohns von 8,5 Euro könnte im kommenden Jahr bis zu 200.000 Arbeitsplätze kosten. Davor warnen Experten mehrerer Wirtschaftsinstitute in ihrem Frühjahrsbericht, aus dem der "Tagesspiegel" vorab zitiert. Das Papier, das in Auftrag der Bundesregierung erstellt wird, soll am Donnerstag vorgestellt werden. Demnach kommt die gegenwärtige Erholung am Arbeitsmarkt zum Erliegen.

Der Mindestlohn habe große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, da die Zahl der Betroffenen sehr groß sei, heißt es laut "Tagesspiegel" in dem Gutachten. Ihr Lohn steige um durchschnittlich 30 Prozent. Zudem seien viele Menschen, die künftig den Mindestlohn bekommen, in Branchen beschäftigt, in denen es keine hohen Gewinnspannen gebe, beispielsweise in der Gastronomie.

Die Experten haben aber auch positive Ergebnisse: In diesem Jahr soll demnach ein Konjunkturplus von 1,9 Prozent erreicht werden. Das sind 0,1 Prozentpunkte mehr, als sie im Herbst erwartet hatten. Die Regierung war von 1,8 Prozent Zuwachs ausgegangen. Für 2015 rechnen die Institute wie die schwarz-rote Koalition mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. Zudem gehen sie davon aus, dass der Staat in beiden Jahren Überschüsse erwirtschaften werde.

Das Frühjahrsgutachten erstellen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Ifo-Institut, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sowie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Auftrag der Bundesregierung. Zentraler Bestandteil ist die Vorhersage der Wirtschaftsentwicklung in diesem und im kommenden Jahr.

Der Kritik an der geplanten Lohnuntergrenze haben sich laut "Tagesspiegel" und der Digitalzeitung "Handelsblatt Live" nicht alle an dem Gutachten beteiligten Institute angeschlossen. Das DIW habe ein Minderheitenvotum angefügt. Darin verwiesen die Berliner Forscher darauf, dass die Effekte nur schwer zu bestimmen seien.

vks/dpa/Reuters

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insgesamt 66 Beiträge
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1.
metronomfahrer 09.04.2014
Mit anderen Worten: 200.000 Arbeitnehmer in Deutschland erhalten einen menschenunwürdigen Lohn. Höchste Zeit solche Zustände, die nebenbei gesagt, dem Staat jährlich Mrd. an Zuschüssen kosten, schleunigst zu beenden.
2. Also
kraijjj 09.04.2014
Zitat von sysopDPASchlechte Nachrichten für Arbeitsministerin Andrea Nahles: Ihre Pläne für einen gesetzlichen Mindeslohn werden im Frühjahrsgutachten von Experten erneut kritisiert. Für die Konjunktur sehen sie mehreren Berichten zufolge aber einen deutlichen Aufschwung voraus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/fruehjahrsgutachten-oekonomen-warnen-vor-job-verlust-durch-mindestlohn-a-963559.html
was raten diese Experten? Menschen weiterhin prekär zu beschäftigen? – zu Konditionen die zum leben zu wenig und zum sterben zu viel sind? Das der Staat weiterhin die Gehälter der Angestellten dieser Firmen aufstockt/subventioniert?
3. Alle erwähnten Institute
stauner 09.04.2014
sind nachweislich hauptsächlich arbeitgeberfinanziert. Ein Klick im Web reicht um das von den "Instituten" auf deren Websites selbst bestätigt zu bekommen. Wen wundert es also, dass arbeitgeberfinanzierte Institute zu arbeitgeberfreundlichen Ergebnissen kommen? gruss Stauner
4.
spiegelzelt 09.04.2014
Zitat von metronomfahrerMit anderen Worten: 200.000 Arbeitnehmer in Deutschland erhalten einen menschenunwürdigen Lohn. Höchste Zeit solche Zustände, die nebenbei gesagt, dem Staat jährlich Mrd. an Zuschüssen kosten, schleunigst zu beenden.
S'wird halt alles teuerer werden müssen: Taxis, Frisöre, Restaurants ... Man wird sehen ob der Kunde bereit ist, viel tiefer in's Portemonnaie zu greifen. Ansonsten werden eben viele Geringqualifizierte erbarmungslos auf der Straße landen.
5.
StörMeinung 09.04.2014
Zitat von sysopDPASchlechte Nachrichten für Arbeitsministerin Andrea Nahles: Ihre Pläne für einen gesetzlichen Mindeslohn werden im Frühjahrsgutachten von Experten erneut kritisiert. Für die Konjunktur sehen sie mehreren Berichten zufolge aber einen deutlichen Aufschwung voraus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/fruehjahrsgutachten-oekonomen-warnen-vor-job-verlust-durch-mindestlohn-a-963559.html
Vielleicht bin ich ja schlecht informiert, aber von all unserern Nachbarländern sind wir doch die einzigen, die noch keinen flächendeckenden Mindestlohn haben. Wenn Deutschland seine wirtschaftliche Stärke aus Sklavenarbeit ableitet, ist es das, wofür unsere freiheitlich rechtliche Grundordnung steht? Ich finde es schlimm, dass "Institute" sich zur Handpuppe bestimmter Unternehmen machen lassen, andere Branchen bezahlen nämlich in der Regel gut.
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