Geldreserven China lehnt führende Rolle als Euro-Retter ab

Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben sich bei der Euro-Rettung offenbar verkalkuliert: Anders als erhofft, lehnt China eine große finanzielle Stützung der Schuldenstaaten ab. Die Volksrepublik will ihre billionenschweren Devisenreserven lieber anders einsetzen.

Chinas Vizeministerin Fu Ying: Absage an Europa
DPA

Chinas Vizeministerin Fu Ying: Absage an Europa


Peking - Die Absage ist unmissverständlich - und ziemlich brüsk: Die Forderung, China sollte Europa retten, sei nicht ausgereift, sagte Chinas stellvertretende Außenministerin Fu Ying am Freitag. Oder anders ausgedrückt: Die Euro-Länder können im Kampf gegen die Schuldenkrise nicht damit rechnen, dass die Volksrepublik ihnen kräftig unter die Arme greift.

Die Europäer hätten vielleicht missverstanden, wie China mit seinen Reserven umgehe, sagte die Politikerin. Sie schloss zwar ausdrücklich nicht aus, dass ihr Land einen Teil der Reserven für gezieltere Maßnahmen einsetzen könnte. Fu machte aber klar, dass China keinen großen Anteil des eigenen Geldes einsetzen wird, um den Euro-Ländern zu helfen.

Damit zerschlägt sich für die europäischen Staats- und Regierungschefs zur Lösung ihrer Schuldenkrise eine ihrer größten Hoffnungen. Die Euro-Retter hatten vor allem darauf gehofft, dass sich die Volksrepublik am Rettungsschirm EFSF beteiligt, um seine Feuerkraft zu erhöhen. Zuletzt hatte Peking allerdings wiederholt klargemacht, dass die Europäer die Rolle Chinas nicht überschätzen sollten.

Bei einem Treffen mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz Mitte November in Peking machte Fu deutlich, Forderungen, das reiche China müsse Europa jetzt helfen, seien in dem Land gar nicht gut angekommen. Man stehe nicht dafür zur Verfügung, Ländern zu helfen, die über ihre Verhältnisse lebten. Dem SPIEGEL sagte die Vize-Außenministerin bei einem Gespräch im Sommer aber, auch China sei davon abhängig, dass Europa seine Krise überwinde. Wenn die Euro-Zone kollabiere, würden "alle leiden".

Die Volksrepublik besitzt mit umgerechnet 2,35 Billionen Euro die weltweit größten Devisenreserven. China hält jedoch einen großen Teil seines Geldes in bargeldähnlichen Investitionen für heimische Notfälle vor. Ein weiterer großer Anteil ist langfristig in Anlagen investiert, deren schlagartiger Verkauf Panik an den internationalen Finanzmärkten auslösen würde. Der jährliche Spielraum beläuft sich Experten zufolge auf etwa 100 Milliarden Dollar.

yes/cte/Reuters/AP



insgesamt 37 Beiträge
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wind_stopper 02.12.2011
1. Gott sei dank
... das die Chinesen da nicht mit machen. Ist es nicht schon genug, dass die Regierung Deutsche Firmen, Produktion und Know-how fuer umsonst nach China exportiert, muessen wir uns jetzt auch noch von deren Geld abhängig machen? Wo kommen wir denn hin? Die EU muss endlich handeln und die Überflutung von billiger Chinesischer Ware stoppen. Die EU muss die Einfuhr von Waren "Made in China" so teuer machen, dass Produktion sich hier wieder lohnt und Arbeiter hier zu vernünftigen Löhnen beschäftigt werden können. Wenn ich dann fuer ein TV made in Germany doppelt so viel zahlen muss, dann ist mir das recht. Um noch mal auf Geldreserven zu kommen: Die Deutschen Privathaushalte hatten 2010 ein geschätztes Sparvermögen von ungefähr 5 Billionen Euro - wir keonnen die EU damit 2mal retten - oder einfach kaufen! Wir brauchen Chinas schmutziges Geld nicht.
braintainment 02.12.2011
2. Dr.
"Man stehe nicht dafür zur Verfügung, Ländern zu helfen, die über ihre Verhältnisse lebten." Man kann den Chinesen sicherlich viel vorwerfen, aber da kommt Frau Fu Ying sehr schön auf den Punkt. Eine Klarheit, die man in dem europäischen Gemauschel schmerzlich vermisst!
Europa! 02.12.2011
3. Kann ich verstehen
Die Chinesen sehen sich in einer ähnlichen Situation wie die Deutschen. Sie sollen Solidarität mit Staaten üben, die zuviel Schulden haben. Das muss man sich gut überlegen. Andererseits: Für Deutschland ist die Solidarität mit Europa eine Frage des eigenen wirtschaftlichen, politischen und moralischen Überlebens. Deshalb können wir uns nicht drücken. Und: Wenn klar wird, dass Europa wirtschaftlich und politisch stabiler ist als andere Weltregionen, werden die Chinesen recht froh sein, hier investieren zu können.
Ghanima22 02.12.2011
4. hier könnte die Bank ihres Vertrauens werben!
Zitat von sysopDie europäischen Staats- und Regierungschefs haben*sich*bei der Euro-Rettung offenbar verkalkuliert: Anders als erhofft lehnt China eine große finanzielle*Stützung der Schuldenstaaten*ab. Die Volksrepublik will ihre*billionenschweren Devisenreserven lieber anders einsetzen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801345,00.html
Das haben die Chinesen vielleicht weniger deutlich aber genauso klar bereits erklärt, da war der ESFS noch nicht mal beschlossen! Ich verstehe die Medien und unsere Politiker nicht, können die nicht zuhören oder leiden die unter selektiver Wahrnehmung wo erst etwas ankommt, wenn es mit schonungsloser Offenheit kommuniziert wird?
bmehrens 02.12.2011
5. Wie alt sind Sie?
Zitat von wind_stopper... das die Chinesen da nicht mit machen. Ist es nicht schon genug, dass die Regierung Deutsche Firmen, Produktion und Know-how fuer umsonst nach China exportiert, muessen wir uns jetzt auch noch von deren Geld abhängig machen? Wo kommen wir denn hin? Die EU muss endlich handeln und die Überflutung von billiger Chinesischer Ware stoppen. Die EU muss die Einfuhr von Waren "Made in China" so teuer machen, dass Produktion sich hier wieder lohnt und Arbeiter hier zu vernünftigen Löhnen beschäftigt werden können. Wenn ich dann fuer ein TV made in Germany doppelt so viel zahlen muss, dann ist mir das recht. Um noch mal auf Geldreserven zu kommen: Die Deutschen Privathaushalte hatten 2010 ein geschätztes Sparvermögen von ungefähr 5 Billionen Euro - wir keonnen die EU damit 2mal retten - oder einfach kaufen! Wir brauchen Chinas schmutziges Geld nicht.
Gerademal vor ca. 20 Jahren wurde in der BRD proklamiert: WIR sind das Hi-Tec-Land - WIR sind die Erfinder - WIR machen die Software und die Billiglohnländer liefern uns die fertigen Waren - Kühlschränke, Staubsauger usw..
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