Gas- und Stromnetze Aufsichtsbehörde muss höhere Gebühren erlauben

Die Bundesnetzagentur darf die Rendite der Betreiber von Strom- und Gasnetzen in Deutschland nicht so stark kürzen wie geplant. Das Nachsehen haben die Verbraucher.

Starkstromleitung in Mecklenburg-Vorpommern
DPA

Starkstromleitung in Mecklenburg-Vorpommern


Im Streit um die Höhe von Durchleitungsgebühren haben Strom- und Gasnetzbetreiber vor Gericht einen wichtigen Etappensieg errungen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf gab am Donnerstag der Beschwerde von Netzbetreibern gegen die Kürzungs-Beschlüsse durch die Bundesnetzagentur statt.

Die Aufsichtsbehörde habe bei der Festlegung der Eigenkapitalzinssätze die Marktrisiken unzureichend berücksichtigt, entschied das Gericht. Die Sätze müssten nun neu berechnet werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Behörde kann noch Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

Für die Verbraucherkönnte das Urteil zu höheren Ausgaben führen: Die Netznutzungsentgelte sind der teuerste Posten auf der Stromrechnung deutscher Haushalte. Diese müssen pro Kilowattstunde im Schnitt mehr als sieben Cent für den Stromtransport zahlen. Das ist mehr als die umstrittene EEG-Umlage - und rund ein Viertel des gesamten Strompreises. Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt 250 bis 300 Euro pro Jahr für Netzentgelte.

Für große Energieunternehmen sind die Netzentgelte der mit Abstand wichtigste Profitbringer. Sowohl bei E.on Chart zeigen wie auch bei Innogy Chart zeigen erwirtschafteten die Netzsparten 2017 je etwa zwei Drittel des Konzerngewinns vor Zinsen und Steuern. Insgesamt waren das fast vier Milliarden Euro. Die angekündigte Übernahme von Innogy würde E.on zum dominierenden Verteilnetzbetreiber in Deutschland machen. Der Konzern käme dann auf ungefähr 30 Prozent Marktanteil. Zu den Klägern gehörten aber auch rund 1100 Stadtwerke.

Expertenschätzungen zufolge belaufen sich die Netzentgelte in Deutschland auf bis zu 25 Milliarden Euro pro Jahr. Die geplante Senkung der Garantiezinsen um gut zwei Prozentpunkte hätte über einen Zeitraum von fünf Jahren eine Entlastung von insgesamt etwa zwei Milliarden Euro für die Stromverbraucher bedeutet.

"Wir werden ernsthaft Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof prüfen", sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur SPIEGEL ONLINE.

Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick, kritisierte das Urteil: "Das ist ein trauriger Tag für die Verbraucher. Das Oberlandesgericht hat sich ohne Not dem Druck der einflussreichen Kläger um E.on und RWE gebeugt." Die Renditen seien viel zu hoch. "Überhöhte Netzentgelte gefährden das Vertrauen in die Branche und die Energiewende."

mik/che/dpa/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
arr68 22.03.2018
1. Infrastruktur ist Staatssache
wann kapiert die Regierung das endlich. Was zu der so genannten Grundversorgung gehört, Luft, Wasser, Abwässer, Strom, Internet, Telefon, Gas, Straßen, Schiene und Wasserwege, also die gesamte "Hardware", muß in Staatshand bleiben. Nur dann ist gewährleistet, dass es jedem Menschen zu einem vernünftigen Preis zur Verfügung steht und nicht nur kurzfristigem Renditedenken gehorcht.
Zukunft3.0 22.03.2018
2.
Die Netzbetreiber müssen schon auf ihre Rendite kommen. Das Gericht leistet Schützenhilfe zum Nachteil der Verbraucher. Die Aktionäre müssen auch bei der Stange gehalten werden. Hat der Verbraucher irgendwann mal erlebt, dass Energie billiger geworden ist. Wäre ja zu schön.
lupo44 22.03.2018
3. dieser Meinung kann man nichts hinzufügen
Zitat von arr68wann kapiert die Regierung das endlich. Was zu der so genannten Grundversorgung gehört, Luft, Wasser, Abwässer, Strom, Internet, Telefon, Gas, Straßen, Schiene und Wasserwege, also die gesamte "Hardware", muß in Staatshand bleiben. Nur dann ist gewährleistet, dass es jedem Menschen zu einem vernünftigen Preis zur Verfügung steht und nicht nur kurzfristigem Renditedenken gehorcht.
auch diese wichtige Lebensgrundlage neben der Miete sind für ein Sorgefreies Leben die Grundvorraussetzung. Diese Elemente sind für Alle da und kosten Geld,aber keinen Wucher. Oder sollen wir Alle uns eigene Energiequellen besorgen? Hier ist ein wichtiges Thema für die Politik.Abzocken geht nicht.
apst 22.03.2018
4. Na wer hat...
Da abgeschrieben? Liebe SPON, bitte schreibt die Quellen der Information dazu! Hier wurde die Presseinformation von Lichtblick ohne Sinn und Verstand abgepinnt. Lichtblick ihres Zeichens ein Stromvertrieb bzw. Anwaltsbüro die als Haupteinnahmequelle Gerichtsverfahren haben... Hier mit den Traumrenditen durch die Gegend laufen, obwohl bekannt ist, dass das schlichtweg gelogen ist. Kein Mensch käme auf die Idee einen Nominalzins bei einem Kredit als Effektivzins zu vetkaufen. Aus den 9% werden, wenn überhaupt, regal 3,5%. Aber das hört sich nicht mehr so toll an. Warum wird denn nicht viel mehr investiert, wenn man damit so viel verdienen kann? Die Erhöhung der Netzentgelte resultiert aus der Energiewende. Also aus dem Nebengeschäft von Lichtblick. Nur die verkaufen als Schuldigen mal wieder die anderen.
rainercom 23.03.2018
5. wie kann es sein
das ein Oberlandesgericht für einen ganzen Staat entscheidet?
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