Gaspipeline EU erklärt Nabucco-Lieferungen für gesichert

Kommt sie oder kommt sie nicht? Der Streit mit Russland um Gaslieferungen nach Europa verzögert das EU-Pipeline-Projekt Nabucco. Doch nun verkündete Energiekommissar Oettinger, es habe Zusagen für Lieferungen gegeben.

EU-Kommissar Oettinger: Lieferungen für Pipeline gesichert
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EU-Kommissar Oettinger: Lieferungen für Pipeline gesichert


Brüssel - Es ist ein Prestige-Projekt, gegen das Russland ankämpft. Die Gaspipeline Nabucco soll eine Alternative zu russischen Gasleitungen werden. Die EU-Kommission das Projekt trotz des Widerstands aus Moskau für gesichert. Die Förderländer im kaspischen Raum unterstützen die Gaspipeline und hätten feste Lieferzusagen abgegeben, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

Demnach werde die EU die notwendigen Gaslieferungen aus der kaspischen Region innerhalb von "zwei oder drei Jahren" erhalten. Das Projekt könnte 2012 oder 2013 beginnen. Bei einem EU-Besuch in Turkmenistan und Aserbaidschan hätten beide Länder diese Zusagen gemacht.

Aserbaidschans Präsident Ilcham Alijew sei bereit, in den nächsten fünf bis acht Jahren bis zu 21 Milliarden Kubikmeter zu liefern, sagte Oettinger. Turkmenistan habe 10 Milliarden oder mehr zugesagt. Mit diesem Volumen wäre die Grundauslastung der im Endausbau 31 Milliarden Kubikmeter fassenden Röhre gesichert.

Die Nabucco-Pipeline soll Europa unabhängig von Russland machen. Doch bei der Planung von Nabucco gibt es Probleme. Eine Finanzierung der teuren Pipeline ergibt nur Sinn, wenn Gaslieferanten feststehen. Ohne die Aussicht, dass letztlich wirklich Gas durch Nabucco fließt, werden sich für das Projekt kaum Investoren finden lassen. Die Verhandlungen waren zunächst schleppend gelaufen, weil sich Turkmenistan und Aserbaidschan zurückhielten. Beobachtern zufolge werden sie von Russland unter Druck gesetzt. Die russische Gazprom fürchtet um ihr bisheriges Pipeline-Monopol und kämpft gegen das Projekt. So setzt sich auch Russlands Premier Waldimir Putin für den Gegenentwurf ein, den Bau der sogenannten South-Stream-Pipeline.

Ursprünglich sollte die Entscheidung über Nabucco schon im ersten Halbjahr 2010 fallen. Mitte Januar hatte Aserbaidschan mit der EU eine gemeinsame Erklärung über Gaslieferungen unterzeichnet.

Die Nabucco-Pipeline soll vom Kaspischen Meer nach Mitteleuropa gehen. Unternehmen und Verbraucher sollen sich von 2015 an auf Gas-Lieferungen verlassen können. In der Region am Kaspischen Meer liegen riesige, noch unerschlossene Gasvorkommen, die die Basis für das Nabucco-Projekt bilden. An dem Nabucco-Konsortium ist maßgeblich der Essener RWE-Konzern beteiligt. Diesen berät der frühere Außenminister Joschka Fischer.

mmq/dpa-AFX



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