Gerichtsurteil Arbeitnehmer dürfen offen über ihr Gehalt reden

Gehalt ist für viele ein Tabuthema - doch aus rechtlicher Sicht gibt es keinen Grund, die Höhe seines Verdienstes zu verheimlichen. Klauseln in Arbeitsverträgen, die zum Stillschweigen verpflichten, sind laut Urteil des Landesarbeitsgerichts Rostock unwirksam.

Arbeitgeber dürfen ihre Mitarbeiter nicht zum Stillschweigen über ihr Gehalt verpflichten
Corbis

Arbeitgeber dürfen ihre Mitarbeiter nicht zum Stillschweigen über ihr Gehalt verpflichten


Rostock - Wie viel verdienst du? Diese Frage müssen sich Arbeitnehmer nicht hinter vorgehaltener Hand in der Kaffeeküche zuraunen. Vielmehr dürfen sie über ihr Gehalt frei reden. Das ergibt sich aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommerns in Rostock. Zusätze im Arbeitsvertrag, die zum Stillschweigen über die Höhe der Bezüge verpflichten, sind demnach unwirksam.

Das Urteil bezieht sich auf einen Fall, in dem ein Arbeitnehmer sich trotz einer entsprechenden Klausel in seinem Vertrag mit einem Kollegen über seine Bezüge ausgetauscht und prompt eine Abmahnung erhalten hatte. Dagegen zog er vor Gericht - und gewann. Die Klausel benachteilige den Arbeitnehmer unangemessen, urteilten die Richter. Jeder Arbeitnehmer dürfe frei über sein Gehalt reden.

Das Gespräch mit Kollegen sei schließlich die einzige Möglichkeit festzustellen, ob der Arbeitgeber bei der Lohnhöhe den Gleichbehandlungsgrundsatz einhalte. Ein derartiges Verbot verstoße auch gegen die sogenannte Koalitionsfreiheit, weil es Mitteilungen über die Lohnhöhe an eine Gewerkschaft verbiete. Wenn aber die Gewerkschaften die Lohnstruktur eines Unternehmens nicht kennen, seien sinnvolle Arbeitskämpfe unmöglich.

(Az.: 2 Sa 237/09)

lgr/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
sappelkopp 12.08.2010
1. Ach...
... das Urteil überrascht ja nun niemanden. Nur wer will das? In Deutschland offen über sein Gehalt reden, hier weiß ja oftmals die eigene Ehefrau nicht, was ihr verdient.
quadraginti, 12.08.2010
2. Rechtsberater
Die Firma hatte wohl denselben trotteligen Rechtsberater, der die *Dortmunder Frikadellenkündigung* gemanagt hatte?
doublebass 12.08.2010
3. titel
Zitat von sysopGehalt ist für viele ein Tabuthema - doch aus rechtlicher Sicht gibt es keinen Grund, die Höhe seines Verdienstes zu verheimlichen. Klauseln in Arbeitsverträgen, die zum Stillschweigen verpflichten, sind laut Urteil des Landesarbeitsgerichts Rostock unwirksam. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,711601,00.html
ich arbeite im gesundheitsbereich bei einem kirchlichem arbeitgeber. im gespräch kam neulich heraus, dass es 2 verschiedene "tarife" gibt, wobei es so ist, dass ein neuer mitarbeiter auch nach langer zugehörigkeit nie dasselbe verdienen wird wie ein mitarbeiter, der noch zu "alten" bedingungen eingestellt wurde. wie siehts denn da mit dem gleichbehandlungsgrundsatz aus? haben die neuen ma chancen wenn sie klagen?
Newspeak, 12.08.2010
4. ...
Die Deutschen sind einfach nur dumm, wenn sie nicht über ihren Verdienst reden, denn so ist es für den Arbeitgeber ein leichtes die gleiche Arbeit unterschiedlich zu entlohnen. Solange sich keiner aufregt, werden so zigtausend Menschen ausgebeutet, alle in dem Irrglauben, sie würden gut bezahlt.
crunchy_frog 12.08.2010
5. ...
Zitat von sappelkopp... das Urteil überrascht ja nun niemanden. Nur wer will das? In Deutschland offen über sein Gehalt reden, hier weiß ja oftmals die eigene Ehefrau nicht, was ihr verdient.
Also Ihre Ehefrau will ich aber nicht sein ;-)
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