Von Christian Teevs
Berlin - Im Wahlkampf klang das Versprechen von Guido Westerwelle noch ziemlich vollmundig: Er werde einen Koalitionsvertrag nur unterschreiben, wenn er ein "niedrigeres, einfaches und gerechtes" Steuersystem enthalte, sagte der FDP-Chef bei jeder Gelegenheit. Schon bei den Koalitionsverhandlungen mussten die Liberalen jedoch erkennen: Das von ihm favorisierte Drei-Stufen-Steuermodell stieß bei der Union auf Widerstand.
Jetzt hat die FDP ihre Pläne geändert: Das abgespeckte Steuermodell sieht statt drei nun fünf Stufen vor. Nach dem Willen der FDP soll der Grundfreibetrag von 8004 Euro und der Eingangsteuersatz von 14 Prozent bis 12.500 Euro unverändert bleiben. Bis 35.000 Euro Jahreseinkommen soll der Steuersatz bei 25 Prozent liegen, zwischen 35.000 und 53.000 Euro bei 35 Prozent, bis 250.730 Euro bei 42 Prozent und darüber hinaus bei 45 Prozent. Damit bleibt auch der Spitzensteuersatz konstant. Mit der Forderung einer Umsetzung der Steuerreform spätestens 2012 solle erreicht werden, dass die Entlastung für die Bürger spätestens 2013, also noch in dieser Legislaturperiode, "kassenwirksam" werde, sagte Parteivize Andreas Pinkwart.
Ob die FDP-Ideen überhaupt Realität werden, bleibt abzuwarten. Neben einigen lobenden Stimmen aus der Union kamen am Dienstag auch warnende Worte vom Koalitionspartner: Höhe und Zeitplan der Steuerreform seien noch zu verhandeln. Die Finanzpolitiker der Unionsfraktionen in den Ländern warnten gar vor Steuersenkungen auf Pump. Auf dem Konsolidierungskurs seien Entlastungen, die durch Kredite finanziert werden, der falsche Weg, sagen sie.
Aber wie viel mehr Netto vom Brutto bliebe dem Bürger überhaupt noch nach dem neuen FDP-Modell? Und ist der Fünf-Stufen-Tarif wirklich einfacher und gerechter? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zum Abgabeplan der FDP.
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