G-20-Finanzministertreffen Sarkozy schmiedet Fünf-Punkte-Plan zur Weltrettung

Frankreich wird zum Nabel der Weltwirtschaft: Beim G-20-Finanzministertreffen in Paris legt die Regierung Sarkozy einen Reformplan vor, der das weltweite Geldsystem revolutionieren könnte. Die fünf wichtigsten Punkte im Überblick.

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Paris/Hamburg - Das Jahr der Superlative geht für Frankreich nun richtig los. Zwei Dutzend Finanz- und Wirtschaftsminister, dazu Zentralbanker, Berater und mehr als 650 Journalisten werden an diesem Freitag in Paris erwartet. Es ist der Auftakt für das G-8- und G-20-Jahr unter französischem Vorsitz. Und Präsident Nicolas Sarkozy hat sich nicht weniger vorgenommen, als während der kommenden Monate die größten Probleme der Weltwirtschaft mit einem politischen Kraftakt zu beheben.

Das Ziel: mit Hilfe der zwanzig reichsten Staaten der Welt die Unwägbarkeiten von Währungsschwankungen, Rohstoffpreisen und Strukturunterschieden in den Griff zu bekommen. Eine Herausforderung, die Sarkozy mit gemessenen Worten beschreibt: "Schon zu sagen, dass wir über ein Weltwährungssystem sprechen, ist ein schwerer Fehler", sagt der Staatsmann, der angesichts der Instabilitäten ein "monetäres Nicht-System" beklagt.

Fünf Baustellen gleichzeitig hat sich Sarkozy vorgenommen, ganz offensichtlich auch, um von seiner innenpolitischen Schwäche abzulenken. Die französische Doppelpräsidentschaft kommt ihm mehr als gelegen, um seinen Status als zupackender Stardiplomat aufzufrischen.

Nach seinen Vorstellungen sollen sich die 20 geladenen Staaten, die rund 85 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts vereinen, per Beratungsmarathon bis zum G-20-Gipfel in Cannes Anfang November auf eine gemeinsame Strategie verständigen, die einen neuen Crash auf Dauer verhindert.

Dabei hat die Regierung Sarkozy fünf Punkte als besonders wichtig festgelegt:

  • Wirtschaftliche Ungleichgewichte identifizieren und beseitigen,
  • die Reform des internationalen Finanzsystems,
  • eine solide Regulierung der Finanzmärkte,
  • die Stabilisierung der Rohstoffpreise
  • und Investitionen in Entwicklungsländern beim Kampf gegen den Klimawandel.

China spart und exportiert, Europa konsumiert

Das seien hochfliegende Ziele, räumt Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde ein. Aber sie seien nötig. "Wir haben immer noch große Diskrepanzen zwischen den Staaten, auch wenn sich die Lage seit der Krise etwas verbessert hat: China spart und exportiert, Europa konsumiert und die USA konsumieren und leben auf Pump. Das kann so nicht weitergehen."

Bei ihren weitreichenden Plänen, das wissen auch Lagarde und Sarkozy, müssen sie aber mit großen Widerständen rechnen - vor allem aus Deutschland. "Es wäre schon ein großer Schritt nach vorne, wenn wir uns prinzipiell auf die Elemente einigen könnten, mit denen sich die Ungleichgewichte messen lassen", sagte die Finanzministerin am Donnerstag.

Wo sind die größten Knackpunkte? Wo gibt es die meisten Übereinstimmungen? Ein Überblick über die wichtigsten Themen.



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insgesamt 38 Beiträge
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FMK 18.02.2011
1. Grundregeln der Demokratie
Eine der Grundregeln der Demokratie ist, dass sich nicht zuviel Macht in zu wenigen Händen bündeln darf. Oder gar ein starker Mann, der die Welt rettet. Warum? Muss man das erklären? Muss man noch mehr zu diesem Plan sagen? Ein wenig mehr Bescheidenheit stünde den Protagonisten der Weltenrettung gut zu Gesichte.
armagnac 18.02.2011
2. Völlig unzureichend
Sarkozys Vorschläge gehen - wie alle anderen diskutierten Massnahmen - am Kern des Problems vorbei: der zunehmenden Akkumulation von Vermögen (denen eine ebenso starke Konzentration von Schulden entgegensteht). Alleinige Ursache dafür ist die Wirkung von Zinsen und Zinseszinsen auf Kapitalvermögen. Solange diese "Belohnung" für das Horten von Geld belohnt wird anstatt, wie es besser wäre, moderat entwertet zu werden, wird sich an den Mißständen nichts ändern. Die Massnahmen, die Sarkozy fordert, könnten bestenfalls auf horizontaler Ebene - also im Verhältnis der Staaten zueinander - eine positive Wirkung haben, nicht jedoch auf vertikaler Ebene, also bezüglich den immer weiter auseinander driftenden Vermögens- und Einkommensverhältnissen. Ohne eine Umstellung des Geldwesens auf ein System der "Liegegebühr" (man googele unter dem Stichwort "Freiwirtschaft") wird sich am Grundproblem nichts ändern.
Clawog 18.02.2011
3. G20
Bald werden einige westliche Großmächte in dieser Gruppe fehlen. Die ersten werden die europäische Länder sein, die damit beschäftigt sind, "mehr Gerechtigkeit" zu schaffen und den Wohlstand zu subventionieren. Der wirtschaftliche Schwerpunkt verlagert sich schneller, als die EU Größen das wahrnehmen können.
hartenstein123 18.02.2011
4. Tolle Sache
Die Punkte sind gut durchdacht, werden aber nicht realisierbar sein. Die Wirtschafts- und Finanzelite (Mafia) wird das wohl kaum wollen, es sei den wenn die Revolution der arabischen Länder uns infiziert und dadurch diese Mespucke beseitigt wird.
Shlumpf! 18.02.2011
5. Das..
Zitat von armagnacSarkozys Vorschläge gehen - wie alle anderen diskutierten Massnahmen - am Kern des Problems vorbei: der zunehmenden Akkumulation von Vermögen (denen eine ebenso starke Konzentration von Schulden entgegensteht). Alleinige Ursache dafür ist die Wirkung von Zinsen und Zinseszinsen auf Kapitalvermögen. Solange diese "Belohnung" für das Horten von Geld belohnt wird anstatt, wie es besser wäre, moderat entwertet zu werden, wird sich an den Mißständen nichts ändern. Die Massnahmen, die Sarkozy fordert, könnten bestenfalls auf horizontaler Ebene - also im Verhältnis der Staaten zueinander - eine positive Wirkung haben, nicht jedoch auf vertikaler Ebene, also bezüglich den immer weiter auseinander driftenden Vermögens- und Einkommensverhältnissen. Ohne eine Umstellung des Geldwesens auf ein System der "Liegegebühr" (man googele unter dem Stichwort "Freiwirtschaft") wird sich am Grundproblem nichts ändern.
...was Sie da vortragen, ist eine bekannte Theorie, ja. Es gibt aber auch die Gegenseite, die die Meinung vertritt, dass gerade durch Zinsen das Geld wieder seinen Weg in den Kreislauf zurückfindet. Die Erklärung ist recht einfach: die Zinsen motivieren, das Geld irgendwo anzulegen, sei es in Aktien, Obligationen oder ganz klassisch auf einem Sparkonto. In jedem der Fälle "arbeitet" das Geld, es wird anderen zur Verfügung gestellt. Ohne Zinsen und Entlohnung hätte man Interesse, Geld im wahrsten Sinne des Wortes zu horten.
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