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Gastarbeiter in Katar: Die Wahrheit liegt neben dem Platz

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Mögliche Korruption bei der WM-Vergabe, tote Arbeiter auf den Baustellen: Katar kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Dabei hat die miserable Lage der Gastarbeiter wenig mit der Fußball-WM zu tun. Auch deutsche Firmen profitieren von der Ausbeutung.

Gastarbeiter auf einer Baustelle in Doha: Geltende Gesetze werden schlicht ignoriert Zur Großansicht
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Gastarbeiter auf einer Baustelle in Doha: Geltende Gesetze werden schlicht ignoriert

In acht Jahren soll in Katar der Ball rollen. Doch dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 tatsächlich in dem Golfemirat ausgetragen wird, ist ungewisser denn je. Der britische "Telegraph" hatte Mitte März neue Korruptionsvorwürfe gegen das Herrscherhaus in Doha erhoben. Der Zeitung liegen nach eigenen Angaben Dokumente vor, die belegen, dass ein Unternehmen aus Katar Millionengelder an Jack Warner und seine Familie überwiesen hat. Warner gehörte als damaliger Fifa-Vizepräsident zu den 22 Personen, die im Dezember 2010 die Weltmeisterschaft an Katar vergaben.

Die "Telegraph"-Enthüllungen reihen sich ein die lange Kette negativer Schlagzeilen aus Katar. In den vergangenen Monaten waren es vor allem die verheerenden Arbeitsbedingungen in Katar, die für Aufsehen sorgten. Dutzende Bauarbeiter aus Nepal, Indien oder Bangladesch seien auf den WM-Baustellen ums Leben gekommen, kritisierten Amnesty International und Human Rights Watch. Zehntausende andere schufteten unter menschenunwürdigen Bedingungen - ohne Papiere, abhängig allein von der Gunst eines einheimischen Bürgen, der allein darüber bestimmt, wie lange der Arbeiter im Land bleibt.

Die Reporterin Kristina Milz hat für die Zeitschrift "zenith" als eine der wenigen ausländischen Journalisten die Baustellen und Arbeiterunterkünfte in Katar besucht und mit Betroffenen gesprochen. Ihr Fazit nach mehrwöchiger Recherche vor Ort: "Die Kritik an den Zuständen in Katar ist oberflächlich und geht am Kern des Problems vorbei."

Geltende Gesetze werden ignoriert

Die Polemik gegen die reichen Scheichs vom Golf, die andere für sich schuften lassen, um selbst anstrengungslosen Wohlstand zu genießen, lässt nämlich außer Acht: Auch deutsche Unternehmen verdienen an der Ausbeutung mit. 200 Milliarden US-Dollar will Katars junger Emir Tamim Bin Hamad in den kommenden Jahren investieren. Deutsche Firmen wie Hochtief, Bilfinger Berger und Siemens sind etwa am Bau der Planstadt Lusail und der Errichtung moderner Stadtviertel in Doha beteiligt. Hinzu kommen ein neuer Flughafen und ein modernes Schienennetz.

Die Unternehmen verweisen gegenüber SPIEGEL ONLINE in fast wortgleichen Erklärungen darauf, dass sie eng mit den Behörden, Menschenrechtsorganisationen und der Internationalen Arbeitsorganisation zusammenarbeiteten, um die Situation der Arbeitnehmer zu prüfen und zu verbessern.

All diese Projekte würden auch gebaut, wenn die Fifa Katar die WM wieder wegnehmen sollte. Denn die WM-Baustellen, von denen so oft die Rede ist, existieren noch gar nicht. Für die zwölf Stadien, in denen die Spiele in acht Jahren ausgetragen werden sollen, wurde noch kein einziger Spatenstich getan.

Der Generalsekretär des Organisationskomitees, Hassan al-Thawadi, schwärmt von neuen Richtlinien für Arbeiter, die er mit internationalen Menschenrechtsorganisationen ausgehandelt habe. Nur: Bislang hat noch niemand diese Richtlinien gesehen. Angeblich sollen sie in den kommenden Monaten veröffentlicht werden.

Das katarische Organisationskomitee widerspricht dieser Darstellung, schickt eine 50 Seiten umfassende Version aus dem Januar an SPIEGEL ONLINE und teilt mit, diese sei am 11. Februar veröffentlicht worden und seitdem Bestandteil aller Verträge.

Doch diese Maßnahme scheint ohnehin kaum mehr als bloße Kosmetik zu sein: "Von den geplanten 200 Milliarden Dollar an Investitionen wird für die WM nur ein Bruchteil ausgegeben", kritisiert Milz. "Den meisten Gastarbeitern wäre mit den neuen Richtlinien daher eh nicht geholfen."

Schon jetzt werden die geltenden Gesetze, die Katars Gastarbeiter schützen sollen, oft schlicht ignoriert. In einer Verordnung des Ministeriums für Wohnungswesen aus dem Jahr 2005 ist etwa eindeutig geregelt, dass jedem Arbeiter in seiner Unterkunft mindestens vier Quadratmeter Platz zur individuellen Entfaltung zustehen. Außerdem steht eigentlich jedem Arbeiter ein Einzelbett zu. Die Realität, die Milz in Arbeiterunterkünften zu sehen bekam, sah ganz anders aus: Sechs Männer teilten sich ein Zimmer, das nur für vier Personen ausgelegt war. Entgegen der Vorschrift mussten die Arbeiter in engen Doppelstockbetten schlafen. "Der Raum war so eng, dass sich die Männer kaum um ihre eigene Achse drehen konnten", sagt Milz.

"Wo waren die Argumente vor einigen Jahren?"

Boris van Thiel, als Chef des Deutschen Wirtschaftskreises Katar der oberste Netzwerker der im Land tätigen deutschen Unternehmen, kann die Schelte nur zum Teil nachvollziehen. "Ich finde es unfair, die Arbeitsbedingungen mit denen in Deutschland zu vergleichen", sagte van Thiel der "zenith". "Ich frage mich schon, warum dieses Thema gerade jetzt so präsent wird - wo waren die Argumente vor einigen Jahren?"

Tatsächlich sind die schlechten Bedingungen, unter denen Südasiaten in den Golfstaaten schuften müssen, kein neues Phänomen. Die Glitzerfassaden der Skylines von Doha oder von Abu Dhabi und Dubai in den benachbarten Vereinigten Arabischen Emiraten sind schließlich ihr Werk.

Seitdem die WM 2022 auf die Arabische Halbinsel vergeben wurde, schaut die Welt genauer hin. Kristina Milz sieht nach ihren Recherchen darin immerhin eine kleine Chance für die Gastarbeiter auf Besserung ihrer Lage. Die Journalistin sagt: "Vielleicht ist die Entscheidung der Fifa das Beste, was den Arbeitsmigranten in Katar passieren konnte."

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "zenith".

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insgesamt 27 Beiträge
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1. optional
hansiii 19.04.2014
Bestechung?! Wer hätte DAS denn gedacht? Ich war bisher immer der Meinung Quatar hätte die WM einzig und allein wegen seiner langen Fussballtradition, seiner etlichen weltbekannten erstklassigen Vereine und ganz besonder seiner beigeisterten Fangemeinschaft und Fankultur zu verdanken!!
2. Herr Blatter....
kobmicha 19.04.2014
..ist ein Ehrenmann. Wer spricht da von Bestechung.
3. Was denn nun?
berteb 19.04.2014
"Gastarbeiter in Katar: Erneut Dutzende Tote auf WM-Baustellen" SPON, 25.01.2014 Also: Entweder gibt es die Baustellen, dann gibt es auch die Toten. Oder es gibt keine Baustellen, dann gibt es auch keine Toten!!!! Welchem Bericht soll ich Glauben schenken? Ich bin verwirrt.
4. WM Baustellen und Baustellen allgemein
der_da1234 19.04.2014
Zitat von berteb"Gastarbeiter in Katar: Erneut Dutzende Tote auf WM-Baustellen" SPON, 25.01.2014 Also: Entweder gibt es die Baustellen, dann gibt es auch die Toten. Oder es gibt keine Baustellen, dann gibt es auch keine Toten!!!! Welchem Bericht soll ich Glauben schenken? Ich bin verwirrt.
Es gibt zwar noch keine "WM-Baustellen" (laut dem Bericht) jedoch wird die Infrastruktur immer weiter ausgebaut und dies auch für die WM-Stadien. Außerdem ist es allgemein so, dass es in Katar keine oder nur sehr wenige Rechte für Bauarbeiter gibt.
5. Seltsam...
BettyB. 19.04.2014
Da gab, gibt es und wird es Ausbeutung und Rassismus geben Warum sollte sich das geändert haben? Man hätte es aber wissen können und sollte nicht verlogen so überrascht tun...
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Bevölkerung: 1,759 Mio. Einwohner

Fläche: 11.493 km²

Hauptstadt: Doha

Staatsoberhaupt:
Tamim Bin Hamad Al Thani

Regierungschef: Abdullah Bin Nassir Bin Chalifa Al Thani

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