Treffen in Sydney G20-Länder peilen Billionen-Wachstum an

Der Eklat blieb aus: Statt über die US-Geldpolitik zu streiten, haben sich die führenden Industrie- und Schwellenländer auf ein ehrgeiziges Wachstumsprogramm in Billionenhöhe geeinigt. Allzu ernst nimmt Finanzminister Wolfgang Schäuble das Ziel aber nicht.

Zufrieden: Gastgeber Hockey setzte das konkrete Wachstumsziel durch
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Zufrieden: Gastgeber Hockey setzte das konkrete Wachstumsziel durch


Sydney - Bei ihrem Gipfeltreffen in Australien haben sich die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Länder auf ambitionierte Wachstumsziele geeinigt. Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) streben über die nächsten fünf Jahre insgesamt zwei Prozent zusätzliches Wachstum an - das entspreche mehr als zwei Billionen Dollar. "Damit entstehende Dutzende Millionen neue Arbeitsplätze", sagte der australische Finanzminister Joe Hockey voraus.

Aus Sicht der Gastgeber ist der Ausgang des Treffens ein Erfolg. Zum einen setzte sich Hockey damit durch, in der Abschlusserklärung konkrete Wachstumsziele zu benennen. Vor allem Deutschland hatte diese vorab skeptisch beurteilt.

Zum anderen blieb ein befürchteter Eklat mit Schwellenländern wie Indien und Brasilien aus. Diese hatten vorab die Straffung der US-Geldpolitik für Turbulenzen an ihren Finanzmärkten verantwortlich gemacht. Doch die neue Chefin der US-Zentralbank, Janet Yellen, konnte die Schwellenländer-Vertreter beschwichtigen. Sie trugen die Abschlusserklärung mit, in der es heißt, von der Normalisierung der Geldpolitik in den Industrieländern profitiere die ganze Weltwirtschaft.

In der Abschlusserklärung hieß es aber auch: In vielen Industrieländern sei die Politik des billigen Geldes weiter nötig, müsse aber langfristig zurückgefahren werden. Davon profitierten langfristig alle Länder.

Um ihre Konjunktur anzukurbeln, wollen die G20-Länder den Wettbewerb fördern, der Handel weiter liberalisieren und das Investitionsklima verbessern. Die Details der geplanten Wachstumsprogramme sollen aber erst beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im November in Brisbane besprochen werden.

Im Gespräch war vorab sogar ein höheres Ziel von 2,5 Prozent gewesen. Deutschland äußerte jedoch Bedenken gegen die Festsetzung eines konkreten Zielwertes. Das Einlenken begründete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nun damit, diese Zahl diene lediglich als Orientierungsgröße: "Wir haben uns nicht verpflichtet, einen Wachstumsprozentsatz zu liefern", so der CDU-Politiker. Für Deutschland gebe es derzeit ohnehin keinen zusätzlichen Handlungsbedarf. "Wir haben die Absicht, unsere erfolgreiche Politik kontinuierlich fortzusetzen."

Bundesbankpräsident Jens Weidmann verwies auf die hohe Wettbewerbsfähigkeit und die geringe Arbeitslosigkeit in Deutschland als Lichtblick für Europa. "Die gute konjunkturelle Lage ist ein gewisser Schutz davor, dass die Eurozone in einer deflationären Entwicklung mündet", sagte Weidmann. Es betrachte die Risiken einer solchen Entwicklung aber als "sehr gering".

Laut Schäuble bleiben zudem zwei Themen ganz oben auf der G20-Tagesordnung: die Finanzmarktregulierung und der Kampf gegen Steuerhinterziehung und legale Steuertricks, mit denen multinationale Konzerne ihre Steuerlast reduzieren. Daneben müsse der Spielraum für Steuervermeidung so minimiert werden, dass jede wirtschaftliche Aktivität, dort, wo Gewinne anfallen, auch fair besteuert werde.

China machte auf dem Treffen deutlich, dass sieht sich nicht mehr als Hauptverantwortlicher für das globale Wachstum sieht. Zuwachsraten wie in den Jahren 2009 und 2010, als China 50 Prozent zum Wachstum der Weltwirtschaft beigetragen habe, seien nicht nachhaltig, sagte Finanzminister Lou Jiwei. Die von der Fed eingeleitete Straffung der Geldpolitik begrüßte Lou. Dies sei auch gut für sein Land, denn dies zeige, dass sich die weltgrößte Volkswirtschaft erhole.

dab/Reuters/dpa



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insgesamt 9 Beiträge
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vitalik 23.02.2014
1. Sinn
Was ist der Sinn so einer Veranstaltung? Man erzählt irgendwas, schreibt irgendwelche Zahlen und Wünsche auf und dann? Eingehalten wird sowieso nichts und man ist nicht einmal verpflichtet irgendetwas einzuhalten. Am Ende bleiben nur die Kosten für diese Konferenz, die natürlich von den Steuerzahlern getragen werden müssen. Ob die Teilnehmer sich selbst ernst nehmen oder es ihnen bewusst ist, dass das Ganze nur Spaß ist?
redbayer 23.02.2014
2. Ja, die deutsche EU und die Amerikaner lehnen sich
genüsslich zurück. sie können momentan eh nicht mehr machen, als Geld drucken - siehe Defizit Spending in den USA und Pleitegeiern Geld nachwerfen in der EU. Ihr Ankurbelprogramm ist das geheime US-Freihandelsabkommen nach Europa. Die Amis können dann jeden Schrott in Deutschland absetzen und ein paar Händler werden via Spanne davon profitieren - also win-win und ein Wachstumsschub für die Weltwirtschaft. Das dabei auf anderen Kontinent ganze Volkswirtschaften zusammenbrechen z. B. Südamerika wieder einmal Argentinien ist dem Hosenanzug egal. Hauptsache das klappt mit Osterweiterung der EU, dann hat die Welt nichts mehr zu lachen.
Gerdtrader50 23.02.2014
3. Ich freue mich immer, dass das Deutsche Goverment das Klügste auf der Welt ist !
Australien, die USA, das sind alle Nichtskönner. Haben keine Ahnung. Nur Schäuble und Weidmann, das sind die Spitzenkönner. Was brauchen wir Binnenwachstum, haben doch Exportquoten. Was interessiert uns der Binnenmarkt und die Arbeitsplätze, wir haben doch genug Lohnsklaven im unteren Bereich. Cotton fields II. Unsere geringen Arbeitslosenzahlen belaufen sich auf 3 Mio zugegebene ALG-I, 1 Mio statistisch Entfernte, sind 4 Mio echte ALG-I, 6,7 Mio ALG-II, davon obenweg 2 Mio echte Arbeitslose, nicht gezählt, sind wir bei 6 Mio echten Arbeitslosen, entspricht alleine cirka 15 % echte Arbeitslose realiter, dazu 7 Mio prekär Beschäftigte als Aufstocker, Zeitarbeiter und befristet Beschäftigte, die Zahlen sind nicht mehr auszuhalten. Deshalb, Schäuble, Merkel und Weidmann, weiter so, Hauptsache ihr kriegt die dicke Kohle und das Volk ist ja sowieso so schlicht und glaubt jeden Schwachsinn, den ihr Grosskopferten raushaut. Jeden Mist, je mehr Mist, desto lieber wählen Sie Euch. Ihr habt also recht. Ein leichtgläubiges Volk braucht eine brutal lügende Regierung. Ihr seid auf einem guten Weg. Alle anderen Euroländern auf noch viel besseren Wegen. Der Euro ist das grösste Glück der Deutschen. Das glauben sie sicher auch noch. Ihr müsst es nur oft genug wiederholen Steter Tropfen höhlt den Stein.
manly-man 23.02.2014
4. optional
Joe Hockey ist der NICHT der australische Finanzminister sondern "Treasurer of Australia". Finanzminister ist "The Honourable Mathias Cormann" http://en.wikipedia.org/wiki/Minister_for_Finance_(Australia) http://en.wikipedia.org/wiki/Treasurer_of_Australia
skorpianne 24.02.2014
5. Gerdtrader50,
bei aller berechtigten Kritik: dieses "Malen nach Zahlen" mit nur einer Kennziffer "Wachstum" birgt die Gefahr, dass alle anderen Faktoren unter den Tisch fallen. Das ist doch letztlich auch der Grund Ihrer Kritik am Euro.
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