Kältewelle in den USA Gaspreis steigt drastisch - erste Firmen machen dicht

Eine Kältewelle beschert den USA stark steigende Gaspreise - trotz des hohen Schiefergas-Angebots durch Fracking. Manche Unternehmen können ihre Rechnung für den Brennstoff schon nicht mehr bezahlen.

Von manager-magazin.de-Redakteur Nils-Viktor Sorge

Schiefergasförderung in North Dakota: Preisanstieg um 150 Prozent
Corbis

Schiefergasförderung in North Dakota: Preisanstieg um 150 Prozent


Hamburg - Ein Polarwirbel mit arktisch kalter Luft hält Nordamerika weiterhin fest im Griff. Die großen Seen und sogar die Niagarafälle sind zugefroren, Städte wie New York und Boston ächzen unter Neuschneemengen von bis zu 35 Zentimetern pro Tag. Die Behörden zählen mindestens 20 Kältetote, wie US-Medien berichten.

Inzwischen leiden Verbraucher, die ihre Heizung mit Gas betreiben und Unternehmen auch finanziell unter der ungewöhnlichen Wetterlage: Der Preis für Erdgas ist auf fast fünf Dollar für eine Million British thermal Units (BTU) gestiegen, pro Megawattstunde sind das etwa 13 Euro.

Das ist zwar nur die Hälfte von dem, was Gas in Europa kostet. Doch der Anstieg um etwa 150 Prozent in weniger als zwei Jahren bringt offenbar manche Kalkulation durcheinander - zumal der Anstieg in manchen Regionen noch deutlich heftiger ausfällt.

Betroffen ist vor allem der Nordosten des Landes. An der Rohstoffbörse IntercontinentalExchange musste deshalb sogar die Preisanzeige von zwei auf drei Stellen geändert werden. Tatsächlich schnellte der Preis kurzzeitig auf nie gesehene 135 Dollar pro Million BTU empor.

Manch eine Firma, die sich nicht langfristig gute Preise gesichert hat, kapituliert bereits. Die Papiermühle Gorham Paper and Tissue in New Hampshire kündigte aufgrund der hohen Gaspreise an, die Produktion herunterzufahren und Personal zu entlassen. Das berichtet die Zeitung Boston Globe.

Betroffen sind demnach weitere Papierfabriken im Bundesstaat Maine. Eine von ihnen, das Unternehmen Verso Paper, schließt seine Anlagen für zwei Wochen. "Wir können den Gaspreis nicht kontrollieren", schrieb das Unternehmen an die Mitarbeiter, wie die Zeitung Morning Sentinel berichtet.

Gaspreis könnte sich wieder einpendeln

Papierfabriken gehören zu den energieintensiven Industrien. Für die Produktion benötigen sie Prozesswärme und Strom. Beides stellen die Unternehmen oft selbst aus Erdgas her.

Gasmarktexperten rechnen damit, dass sich der Gaspreis wieder einpendelt, wenn die Kältewelle in den USA vorübergezogen ist. Auch vor Beginn der Kältewelle war der Gaspreis in den USA jedoch wieder kontinuierlich emporgeklettert.

Internationalen Förderunternehmen erscheint der US-Gaspreis aber inzwischen nicht mehr attraktiv. Sie haben ihre Investitionen in neue Schiefergasfelder drastisch zusammengestrichen. Vom insgesamt niedrigen Preisniveau profitieren derweil auch deutsche Firmen.

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insgesamt 36 Beiträge
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kdshp 24.01.2014
1.
Zitat von sysopCorbisEine Kältewelle beschert den USA stark steigende Gaspreise - trotz des hohen Schiefergas-Angebots durch Fracking. Manche Unternehmen können ihre Rechnung für den Brennstoff schon nicht mehr bezahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gaspreis-steigt-in-den-usa-drastisch-erste-firmen-machen-dicht-a-945328.html
So funktioniert nun mal marktwirtschaft! Die unternehmen die da dicht gemacht haben hätten es nicht anders gemacht wenn es um ihre produkte gegangen wäre. Das ist in deutschland nicht anders zb. beim strompreis.
mail-sms 24.01.2014
2. Kann es sein
Dass es die Auswirkungen von der BP-Katastrophe in Golf von Mexico aus dem Jahr 2010 sind? In Kalifornien Dürre, in New York Kälte. Auch in Deutschland haben wir einen ungewöhnlich milden Winter. Irgendein Rädchen im Globalen Ökosystem muss wohl aus dem Ruder gelaufen sein.
penie 24.01.2014
3. Krass, ein Gaspreis von 1,3 Cent je Kilowattstunde!
Da muß man schon mal die eine oder andere Fabrik schließen. Europäische Firmen (und Verbraucher!) können davon nur träumen.
offspec 24.01.2014
4. Dumm gelaufen für die Amis: Muss man halt Rahmenvertrag
Dumm gelaufen für die Amis: Muss man halt Rahmenvertrag machen rechtzeitig... Und / oder eben nicht mit dem Primärenergieträger der Preis-Oberklassse (und der Einfachtechnologie) Dampf produzieren. Marktreife andere DE-Systeme gibt es auf dem Markt zuhauf. Allerdings braucht es dafür auch längerfristige Planungssicht - Did you get me ?
ftester 24.01.2014
5. Hab ich mich verrechnet?
Zitat von sysopCorbisEine Kältewelle beschert den USA stark steigende Gaspreise - trotz des hohen Schiefergas-Angebots durch Fracking. Manche Unternehmen können ihre Rechnung für den Brennstoff schon nicht mehr bezahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gaspreis-steigt-in-den-usa-drastisch-erste-firmen-machen-dicht-a-945328.html
Wenn ich nix verkehrt gemacht hab komm ich auf ca 17Teuro pro MillionenBTU bei meinem Versorger, die Gaspreise der Nordamerikaner sind auch jetzt noch ein unerfüllbarer Traum für deutsche Verbraucher....
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