Generationenstudie Die glücklichen Alten

So gesund und abgesichert wie heute waren Senioren in Deutschland noch nie, wie eine umfassende Befragung des Allensbach-Instituts zeigt. Das dürfte sich bald ändern.

Senioren im Schwimmbad
Getty Images

Senioren im Schwimmbad


Das Älterwerden kann durchaus angenehm sein - zumindest aus Sicht heutiger Senioren. So sportlich wie heute waren sie noch nie, die Rentnergeneration verfügt über ein kräftig gestiegenes Einkommen und dennoch arbeiten viele Rentner weiter - häufig aus Spaß daran.

"Das überaus positive Gesamtfazit, das hier über verschiedene Lebensbereiche hinweg gezogen wird, ist für mich bemerkenswert", sagt Michael Sommer, Leiter einer groß angelegten Altersstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Generali-Versicherung, aus der die neuen Erkenntnisse stammen.

Mehr als 4000 Bundesbürger in Privathaushalten zwischen 65 und 85 Jahren haben die Experten dafür befragt - sie repräsentieren gut 15 Millionen Menschen. Es ist das zweite Mal, dass das Institut diese umfangreiche Erhebung macht - und schon jetzt zeigt sich teils ein deutlicher Sprung bei der Lage der Senioren zur ersten Studie vor vier Jahren.

Die Befragten haben ihren finanziellen Spielraum deutlich vergrößert. Sie verfügen über ein Haushaltseinkommen von netto 2410 Euro monatlich. Das sind rund 200 Euro mehr als 2012. Laufende Kosten wie Miete, Essen und Kleidung abgezogen bleiben den Senioren durchschnittlich mit 628 Euro im Monat 20 Prozent mehr frei verfügbares Einkommen als vor vier Jahren. Allerdings haben Besserverdienende im Rentenalter drei Mal so viel Geld zur freien Verfügung wie Senioren mit niedrigen Einkommen.

Der insgesamt hohe Lebensstandard sorgt dafür, dass die Älteren ihr Leben und ihre Lage zum Großteil positiv einschätzen. 62 Prozent bezeichneten ihre jetzige wirtschaftliche Situation als "sehr gut" oder "gut". Auf ihr bisheriges Leben schauen 85 Prozent der Befragten mit Zufriedenheit.

Alles Wissenswerte zur Rente enthält unser Erklärformat "Endlich verständlich".

Das Besondere an der heutigen Zeit für Rentner: Alle sozialen Schichten bundesweit gewinnen, besonders die mittlere Einkommensriege. Bezieher oberer und unterer Einkommen im Seniorenalter konnten ihre frei verfügbaren Einkommen in den vergangenen vier Jahren gleich stark steigern. "Die Kluft geht dort nicht weiter auseinander", sagt Studienleiter Sommer. Die unteren sozialen Schichten profitierten offensichtlich ebenfalls von der insgesamt guten Entwicklung.

Die gute Zeit kann schnell vergehen

Allerdings erwartet der Allensbach-Experte, dass sich das bald ändern könnte: "Im mittleren Alterssegment beobachten wir, dass sich die Einkommen stärker auseinanderentwickeln." Dies werde sich in einigen Jahren auch in der älteren Generation widerspiegeln, sobald die mittlere Generation ins Rentenalter komme. "Das Thema Altersarmut wird dann an Bedeutung zunehmen."

Diese Tendenz stört auch das sonst sehr positive Bild der Lage von Senioren in Ostdeutschland. Der finanzielle Spielraum hat sich für alte Menschen dort stark verbessert. Das persönlich frei verfügbare Einkommen der Senioren stieg in den östlichen Bundesländern um 42 Prozent auf im Schnitt 520 Euro monatlich. Sie nähern sich damit dem Westniveau stärker an, wo der Zuwachs bei 16 Prozent lag, doch dort haben Rentner mit 655 Euro noch deutlich mehr zur Verfügung.

Allensbach-Forscher Sommer sieht nicht, dass sich die Lücke zwischen Ost und West auf absehbare Zeit schließen wird. "Der Osten holt im Moment stark auf gegenüber dem Westen. Der Blick auf die nächste Generation zeigt aber, dass dieser Trend nicht anhält. Ich glaube nicht, dass wir bald gleiche Einkommensniveaus erleben werden. Die Zuwachsraten werden sich wohl nicht derart weiterentwickeln."

Aktiv und sportlich

Neben der Einkommenssituation der Rentnergeneration haben die Allensbach-Experten auch untersucht, wie fit heutige Senioren sind. Viele Rentner sind heute im Vergleich zu früher noch so rüstig, dass sie sogar über das Renteneintrittsalter hinaus gerne weiterarbeiten. Von den 65- und 85-Jährigen gehen noch 15 Prozent trotz Rente zur Arbeit - aber nicht unbedingt, weil ihr Geld nicht reicht. Drei Viertel der Befragten sagen, die Arbeit mache ihnen eben Spaß. Vor allem gut verdienende Senioren gehen weiter einem Beruf nach.

Ein Großteil der Älteren will darum auch fit bleiben - körperlich wie geistig. Dass das womöglich funktioniert, zeigt der hohe Anteil von Internetnutzern. Die Hälfte der 65- bis 85-Jährigen nutzt das Web - 81 Prozent der Senioren mit hohen Einkommen.

44 Prozent der Senioren treiben Sport - zu früheren anderen Erhebungen ist das ein deutlicher Zuwachs. Bei dem Sprung ist es kein Wunder, dass sich die Senioren längst nicht so alt fühlen wie sie sind: Fast acht Jahre jünger empfinden sich die Rentner heute. Vor vier Jahren kam ihnen ihr eigener Jungbrunnen noch stärker vor - sie schätzten sich gefühlt um beinahe zehn Jahre jünger ein.

Dass die Senioren sich heute weniger jung fühlen als noch vor Jahren, zeigt offenbar sogar, wie sehr sich das Bild vom jungen Alten gefestigt hat. "Dadurch, dass Ältere heute fitter und aktiver sind und dies auch in ihrer Umgebung wahrnehmen, hat das Alter für die meisten Älteren keine abschreckende Wirkung mehr", sagt Allensbach-Experte Sommer. "Das Altersbild wandelt sich."

kig



insgesamt 245 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
observerlbg 01.03.2017
1. Das dürfte sich bald ändern!
Genau, Mutti, Vati, freud euch. Wir dürfen später "aufstocken". Dank der Auswirkungen von Agenda 2010, Niedrigzinspolitik und der Abschöpfung von Kapital durch die High Society. Und der Versäumnisse der Kohladministration in den Neunzigern. Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Na, vielleicht gibts später ja ne Lösung für mich wie bei Soilent green, freu mich schon drauf.
Fxxx 01.03.2017
2. Wer zahlt das alles?
Ich als junger Arbeitnehmer muss mehr als die Hälfte meines Einkommens für Steuer und Sozialabgaben lassen (Arbeitgeberanteil mit eingerechnet). Ca. 1/5 ist dabei allein die Rentenversicherung. Nebenbei muss ich noch privat vorsorgen, weil die Rentenkasse leer sein wird, wenn ich mit 70 Jahren in den Ruhestand gehe. Schade dass die jüngere Generation keine Zeit hat, sich politisch gegen die älteren Menschen zu wehren, die in der Mehrheit sind und in Saus und Braus leben, ohne viel vorgesorgt zu haben.
Olaf 01.03.2017
3.
Die heutigen Alten haben aber auch nicht bis 30 studiert, davon einen Teil im Ausland. Sie hatten kein Erziehungsgeld und keine 3 jährige Erziehungszeit. Was den Westen betrifft, mussten sie auch ohne Kitas und Kindergärten auskommen. Trotzdem bekamen sie mehr Kinder, als die jungen heute. Man muss das ganze Leben betrachten, wenn man an die Altersversorgung denkt. Auch wenn bei der Stimmungsmache heutzutage viel Zweckpessimismus dabei ist. Ich glaube nämlich nicht, dass es so schlimm wird. Wieviele Beitragszahler einmal die heutigen Jungen im Alter finanzieren müssen, liegt übrigens ganz bei den jungen Leuten. Das Kinder kriegen müssen sie schon selber hinbekommen, dass können die Alten nicht auch noch für sie erledigen.
benny_na_lievo 01.03.2017
4. @1.
Ja, die jungen Familien zahlen für die Kreuzfahrt, und das ist richtig so, ich tue das gern, haben doch die Rentner früher im aktiven Erwerbsleben für sie gesorgt. Das Problem ist eher, das die junge und die mittlere Generation wegen stagnierender Einkommen bei steigender Produktivität die Unternehmensgewinne mehrt, und diese bringen den Rentenkassen nichts. Darum bleibt den Jüngeren immer weniger, und nicht wegen der Rentner. Und darum werden die Jüngeren später schmale und auseinanderklaffende Renten haben.
_Nordlicht_ 01.03.2017
5.
Die beschriebenen haben auch zum gro nur die Regelabgaben bezahlt im rahmen der Lohnsteuer etc.. Man selber (also Rente im besten Fall noch 30+ Jahre entfernt), sogar im besseren Segment hat natürlich zusätzlich noch private Absicherung etc und ballert incl. privater Rentenvorsorge und BU für den "Rentenfall" z.T. an die 200 extra raus, nur um im Alter ähnlich dastehen zu können. Ist aber auch meckern auf hohem Niveau (schlimmer wohl für all die Leute die sich das nicht leisten können) Artikel vergisst aber auch genug Rentner die weniger Kreuzfahrtlastig sind... Interessant wohl auch, dass man noch viele Rentner hat die aus klassischen Situationen kommen (Ehe), gefühlt werden das in kommenden Generationen auch mehr "Singlerentner", was finanziell wohl auch schwieriger sein dürfte für solche Personen (Miete /2 ist immernoch weniger als /1).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.