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Furcht vor Schuldenkrise: Irland kämpft mit Rekord-Zinslast

Scheitert Irland an der Bankenrettung? Rating-Agenturen warnen vor hohen Kosten und einer Schuldenkrise - eine Abwertung irischer Staatsanleihen könnte die Folge sein. Hilfe durch die EU ist nicht in Sicht. Die Märkte reagierten prompt: Die Zinsen erreichten ein Rekordniveau.

Krisenbank Anglo Irish: Anleger misstrauen Rettungsbemühungen Zur Großansicht
AFP

Krisenbank Anglo Irish: Anleger misstrauen Rettungsbemühungen

Frankfurt am Main - Irlands Regierung kämpft mit den horrenden Kosten für die Rettung des heimischen Bankensystems - und immer weniger Anleger trauen ihr zu, die Probleme in den Griff zu bekommen.

Die Rating-Agentur Standard & Poor's warnte am Dienstag, falls Dublin mehr als die veranschlagten 35 Milliarden Euro in die marode Anglo Irish Bank pumpen müsse, drohe Irland eine weitere Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Die Agentur Fitch stellte ebenfalls fest, die derzeitige Bonitätsnote könne erneut in Gefahr geraten.

Für Irland ist die Lage brisant: Regierungschef Brian Cowen muss die Investoren davon überzeugen, dass er das Bankensystem stützen und gleichzeitig eines der höchsten Staatsdefizite in der Europäischen Union in den Griff bekommen kann. Die Zweifel daran haben jedoch jüngst stark zugenommen, weil die Konjunktur an Kraft verliert.

Trotz der Krise geht die EU davon aus, dass Irland seine Finanzprobleme ohne Hilfen aus dem EU-Rettungsschirm meistern wird. Eine Unterstützung durch den Schirm werde nicht in Erwägung gezogen, sagte der Sprecher der EU-Kommission, Amadeu Altafaj.

Die Kommission sei zuversichtlich, dass Irland die notwendigen Schritte gehen werde, um das Vertrauen der Finanzmärkte zu behalten. In Kreisen aus der Euro-Zone hieß es, Irland habe auch nicht versucht, auszuloten, ob es möglicherweise Hilfen aus dem Schirm bekommen könnte.

Zinsen auf Rekordkurs

An den Märkten lässt sich das Misstrauen dagegen an einer Maßzahl ablesen: Die Risikozuschläge für den Kauf irischer Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Die Rendite für zehnjährige irische Staatstitel stieg am Dienstag in der Spitze auf rund 6,76 Prozent und liegt gut 4,5 Prozentpunkte höher als bei deutschen Titeln.

Nicht nur Irland war betroffen. Auch die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Portugal lag mit rund 6,61 Prozent spürbar über dem Höchststand vom Frühjahr. Auch ist die hohe Verschuldung der Grund für die Turbulenzen. Noch stärker legten Staatspapiere mit zweijähriger Laufzeit zu: In Irland stieg der Effektivzins um rund 0,5 Prozentpunkte auf rund 4,15 Prozent, in Portugal um etwa 0,3 Punkte auf 4,21 Prozent.

Gerüchte, Irland müsse auf internationale Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen, verleihen den Risikozinsen zusätzlichen Schub, auch wenn die Gerüchte von allen Beteiligten zurückgewiesen wurden.

Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Märkte zu beruhigen. Wenn die Furcht der Anleger nicht abnimmt, droht eine Abwärtsspirale. Irland muss dann für seine Schulden immer höhere Zinsen bezahlen, weitere finanzielle Belastungen drohen, die Verschuldung steigt - und schließlich folgt die nächste Herabstufung.

Rating-Agenturen kündigen Überprüfung an

Doch das Misstrauen der Märkte sitzt tief. Erst am Montag hatte Moody's Zweifel daran geäußert, ob das Land für alle Verpflichtungen der Anglo Irish Bank einstehen kann. Moody's stufte deshalb die Schuldtitel des verstaatlichten Instituts deutlich herunter.

Die irische Regierung bekräftigte am Dienstag zwar ihren Beistand für das Institut. Die Zweifel an der Kreditwürdigkeit konnte sie jedoch nicht zerstreuen. "Ich kann nicht so tun, als ob das derzeitige Rating völlig sicher ist", sagte Fitch-Analyst Chris Pryce in einem Interview. "Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine Herabstufung unmittelbar bevorsteht oder unvermeidbar ist." Er forderte die Regierung aber auf, ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen, wenn sie wie erwartet in dieser Woche Details zur Rettung der Anglo Irish vorlegt.

Die Regierung in Dublin will spätestens Anfang Oktober mitteilen, wie sie die geplante Stilllegung der Anglo Irish organisieren und finanzieren will. Bereits die dafür bislang vorgesehenen 25 Milliarden Euro treiben Irlands Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf etwa 25 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Standard & Poor's schätzt, dass sich die Rechnung insgesamt auf 35 Milliarden Euro belaufen wird.

mik/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
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1. ohne worte
royal_rumble 28.09.2010
keine Sorge liebe Iren, der Deutsche Steuerzahler steht bereit, um euch aus selbst verschuldetet Not zu retten!
2. .
Arthi, 28.09.2010
Da gibt es ein paar Bürgschaften und schon ist der Drops gelutscht. ;)
3. Hmm...
Pacolito, 28.09.2010
Zitat von royal_rumblekeine Sorge liebe Iren, der Deutsche Steuerzahler steht bereit, um euch aus selbst verschuldetet Not zu retten!
Meinen Sie? Weltweit ist es doch mittlerweile so, dass der Mensch der Wirtschaft dient. Nicht umgekehrt, wie es sein sollte. In den USA werden die Leute massenweise aus ihren Häusern geschmissen, in Deutschland wandeln wir uns zum Billiglohn und Zeitarbeits-Eldorado, in Irland wird eben nur noch für Zinsen gearbeitet. Etc. Aber schön, wenn dann "der" Deutsche auf den "den" Iren zeigt, anstatt einmal unser aller Wirtschaftssystem zu hinterfragen.
4. ...
Mindbender 28.09.2010
Zitat von sysopScheitert Irland an der Bankenrettung? Rating-Agenturen warnen vor hohen Kosten und einer Schuldenkrise - ein Abwertung irischer Staatsanleihen könnte die Folge sein. Die Märkte reagierten prompt: Die Zinsen erreichten ein Rekordniveau. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,720103,00.html
Am besten sollen diese "Rating-Agenturen" einfach mal die Klappe halten. Ohne diese klappts sicher sehr viel besser in unserer Welt.
5. Auweia
natprod 28.09.2010
Ja, da bin ich ja nochmal gerade rechtzeitig wech. Ich hatte dass schon lange geahnt. Aber diese Rating Agenturen sollten wirklich abgeschafft werden. So kann man jeden Staat in den Abgrund reissen.
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Eckdaten der neuen Bankenregeln
Bankenabgabe
Alle deutschen Kreditinstitute sollen eine Zwangsgebühr in einen Krisenfonds einzahlen. Die Rede ist von insgesamt 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Wie viel eine Bank zahlen muss, soll sich am systemischen Risiko - der Bedeutung der Bank für Branche und Volkswirtschaft - orientieren. Berücksichtigt werden soll neben dem Umfang der Verpflichtungen die Vernetzung eines Instituts am Finanzmarkt. Gegebenenfalls sollen weitere Indikatoren herangezogen werden. Der geplante Stabilitätsfonds soll als Sondervermögen des Bundes außerhalb des Haushalts errichtet und von der bestehenden Finanzmarktstabilisierungsanstalt verwaltet werden. Diese ist schon für den Bankenrettungsfonds Soffin zuständig.
Restrukturierung/Zerschlagung
Hier geht es um den künftigen Umgang mit Großbanken in Schieflage. Die Aufsicht soll noch vor einer Insolvenz eingreifen können und eine Bank zur Restrukturierung - notfalls - auch zerschlagen können. "Systemrelevante" Teile einer Bank sollen auf einen privaten Dritten oder auf eine staatliche "Brückenbank" übertragen werden können. Sie sollen fortgeführt werden, die restlichen Teile könnten liquidiert werden.
Reorganisation
Eine Großbank soll bei drohender Pleite mit einem neuen "Reorganisationsverfahren" rasch saniert werden können. Dies lehnt sich am Insolvenzplanverfahren an. Aktionäre sollen aber einbezogen werden: Sie sollen eine Sanierung nicht vereiteln können.
Verjährung
Bankmanager werden stärker in die Pflicht genommen. Die Frist zur Haftung bei Pflichtverletzungen der Geschäftsführung soll bei börsennotierten Instituten von fünf auf zehn Jahre verdoppelt werden. Schadensersatzansprüche gegen Manager sollen auch dann möglich sein, wenn Verfehlungen erst spät bekannt werden oder die personelle Zusammensetzung von Vorständen und Aufsichtsräten sich geändert hat.

Europas Banken im Stresstest
Belgien (2)
Dexia, KBC
Dänemark (3)
Danske Bank, Jyske Bank, Sydbank
Deutschland (14)
BayernLB, Commerzbank, Dekabank, Deutsche Bank, DZ Bank, Helaba, HSH Nordbank, Hypo Real Estate, Landesbank Berlin, LBBW, NordLB, Postbank, WestLB, WGZ Bank
Finnland (1)
OP Pohjola
Frankreich (4)
Banque Populaire Caisses d'Epargne, BNP Paribas, Crédit Agricole, Société Générale
Griechenland (6)
Alphabank, ATEbank, EFG Eurobank, National Bank of Greece, Piraeus Bank, TT Hellenic Postbank
Großbritannien (4)
Barclays, HSBC, Lloyds, Royal Bank of Scotland
Irland (2)
Allied Irish, Bank of Ireland
Italien (5)
Banco Popolare, Intesa Sanpaolo, Monte dei Paschi di Siena, UBI Banca, Unicredit
Luxemburg (2)
Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat, Banque Raiffeisen
Malta (1)
Bank of Valletta
Niederlande (4)
ABN/Fortis Nederland, ING, Rabobank, SNS
Österreich (2)
Erste Bank, Raiffeisen Zentralbank
Polen (1)
PKO Bank Polski
Portugal (4)
Banco Comercial Português, BPI, Caixa Geral de Depósitos, Espírito Santo
Schweden (4)
Handelsbanken, Nordea, SEB, Swedbank
Slowenien (1)
Nova Ljubljanska Banka
Spanien (27)
Banca Civica, Banca March, Banco Guipuzcoano, Banco Pastor, Banco Popular, Banco de Sabadell, Bankinter, BBVA, Bilbao Bizkaia Kutxa, Breogan (2 Sparkassen), CAI (3 Sparkassen), Caixa (2 Sparkassen), Caja de Ahorros de Cordoba, Caja de Ahorros de Gipuzkoa y San Sebastian, Caja de Ahorros de Ontinyent, Caja de Ahorros de Vitoria y Alava, Caja de Ahorros de Zaragoza Aragon y Rioja, Caja Sol (2 Sparkassen), CAM (4 Sparkassen), Colonya, Diada (3 Sparkassen), Espiga (2 Sparkassen), Jupiter (7 Sparkassen), Mare Nostrum (4 Sparkassen), Santander, Unicaja, Unnim (3 Sparkassen)
Ungarn (2)
FHB Jelzálogbank, OTP
Zypern (2)
Bank of Cyprus, Marfin


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