G7-Gipfel in Quebec Trump schießt sich auf Frankreich und Kanada ein

Mit den Zöllen auf Stahl und Aluminium läutete US-Präsident Donald Trump den Handelskonflikt ein. Die Gegenmaßnahmen der EU und Kanadas betrachtet er allerdings nicht als Reaktion - sondern als Affront gegen die USA.

G7-Tagungsort "Le Manoir Richelieu"
AP

G7-Tagungsort "Le Manoir Richelieu"


US-Präsident Donald Trump hat kurz vor dem G7-Gipfel die Verbündeten Kanada und Frankreich wegen ihrer Handelspolitik scharf kritisiert. Die Länder verlangten hohe Zölle und errichteten weitere Handelsbarrieren, erklärte Trump am Donnerstag auf Twitter. "Ich freue mich darauf, sie morgen zu treffen."

Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte sich vor dem Treffen in der kanadischen Provinz Quebec in Stellung gebracht und nach einem Gespräch mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau mit Blick auf Trump gesagt: "Niemand von uns währt ewig." Die sieben Staats- und Regierungschefs treffen sich am Freitag und Samstag im Hotel "Manoir Richelieu" am Sankt-Lorenz-Strom.

Der Streit über die Handelspolitik und besonders die US-Zölle auf Stahl und Aluminium dürften das beherrschende Thema sein. Die Staatengruppe ist deswegen so gespalten wie noch nie in ihrer 42-jährigen Geschichte. Weil die Standpunkte der US-Regierung und der übrigen G7-Mitglieder Kanada, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Japan so weit auseinanderliegen, wird nicht mit einer Einigung gerechnet.

Trump warf Trudeau vor, "empört" zu sein und in der Diskussion auf die langen Beziehungen zwischen den USA und Kanada zu verweisen. "Aber er erwähnt nicht, dass sie von uns bis zu 300 Prozent auf Milchprodukte verlangen", schrieb er auf Twitter. Dies schade den Bauern und töte die US-Agrarindustrie. Kanada ist mit den USA nicht nur wegen der geografischen Nähe wirtschaftlich besonders eng verwoben, sondern auch, weil die Länder mit Mexiko die Freihandelszone Nafta bilden. Unterhändler der drei Staaten verhandeln seit Monaten über eine Reform des Abkommens. Sie wird von Trump gefordert.

Kompromisslose Linie

Für die erhöhten Einfuhrabgaben auf Stahl und Aluminium greift Trump auf ein Sicherheitsgesetz zurück, das er nach eigenen Worten auch gegen importierte Autos einsetzen könnte. Dies würde besonders deutsche Hersteller wie Daimler oder BMW treffen. Trump sprach das Thema auch am Donnerstag bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe an und forderte Autokonzerne zu Investitionen in US-Werke auf.

Abe hat versucht, ein enges persönliches Verhältnis zu Trump aufzubauen. Der US-Präsident zeigt sich dennoch kompromisslos. Auch Macron hat mit Blick auf Trump von einem Freund gesprochen. Bei seinem Besuch am Donnerstag signalisierte er jedoch, dass die anderen Staaten nicht einknicken wollen. "Wir haben nichts dagegen, notfalls nur sechs zu sein." Die sechs Staaten stünden für Werte, Märkte und verfügten international über viel Einfluss.

Allerdings gibt es schon in der EU keine einheitliche Linie. So hat sich die Bundesregierung versöhnlicher gezeigt und will einen Kompromiss mit den USA erreichen - auch weil zusätzliche Zölle die deutsche Autobranche als Schlüsselindustrie empfindlich treffen könnten. Daneben dürfte Italien zurückhaltender auftreten. Einem Insider zufolge will der politisch unerfahrene Ministerpräsident Giuseppe Conte in Quebec vorsichtig agieren, um die "Dynamik der Gruppe" zu ergründen und den Dialog mit der US-Regierung nicht zu verbauen.

mik/Reuters

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