Angst vor Radioaktivität: Südkorea verschärft Importverbot für Fisch aus Japan
Japans Fischindustrie bekommt die Folgen von Fukushima zu spüren: Südkorea weitet sein Importverbot für Produkte aus dem Nachbarland aus. Zuletzt war vermehrt hochradioaktives Wasser aus der AKW-Ruine ausgelaufen.
Seoul - Die Probleme am japanischen Havariemeiler Fukushima beunruhigen die südkoreanische Regierung. Aus Sorge über die radioaktive Verseuchung des Meeres hat Seoul seine Importbeschränkungen für Fische aus Japan ausgeweitet. Ab Montag dürften bis auf weiteres aus acht japanischen Präfekturen, darunter die des havarierten Atomkraftwerks Fukushima, keine solchen Produkte mehr eingeführt werden, teilte die Regierung am Freitag mit. Bislang war lediglich der Import von 50 bestimmten Produkten verboten. Südkorea importierte 2012 rund 5000 Tonnen Fischereiprodukte aus den betroffenen Präfekturen.
Ein Sprecher der südkoreanischen Regierung verwies auf das Auslaufen mehrerer hundert Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers aus der AKW-Ruine. Zugleich kritisierte er die japanische Informationspolitik. Sie sei unzureichend, um die Lage realistisch einschätzen zu können. Japan wies die Kritik zurück: Nur eine sehr kleine Region sei von der Kontaminierung betroffen. Südkorea solle nicht auf Basis von Vermutungen sondern von wissenschaftlichen Daten entscheiden.
In den vergangenen Wochen hat sich die Strahlung rund um kontaminierte Wassertanks in Fukushima deutlich erhöht. Am Mittwoch teilte die Atomaufsicht (NRA) mit, die Strahlung habe sich um mehr als 20 Prozent auf den neuen Höchstwert von 2200 Millisievert pro Stunde verstärkt. Erst am Samstag hatte die Strahlung 1800 Millisievert pro Stunde erreicht - eine Dosis, die einen ungeschützten Menschen innerhalb weniger Stunden tötet.
Scharfe Kritik an Tepco
Die Atomaufsicht übte am Donnerstag scharfe Kritik am AKW-Betreiber Tepco. Der Verantwortliche für Fukushima habe irreführende Daten veröffentlicht, die Ängste in Japan und auf der ganzen Welt schüren könnten. Tepco sei offensichtlich nicht in der Lage, die Situation angemessen einzuschätzen, sagte der NRA-Mann Shunichi Tanaka. Der Konzern müsse an die Kandare genommen werden: "Ich bin mittlerweile so weit, dass ich denke, wir müssen Tepco noch stärker an die Hand nehmen." Es sei bedauerlich, dass der Konzern Verwirrung und Sorgen in der internationalen Gemeinschaft geschürt habe.
Südkorea kündigte indes weitere Maßnahmen an, um die Bevölkerung vor den Folgen von Fukushima zu schützen. Die Regierung in Seoul teilte mit, man verschärfe die Tests von Fischimporten aus allen Regionen Japans.

2) Die Gebäude sind durch Explosionen jedoch so schwer beschädigt, so dass die gleiche Menge Wasser pro Tag aus dem Reaktorbereich in die unteren Stockwerke läuft. Zu allem Überfluss dringt von unten Grundwasser in die Reaktorgebäude ein und mischt sich mit dem kontaminierten Wasser von oben. Tepco pumpt alles wieder ab, um ein Auslaufen ins Meer oder zurück ins Grundwasser zu verhindern. Das abgepumpte Wasser - bis zu tausend Tonnen pro Tag - wird dann mit Ionenaustauschern gefiltert und entsalzen.
3) Ein Teil des gefilterten Wassers wird wieder zur Kühlung eingesetzt - aber trotzdem bleibt ein täglicher Überschuss von etwa 400 Tonnen. Dieses Wasser wird dann in schnell zusammengebaute Tanks gepumpt und gelagert (rot eingefärbt). Aus diesen Behältern ist in den vergangenen Wochen immer wieder kontaminiertes Wasser ausgetreten.
Die Wassertanks:
Etwa 1000 solche Behälter gibt es bereits auf dem Reaktorgelände, in ihnen lagern rund 335.000 Tonnen Wasser. Die eilig aufgestellte Behälter haben teils bereits Lecks - so bilden sich auf dem Kraftwerksgelände stark strahlende Pfützen.
Zustand der Reaktoren
In den Reaktoren 1 bis 3 ist es zu einer Kernschmelze gekommen. Das Abklingbecken von Reaktor 4 ist mit Brennstäben gefüllt.
Ein Eispanzer als Schutz
Ein unterirdischer Eisring um die Reaktoren 1 bis 4 soll das Probleme des kontaminierten Wassers lösen und das Areal endlich abdichten. Tepco plant eine sogenannte Bodenvereisung. Dabei werden Kühlrohre in den Boden unter den Reaktoren eingeführt und durch sie hindurch eine Kühlflüssigkeit geleitet. Die Kühlflüssigkeit, die in der Regel aus Salzwasser besteht und eine Temperatur von rund minus 35 Grad hat, kühlt den Boden in der Nähe des Rohres so weit herunter, bis das Grundwasser im Boden gefriert. Durch den so gebildeten Eisring kann Wasser innerhalb des Rings nun nicht mehr nach außen dringen, und auch von außen kann kein Grundwasser mehr einfließen.
cte/Reuters
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