Gerangel um Rettungspaket Griechenland drängt Euro-Länder zu rascher Hilfe

Griechenland braucht schnell neue Milliarden, doch die Euro-Staaten können sich nicht über das eigentlich schon versprochene zweite Hilfspaket einigen. Jetzt schlägt Regierungschef Papandreou Alarm: Wenn nicht bald etwas geschehe, sei das gesamte Rettungskonzept in Gefahr.

Griechenlands Premier Papandreou, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy: SOS an Europa
REUTERS

Griechenlands Premier Papandreou, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy: SOS an Europa


Athen - Der Hilferuf klingt dramatisch: "Wenn wir nicht bald die Entscheidung haben, dass das zweite Programm Griechenland schützt und das Land seine tiefgreifenden Reformen unternehmen kann, wird das Programm selbst unterlaufen", warnt der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland". Die aktuelle Stimmung helfe seinem Land nicht, aus der Krise zu kommen.

Seit Wochen verhandeln die Euro-Staaten über ein zweites Hilfspaket für das dramatisch überschuldete Griechenland. Insgesamt sollen 110 Milliarden Euro zusammenkommen. Strittig ist allerdings, wie und in welchem Umfang private Gläubiger beteiligt werden sollen. Diskutiert werden verschiedene Modelle, die entweder einen Umtausch alter Staatsanleihen in neue oder einen Rückkauf der Anleihen durch den griechischen Staat vorsehen. Solange in diesem Punkt keine Lösung gefunden sei, werde es auch keinen Euro-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs geben, hieß es am Mittwoch.

Papandreou äußerte sich positiv zu der Idee, dass die griechische Regierung mit Mitteln aus dem Euro-Rettungsfonds eigene Anleihen zurückkauft und die privaten Gläubiger dabei auf einen Teil der Rückzahlung verzichten. Dies könne Griechenland die Schuldenlast und den Schuldendienst erleichtern, sagte der Ministerpräsident.

Spanische Finanzministerin warnt vor "systemischer Krise"

Auch die spanische Finanzministerin Elena Salgado mahnte eine schnelle Entscheidung über das Griechenland-Hilfspaket an. "Wir reden nicht mehr über die Krise eines bestimmten Landes, sondern eher über eine systemische Krise", sagte Salgado der "Süddeutschen Zeitung". Wenn manche Fachleute sagten, eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands wäre zu verkraften, dann sei sie da "völlig gegenteiliger Meinung". Es müsse "alles getan werden, um so etwas zu vermeiden".

Die vor allem von Deutschland geforderte Beteiligung des Privatsektors bei Griechenland sei "keine gute Idee", kritisierte Salgado. Dass zuletzt die Risikoaufschläge für spanische und italienische Anleihen gestiegen seien, habe nichts mit den beiden Ländern zu tun. "In keinem der beiden Länder war etwas passiert." Grund seien allein die Instabilitäten an den Märkten wegen der vielen offenen Fragen um Griechenland.

Am Mittwoch hatte bereits der Internationale Währungsfonds IWF die Euro-Staaten zur Eile gedrängt. Mit deutlichen Worten forderte er die EU auf, ihre Streitigkeiten zu beenden. Eine umfassende Beteiligung des privaten Sektors sei angebracht, mahnte der IWF. Die darüber in der Öffentlichkeit geführte Debatte entwickele sich aber "zu einem ernsten Problem für die Glaubwürdigkeit des Hilfsprogramms".

Griechenland will private Steuerfahnder einsetzen

Griechenland hängt seit 2010 am Finanztropf der EU und des IWF. Aus dem ersten 110-Milliarden-Programm sind inzwischen 65 Milliarden Euro freigegeben. Auch Griechenland selbst will zur Sanierung der Staatsfinanzen beitragen. Vor wenigen Wochen hat das Parlament ein neues Sparprogramm auf den Weg gebracht, mit dem in den kommenden Jahren bis zu 80 Milliarden Euro über Steuererhöhungen, Sozialkürzungen und Privatisierungen zusammenkommen sollen.

Um die Einnahmen zu erhöhen, erwägt die griechische Regierung nun offenbar auch den Einsatz privater Steuerfahnder. "Es gibt in Griechenland 14000 Menschen, die dem Staat zusammen rund 36 Milliarden Euro an Steuern schulden", sagte Ministerpräsident Papandreou der "Financial Times Deutschland". "Auf diese Gruppe will sich der Finanzminister jetzt konzentrieren. Wir werden die Aufgabe wahrscheinlich an Privatfirmen outsourcen." Die Regierung habe den Eindruck, dass der Verwaltungsapparat das nicht könne und sich bei dieser Aufgabe nicht sehr wirkungsvoll gezeigt habe.

Auch die Banken sorgen sich zusehends um Griechenland. Laut Nachrichtenagentur Reuters wollen Vertreter internationaler Geldhäuser am Donnerstag in Rom zu Beratungen über die Hellas-Krise zusammenkommen. An dem Treffen des Weltbankenverbands IIF werde auch der Vorsitzende des EU-Wirtschafts- und Finanzausschusses, Vittorio Grilli, teilnehmen. Ein ähnliches Treffen hatte es bereits am 7. Juli gegeben. Im Gespräch ist eine Beteiligung privater Investoren am Griechenland-Hilfspaket.

stk/Reuters/dpa

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insgesamt 197 Beiträge
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Seite 1
winterfichte 14.07.2011
1. was griechenland alles will...
eigentlich fragt man ja höflich, wenn ich was will... scheinbar ist das nun alles anders. aber je schneller das ende, desto schneller die erholung. von dem reingesteckten geld sehen wir eh nichts wieder.
atomkraftwerk, 14.07.2011
2. .
"Griechenland hängt seit 2010 am Finanztropf der EU und des IWF" Nein, schon seit 50 Jahren am EU-Tropf. "Um die Einnahmen zu erhöhen, erwägt die griechische Regierung nun offenbar auch den Einsatz privater Steuerfahnder." Erwägen und durchsetzen ist noch immer in Unterschied. Außerdem hätte das vor dreißig Jahren schon geschehen sollen. Aber um rasche Hilfe betteln, schnell schnell noch ein paar Mrd. Denn es geht ja nicht um Hilfe sondern einzig um Geld.
klarseher 14.07.2011
3. Bitte keine weitere Insolvenzverschleppung!!!
Zitat von sysopGriechenland braucht schnell neue Milliarden, doch die Euro-Staaten können sich nicht über das eigentlich schon versprochene zweite Hilfspaket einigen. Jetzt schlägt Regierungschef Papandreou Alarm: Wenn nicht bald etwas geschehe,*sei das gesamte Rettungskonstrukt in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,774330,00.html
Griechenland geht jetzt geordnet in den Konkurs und verläßt sofort den Euroraum. Das ist hart, gerecht und bietet Griechenland die Chance des Neuanfanges mit eigener Drachme und eigenen Ideen!
phonoroid, 14.07.2011
4. man lernt immer dazu
Vielleicht lernt Frau Merkel noch auf ihre alten Tage, was es heisst “Staatsoberhaupt“(Zitat Merkel) zu sein und ein Land wirklich zu regieren - und dafür mit Sicherheit geschichtlich bewertet zu werden.Ehre und Fluch zugleich - aber verdient durch den Machtanspruch !
amerzenich, 14.07.2011
5. priv. Inkasso
Zitat von sysopGriechenland braucht schnell neue Milliarden, doch die Euro-Staaten können sich nicht über das eigentlich schon versprochene zweite Hilfspaket einigen. Jetzt schlägt Regierungschef Papandreou Alarm: Wenn nicht bald etwas geschehe,*sei das gesamte Rettungskonstrukt in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,774330,00.html
Mann kann doch auf bestehende Recourcen zurückgreifen um dem Griechen zu helfen: Moskau-Inkasso - sehr effektiv im Eintreiben von Aussenständen, gleich welcher Art.
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