EFSF und ESM: Spanien-Hilfe lässt Rettungsschirme schrumpfen

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Es wird eng unterm Rettungsschirm. Nach Irland, Portugal und Griechenland will nun auch Spanien Hilfe von den europäischen Partnerländern beantragen. Das Problem: Egal woher man das Geld nimmt, es bleibt nicht mehr viel übrig.

Euro-Münze: Die Rettung könnte teurer werden als gedacht Zur Großansicht

Euro-Münze: Die Rettung könnte teurer werden als gedacht

Hamburg - Bis zu 100 Milliarden Euro soll Spanien von den europäischen Partnerländern bekommen - doch woher sollen die das Geld nehmen? Zur Wahl stehen zwei Fonds: den einen, den EFSF, gibt es bereits, der andere, der ESM, soll im Juli einsatzbereit sein.

Da Spanien wahrscheinlich noch im Juni einen offiziellen Hilfsantrag stellen wird, müsste eigentlich der EFSF angezapft werden. Doch der könnte dabei arg schrumpfen. Der Fonds besteht aus Garantien der Euro-Länder. Bisher kann er 440 Milliarden Euro verleihen, 188 Milliarden Euro davon sind aber bereits für andere Hilfsprogramme verplant. Wie viel Spanien nun genau bekommen soll, steht noch nicht fest. Von bis zu 100 Milliarden Euro ist aber die Rede. Dass der Betrag am Ende deutlich darunter liegt, ist kaum zu erwarten.

Bei 100 Milliarden Euro Hilfe für Spanien, bliebe im Rettungsfonds nicht mehr viel übrig. Denn nicht nur die Auslastung würde von 188 Milliarden auf 288 Milliarden Euro steigen, auch die Kapazität würde voraussichtlich sinken. Laut den Statuten des EFSF fallen nämlich all jene Länder, die selbst Hilfsprogramme erhalten, als Garantiegeber für den Rettungsschirm aus.

Wie das Münchner Ifo-Institut für SPIEGEL ONLINE berechnet hat, würde das Kreditvolumen des EFSF ohne die spanischen Garantien von 440 auf knapp 384 Milliarden Euro sinken. Es blieben also nach Abzug aller bisherigen Hilfsprogramme nur noch gut 100 Milliarden Euro übrig.

An Deutschlands Anteil an den EFSF-Garantien würde sich laut Ifo nichts ändern, solange das Gesamtvolumen der Garantien nicht erhöht würde. Bisher haftet Deutschland beim EFSF mit 211 Milliarden Euro. In Ausnahmefällen kann dieser Betrag auf bis zu 253 Milliarden Euro ausgedehnt werden. Allerdings erhält Deutschland für die vergebenen Kredite auch Zinsen - wie hoch die im Falle Spaniens sein werden, muss erst noch verhandelt werden.

Auch der ESM hat zunächst noch nicht viel Geld

Hinter den Kulissen basteln die Euro-Retter nun an einer Lösung, die das Schrumpfen des EFSF verhindern soll. So wäre es zum Beispiel möglich, dass Spanien trotz der beantragten Hilfen Garantiegeber bleibt. Als Begründung ließe sich anführen, dass die Hilfen ja für die spanischen Banken und nicht für den Staat bestimmt sind.

Eine andere Variante wäre der Einsatz des ESM, der offiziell zum 1. Juli in Kraft treten soll. Doch tatsächlich wird er wohl erst Mitte Juli einsatzbereit sein. In vielen Ländern - auch in Deutschland - muss der Vertrag erst noch ratifiziert werden.

Zudem wird der ESM erst Schritt für Schritt bis Mitte 2014 sein volles Kreditvolumen von 500 Milliarden Euro aufbauen. Dazu werden in fünf Tranchen insgesamt 80 Milliarden Euro Kapital eingezahlt - der Rest sind, wie beim EFSF, Garantien.

Im laufenden Jahr sollen so 32 Milliarden Euro Kapital in den ESM fließen. Das würde bedeuten, dass er insgesamt rund 213 Milliarden Euro verleihen kann. Zieht man 100 Milliarden Euro für Spanien ab, bleiben gerade mal noch etwa 113 weitere Milliarden übrig. Damit ließe sich allenfalls noch ein kleines Euro-Land retten.

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insgesamt 29 Beiträge
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1. ...
anderton 11.06.2012
Zitat von sysopEs wird eng unterm Rettungsschirm. Nach Irland, Portugal und Griechenland will nun auch Spanien Hilfe von den europäischen Partnerländern beantragen. Das Problem: Egal woher man das Geld nimmt, es bleibt nicht mehr viel übrig. Geld für Spanien lässt Rettungsfonds ESM und EFSF schrumpfen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,838233,00.html)
Ach, keine Panik! Der ESM kann doch unbegrenzt innerhalb von sieben Tagen Geld nachfordern und das beste ist, er muss nicht mal sagen bzw. Dokumentieren was damit passiert ist.
2. Geradezu absurde Verharmlosung des ESM...
doc 123 11.06.2012
Zitat von sysopEs wird eng unterm Rettungsschirm. Nach Irland, Portugal und Griechenland will nun auch Spanien Hilfe von den europäischen Partnerländern beantragen. Das Problem: Egal woher man das Geld nimmt, es bleibt nicht mehr viel übrig. Geld für Spanien lässt Rettungsfonds ESM und EFSF schrumpfen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,838233,00.html)
... wenn alles gar so harmlos bzw. des ESM wäre, wieso benötigen dann die Beteiligen Immunität vor Strafverfolgung, wieso hat der ESM seinen Sitz ausgerechnet in den Mafia-Fluchtburg Luxemburg und nicht nicht Deutschland, wo ganz offensichtlich die größten Geldgeber sitzen, wie verhält es sich mit dem ESM und der Banklizenz, einer ungehinderten Möglichkeit zum Gelddrucken... Auf Antworten verschiedenster Frage darf man immer noch äußerst gespannt sein, insbesondere dass ein Magazin wie SPON/Spiegel seiner ureigensten Aufgaben nachkommt, der investigativen Aufklärung der "interessiserten" deutschen Bevölkerung!
3. Keine Sorge, mit der geplanten Banklizenz kann die kriminelle ESM-Bank
bhayes 11.06.2012
beliebig viel Geld aus dem Nichts schöpfen. Siehe dazu auch "Die ESM-Bank: Das Stehlen soll zum Fundament der EU gemacht werden". In wenigen Tagen wird der Bundestag das ESM-Ermächtigungsgesetz erlassen, die Banklizenz ist dann entweder schon inbegriffen oder kommt ein paar Tage später...
4.
mpd 11.06.2012
Die koennen das vielleicht in Hochtief Aktien zurueckbezahlen...
5. Bald ist es überstanden und der Abnickverein in Berlin
godfather58 11.06.2012
hat sich mit dem ESM in Sachen Finanzhoheit selbst entsorgt. Und dann wird nach meiner Einschätzung die Kohle nur so rausgehauen. Wird aber nichts helfen, irgenwann ist Schluss mit Lustig. Danach sind wir in der EU halt alle auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Nicht ganz natürlich, denn in vielen anderen Ländern wird man nach wie vor mit 60 oder so in Rente gehen und auch bezüglich Kürzung von Sozialleistungen und harter Durchsetzung von Steuer- und Abgabenlasten wird der deutsche Michel sicher am härtesten geschröpft werden. Ob grün, rot schwarz oder gelb in Berlin das Sagen haben ist hierbei völlig egal. Dort wetteifert man ja förmlich darium den ESM möglichst schnell durchzuwinken. Im Fussballrausch geht das natürlich am Besten.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.