Genmais Ministerium verschleppt Warnung

Man hat sich Zeit gelassen: Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat zu spät über den Fund von gentechnisch verändertem Saatgut informiert - und damit die Aussaat nicht genehmigter Maispflanzen ermöglicht. Der Schaden für die Bauern könnte in die Millionen gehen.

Genmais: Ärger um Pflanze der Firma Pioneer
DPA

Genmais: Ärger um Pflanze der Firma Pioneer


Hamburg - Man weiß nicht, ob es die langsame Bürokratie oder bewusstes Zurückhalten von Informationen war: Beamte des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums haben am 19. Februar festgestellt, dass eine Maissorte der Firma Pioneer gentechnische Verunreinigungen enthält. Dies wurde den Kollegen des Umweltministeriums aber erst gut zwei Monate später, am 27. April, mitgeteilt - obwohl sie für die Benachrichtigung und Warnung der Landwirte zuständig sind.

Da Mais als Sommergetreide gilt und bereits Mitte April bis Anfang Juni gesät wird, hat das Ministerium damit die Aussaat von nicht genehmigten Maispflanzen ermöglicht. Bei dem betroffenen Saatgut soll es sich um eine relativ große Charge handeln, die für die Bepflanzung von 2000 Hektar Land reicht. Der Schaden, der den betroffenen Landwirten durch die Vernichtung der bereits ausgesäten Maispflanzen entsteht, könnte deshalb in die Millionen gehen.

"Entweder wurde im Landwirtschaftsministerium geschlampt oder aus politischer Überzeugung bewusst in Kauf genommen, dass mit einer Aussaat von gentechnisch verändertem Mais quasi Fakten geschaffen werden", kritisiert Martin Hofstetter von Greenpeace. Im Umweltministerium und beim betroffenen Unternehmen ist man extrem verärgert über die schleppende Informationspolitik, das Landwirtschaftsministerium ist sich hingegen keiner Schuld bewusst.

Innerhalb der EU gilt ein Reinheitsgebot, deshalb prüfen die Bundesländer jeweils im Frühjahr stichprobenartig Saatgut. Werden gentechnische Verunreinigungen gefunden, nimmt der Hersteller die Pflanzensamen in der Regel rechtzeitig vom Markt.

sam



insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
richroady 05.06.2010
1. Fakten schaffen
da haben wie den Salat...die Lobbygruppen der Genmais Firmen haben mit Sicherheit ganze Arbeit geleistet. Jetzt können wir auch endlich Monsanto einladen, die Lucken ihrer Genbomber aufzureissen und ihre genmanipulierte Saat über den Feldern Deutschlands abzuwerfen. Frei nach dem Motto: keine Grund zur Sorge, die Grüne Gentechnik ist sicher--beweist doch erstmal das Gegenteil. Dabei sollte es genau anders herum sein. Auf Google Video gibts eine gute ARTE-Doku zu dem Thema: Monsanto, mit Gift und Genen. Link: http://video.google.com/videoplay?docid=-7781121501979693623#
silenced 05.06.2010
2.
Ja, die Korruption ist schlimm in D. Aber das weiss ja jeder, der weiss wie man die von Transparency International ausgestellten Listen richtig lesen muß. Einfach nur eine Riesenschweinerei mal wieder, nichts Neues allerdings, Alltag in D.
pulegon 05.06.2010
3. Informiert...
Zitat von sysopMan hat sich Zeit gelassen: Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat zu spät über den Fund von gentechnisch verändertem Saatgut informiert - und damit die Aussaat nicht genehmigter Mais-Pflanzen ermöglicht. Der Schaden für die Bauern könnte in die Millionen gehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,698921,00.html
Wirklich informativ wäre gewesen, wenn man denn wenigstens infomiert hätte, was an diesem gentechnischveränderten Saatgut so böse ist (was wurde denn verändert?). So wird wieder mal nur mit der Fantasie des Verbrauchers gespielt, was ihm jetzt alles in seinen Gedärmen rumlaufen könnte. Woran hat man denn erkannt, das es gentechnisch verändert ist? Charge zurückverfolgt? Blau geleuchtet im Dunkeln? Vllt. sogar Tabakmosaik-Promotor gefunden? Fragen über Fragen. Aber ich seh schon... es muss das Wissen reichen , dass Gentechnik drin ist (inklusive automatisierem Empörungsreflex) alles andere wäre viel zu differenziert.
maipiu 05.06.2010
4. Witz, komm raus!
Wer glaubt, dass gentechnisch veränderter Mais blau leuchtet, der glaubt auch, dass Monsanto diese Pflanzen herstellt, um den Hunger der Welt zu bekämpfen. Und der glaubt auch, dass BP funktionierende Methoden zur Bekämpfung der Ölpest hat und dass es sichere Methoden gibt, radioaktiven Müll über hunderttausend Jahre sicher zu lagern.
silenced 05.06.2010
5. <-->
Zitat von pulegonWirklich informativ wäre gewesen, wenn man denn wenigstens infomiert hätte, was an diesem gentechnischveränderten Saatgut so böse ist (was wurde denn verändert?). So wird wieder mal nur mit der Fantasie des Verbrauchers gespielt, was ihm jetzt alles in seinen Gedärmen rumlaufen könnte. Woran hat man denn erkannt, das es gentechnisch verändert ist? Charge zurückverfolgt? Blau geleuchtet im Dunkeln? Vllt. sogar Tabakmosaik-Promotor gefunden? Fragen über Fragen. Aber ich seh schon... es muss das Wissen reichen , dass Gentechnik drin ist (inklusive automatisierem Empörungsreflex) alles andere wäre viel zu differenziert.
Darum geht es ja gar nicht, es geht um die Meldung an sich. Sobald etwas gentechnisch verändert wurde, dann muß das sofort gemeldet werden, und nicht erst nach der Aussaat. Eventuell war es gar nichts 'schlimmes', aber so hat es wieder den Effekt der nun eingetreten ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.