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14. Oktober 2011, 08:17 Uhr

G-20-Treffen

Japan drängt Europäer zu Bankenhilfe

Der Druck auf die europäischen Regierungen, ihre angeschlagenen Banken zu stützen, wird immer größer: Beim Treffen der G-20-Finanzminister in Paris will Japan die Europäer ermahnen, ihre Krise endlich in den Griff zu kriegen - dabei hat das Land selbst die höchste Verschuldung von allen.

Tokio - Japan erhöht den Druck auf Europa, der wackelnden Finanzbranche zu helfen. Beim Treffen der G-20-Finanzminister und -Notenbankchefs werde er die Europäer zu großangelegten Hilfsprogrammen drängen, sagte Finanzminister Jun Azumi am Freitag.

Auch der europäische Rettungsschirm EFSF solle sich an den Hilfen beteiligen. Japan werde seine bittere Erfahrung mit einer zu zögerlichen Eindämmung der eigenen Bankenkrise in den Neunziger Jahren bei den G20 zur Sprache bringen. Japan habe damals die Folgen fauler Kredite unterschätzt und zu zaghaft gehandelt, sagte Azumi.

Seine Bankenprobleme hat Japan mittlerweile zwar in den Griff bekommen, dafür plagt das Land aber eine extrem hohe Staatsverschuldung. Mit Verbindlichkeiten in Höhe von rund 200 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts steht Japan an der Spitze des weltweiten Schuldenrankings.

In Paris kommen an diesem Freitag die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) zusammen. Abseits der offiziellen Agenda dürften die Krise Griechenlands und die überbordenden Staatsschulden auch anderer Euro-Länder die Gespräche prägen.

Streit um die Kompetenzen des Rettungsschirms

Die Euro-Staaten wollen auf einem Gipfeltreffen am 23. Oktober einen erneuten Anlauf zur Lösung der Krise versuchen. Dabei soll es auch darum gehen, wie die Banken mit zusätzlichem Kapital versorgt werden können. Umstritten ist noch, ob dazu Gelder aus dem Rettungsfonds EFSF verwendet werden sollen, oder ob Bankaktionäre und Nationalstaaten die Institute selbst mit frischem Geld versorgen sollen.

Laut "Handelsblatt" streiten Deutschland und Frankreich zudem weiter über die sonstigen Kompetenzen des EFSF. Frankreich wolle dem Fonds beim Ankauf von Staatsanleihen freie Hand lassen. Dagegen verlange die Bundesregierung, den Ankauf zu begrenzen und an Bedingungen zu knüpfen. Dahinter stehe die Frage, ob und wie der Fonds große Euro-Staaten sichern könne, wenn sie an den Finanzmärkten unter Druck gerieten.

Zudem gibt es laut "Handelsblatt" heftige Diskussionen darüber, ob zur dauerhaften Lösung der Krise der EU-Vertrag von Lissabon für alle 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder nur für die 17 Euro-Staaten geändert werden solle. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy wolle "einen Vertrag nur für die Euro-Zone", sagte ein EU-Diplomat nach Angaben der Zeitung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) befürchte aber, damit wichtige Partner außerhalb der Währungsunion wie etwa Polen auszugrenzen, und strebe eine Vertragsänderung für alle 27 EU-Staaten an.

stk/Reuters/AFP

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