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Geldpolitik: EZB steht zu Niedrigzins-Versprechen

Schlechte Nachrichten für Sparer: Obwohl sich die Wirtschaft in der Euro-Zone langsam erholt, will EZB-Chef Draghi den Leitzins noch lange niedrig halten. Die Anleihezinsen von Deutschland und Frankreich steigen trotzdem auf ihre höchsten Stände seit mehr als einem Jahr.

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EZB-Präsident Draghi: Zinsen bleiben über längeren Zeitraum niedrig

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt trotz der aufkeimenden wirtschaftlichen Erholung im Euro-Raum bei ihrer Politik des billigen Geldes. "Die Geldpolitik wird so lange wie nötig locker bleiben", sagte Notenbankchef Mario Draghi. Er bekräftigte das Versprechen, die Zinsen "über einen längeren Zeitraum" niedrig zu halten. Zuvor hatte die EZB den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent bestätigt.

Die Währungshüter befinden sich in einer Zwickmühle: Erst im Juli hatten sie den Finanzmärkten dauerhaft billiges Geld versprochen. Trotzdem haben die Kreditkosten im Währungsraum zuletzt zugelegt und drohen so, die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen. Den Aufschwung in der Euro-Zone hält Draghi für extrem fragil: "Die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Euro-Raum sind nach wie vor abwärts gerichtet", sagte der EZB-Chef.

Grund für die steigenden Zinsen ist die nahende geldpolitische Wende in den USA. Da die US-Notenbank Fed bald weniger Liquidität in die Märkte pumpen möchte, erwarten Anleger, dass US-Anleger weniger Geld in Europa investieren werden.

Das treibt die Zinsen an den Anleihemärkten - auch im Euro-Raum - nach oben. So stiegen die Zinsen für Staatsanleihen von Deutschland und Frankreich auch nach der Bekräftigung Draghis weiter an: Zehnjährige Anleihen des Bundes lagen erstmals seit März 2012 wieder über zwei Prozent. Frankreich musste für seine zehnjährigen Schuldpapiere einen Zins von 2,57 Prozent bieten. Damit erreichten sie den höchsten Stand seit der Wahl von Präsident Hollande im Mai 2012. Allerdings können sich beide Länder im historischen Vergleich immer noch extrem günstig Geld leihen.

Der Euro fiel dagegen auf 1,3168 Dollar zurück. Dies ist der niedrigste Stand seit Ende Juli. Am Ende des Vortages hatte ein Euro noch 1,3207 Dollar gekostet.

ade/Reuters/dpa

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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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