Bericht zum G20-Gipfel Großkonzerne überdenken ihre Steuertricks

Mit dem Verschieben von Gewinnen minimierten Konzerne wie Apple oder Starbucks lange ihre Steuerlast. Ein Projekt unter G20-Führung soll damit Schluss machen. Laut einem Bericht zum Gipfel reagieren die Unternehmen bereits.

Steuerfahnder in Leipzig
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Steuerfahnder in Leipzig

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Das verstärkte Vorgehen gegen Steuertricks von international tätigen Konzernen zeigt erste Wirkungen: Zu diesem Schluss kommt ein Fortschrittsbericht der Industrieländerorganisation OECD zum G20-Gipfel. Er untersucht das sogenannte BEPS-Projekt ("Base Erosion and Profit Shifting", das Gewinnverlagerungen von Großkonzernen verhindern soll. Durch das geschickte Verteilen ihrer Gewinne auf verschiedene Länder hatten Unternehmen wie Apple, Amazon oder Starbucks lange ihre Steuerlast minimiert.

Nun scheint sich den Autoren zufolge "das Verhalten multinationaler Konzerne bei der Gewinnverlagerung zu verändern und wird sich durch BEPS weiter ändern". Dabei hat die Umsetzung von BEPS gerade erst begonnen, Anfang Juni wurde das Abkommen von zunächst gut 60 Ländern in Paris unterzeichnet. Deshalb räumen die Autoren auch einen Mangel an validen Daten ein und berufen sich stattdessen auf "anekdotische Evidenz" - sprich: Hörensagen. Sie zitieren jedoch zusätzlich mehrere Umfragen, die ebenfalls für eine Verhaltensveränderung sprechen.

So sagten kürzlich bei einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte 55 Prozent der Leiter von Steuerabteilungen aus, ihr Unternehmen habe wegen BEPS seine Planungen für grenzüberschreitende Transaktionen geändert. Bei einer ähnlichen Umfrage in Asien gaben drei Viertel der Befragten an, sie würden selbst formal legale Steuerstrategien nicht mehr anwenden, wenn diese als zu aggressiv wahrgenommen werden könnten. Dieselbe Aussage hatten drei Jahre zuvor noch lediglich 40 Prozent bejaht.

Zwei Drittel aller Steuerexperten in Unternehmen haben laut einer Umfrage von Thomson Reuters zudem proaktiv auf die BEPS-Empfehlungen reagiert. Auf die Umsetzung durch einzelne Länder will dagegen nur etwa jeder Fünfte warten. Wie gut diese Umsetzung im Einzelnen gelingt, sollen in den kommenden Jahren nun Untersuchungen aller beteiligten Länder klären.

Die OECD hat in den vergangenen Jahren im Kampf gegen Steuerflucht eine führende Rolle eingenommen, die auch Kritiker anerkennen. Allerdings ist die Organisation im Vorfeld des G20-Gipfel auch erkennbar um positive Botschaften bemüht. So veröffentlichte sie in der vergangenen Woche eine schwarze Liste zu Steueroasen, auf der sich lediglich der Karibikstaat Trinidad und Tobago fand. In einem neuen Bericht an die G20-Führer lobt OECD-Generalsekretär Angel Gurría zudem die "Erfolgsgeschichte", die man gemeinsam mit den G20 im Kampf gegen Steuerflucht geschrieben habe.



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hnf0506 05.07.2017
1. Lächerlich!
Mehr ist dazu nicht zu sagen! Ohne ein internationales Übereinkommen bezüglich Steueruntergrenzen wird das nichts. In der EU anfangen und Staaten wie Luxemburg, Irland, Niederlande, UK ... von Zuwendungen der EU ausschließen.
Kaiserstuhlwinzer 05.07.2017
2. Ganz einfach: Besteuerungsgrundlage ändern!
Nämlich nicht mehr den - wie auch immer manipulierten "Gewinn" besteuern, sondern - zusätzlich zur Mehrwertsteuer - einfach eine Körperschaftsteuer auf den UMSATZ erheben. Und schon ist der ganzen Gewinnverschiebung der Garaus gemacht. Aber stattdessen wird dem Bürger fleißig weiter Sand in die Augen gestreut, während die "Wirtschaftsprüfer" fleißig neue Steuersparmodelle eruieren - in Wirklichkeit könnte man, wenn man wollte; aber man will ja garnicht, siehe cum/ex-Geschäfte!
AlBundee 05.07.2017
3. Big Bucks from Starbucks
Wieso schmückt sich der G20 jetzt mit OECD-Arbeit? Ausserdem Zitat Artikel: "sie würden selbst formal legale Steuerstrategien nicht mehr anwenden, wenn diese als zu aggressiv wahrgenommen werden". Problem 1) Dank Lobbyistenarbeit ist "formal legal" für Multis praktisch alles. Und selbst wenn nicht, wird bei Ertappen das Recht angepasst (letztes Beispiel: VW). Hier muss deutsches Steuerrecht endlich wasserdicht gemacht werden. Gewinne müssen dort versteuert werden wo der Umsatz erzielt wird und nach dort geltendem Recht. Punkt. Damit diese unsägliche Benachteiligung deutscher Kleinunternehmer mal ein Ende hat. Problem 2) Der Knackpunkt ist das "wahrgenommen werden". Will sagen: "unsere Anwälte und Finanzakrobaten werden weiter bis an die Grenze des Machbaren bescheissen und sich künftig seltener ertappen lassen". Umsatzsteuer muss permanent erklärt und abgeführt werden. Es sollte also heute technisch ein Leichtes sein, den Umsatz in Deutschland jedes Unternehmens für jedes beliebige Geschäftsjahr zu kennen und zu beurteilen, ob die geltend gemachten Kosten branchen- und zeitgemäss sind, oder man sich arm rechnet. Die ganzen schönen Big Data Spielzeuge kann man ja auch mal für was anderes als Bürgerbespitzelung einsetzen.
imri.rapaport 05.07.2017
4. Steueroasen?
Wie war das nochmals mit dem Wolf im Schafspelz...? Wenn man sich Ein Schlupfloch sucht ist die erste Regel: Inseln, dabei spielt deren Größe keine maßgebliche Rolle, danach kommen Kleinste Staaten, dann kommt.. eh, sorry ist mir vor lauter Löcher entgangen. Macht nichts, dafür gibt es ein Katalog; z.B. Google oder Wikipedia, oder, ist auch egal. Viel Glück.
eugler 05.07.2017
5. sie reagieren
Die Konzerne reagieren - mit Imagekampagnen und Alibisteuerzahlungen. Wer in einem Staa Geld verdienen will, hat sich auch an dessen Finanzierung zu beteiligen. Alles andere ist Straßenraub und muss politisch und strafrechtlich bekämpft werden.
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