Geringe Zustimmung Bayerns Hausärzte scheitern mit Kassenausstieg

Der Ausstieg der bayerischen Hausärzte aus dem System der Gesetzlichen Krankenversicherung ist vorerst geplatzt. Nur knapp 40 Prozent der Ärzte votierten für einen solchen Schritt. Der Verband bezeichnete die Entscheidung als "schweren Schlag" - hofft aber noch auf einen Sinneswandel.

Verbandschef Hoppenthaller: "Schwerer Schlag für die hausärztliche Versorgung"
dpa

Verbandschef Hoppenthaller: "Schwerer Schlag für die hausärztliche Versorgung"


Nürnberg - Der Ausstieg der bayerischen Hausärzte aus dem System der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist erst einmal gescheitert. Auf einer Vollversammlung des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) am Mittwochabend in Nürnberg erklärten sich nur 39 Prozent der rund 7000 Verbandsmitglieder zum Verzicht auf die Kassenzulassung bereit. 60 Prozent wären nötig gewesen.

BHÄV-Chef Wolfgang Hoppenthaller zeigte sich von diesem Ergebnis enttäuscht. Er hatte auf mindestens 60 Prozent Zustimmung gehofft. "Das ist ein schwerer Schlag für die hausärztliche Versorgung", sagte er nach der Abstimmung.

Endgültig gescheitert ist die Aktion aber noch nicht. Laut Hoppenthaller haben die Mitglieder bis 18. Februar 2011 Zeit, ihren Verzicht doch noch zu erklären. Diese Zeit wolle er nutzen, um in regionalen Veranstaltungen für den Ausstieg zu werben, sagte er. Auch wenn bayernweit weniger als die benötigten 60 Prozent für den Ausstieg gestimmten, so zeigten Quoten von 50 Prozent in Ober- und Unterfranken den hohen Grad der Unzufriedenheit. "Das sollte Politik und Kassen zu denken geben", sagte er.

Warnungen aus München und Berlin

Das Scheitern der Abstimmung erklärte er mit der offensichtlichen Angst der Mediziner, den "Schritt ins Unbekannte zu wagen". Es sei durchaus der Traum der Ärzte gewesen, aus dem Kassensystem auszusteigen, sagte er.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte die Hausärzte zuvor gewarnt, mit einer Rückgabe ihrer Klassenzulassung eine "rote Linie" zu überschreiten. "Das kann kein Ministerpräsident und keine Regierung akzeptieren", hatte Seehofer noch am Dienstag betont.

In Berlin hatte Gesundheitsstaatssekretär Stefan Kapferer (FDP) die Ärzte auf die finanziellen Folgen eines möglichen Ausstiegs hingewiesen: "Wer aus dem Kassensystem aussteigt, darf die nächsten sechs Jahre nicht mehr als Kassenarzt arbeiten".

Die Folge eines Ausstiegs wäre nach Einschätzung von Gesundheitsexperten ein Beben gewesen, das das gesamte deutsche Gesundheitswesen erschüttern würde - und keineswegs nur die Kassenärztlichen Vereinigungen. Welche Folgen ein Ausstieg für die Patienten genau hätte, ist aber weiter strittig.

Erleichterung bei Politikern

Entsprechend erleichtert reagierte die schwarz-gelbe Koalition in Berlin. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Johannes Singhammer (CSU), forderte die Hausärzte in der "Süddeutschen Zeitung" auf, jetzt den Boden für neue Verhandlungen zu ebnen. "Die bayerischen Hausärzte sollten das klare Ziel verfolgen, sich bald mit den Krankenkassen zusammenzusetzen und einen neuen Hausarztvertrag auszuhandeln, der im beiderseitigen Interesse ist."

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung reagierte ebenfalls erleichtert auf die Entscheidung. "Hier hat die Vernunft und realistische Einschätzung der individuellen Wirtschaftssituation der Ärzte gesiegt", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg.

jok/wit/yes/dpa/dapd

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menne 22.12.2010
1. War zu erwarten
woher sollten denn die Kunden kommen, diesie schließlich brauchen. Sie alle zu Privatpatienten machen ging wohl nicht. Wann sollte erst einen Gegner angreifen, wenn man ihn auch besiegen kann.
steiger68 22.12.2010
2. Traurig
Zitat von sysopDer Ausstieg*der bayerischen Hausärzte aus dem System der Gesetzlichen Krankenversicherung*ist vorerst geplatzt. Nur knapp 40 Prozent der Ärzte votierten für einen solchen Schritt. Der Verband bezeichnete die Entscheidung als "schweren Schlag" - hofft aber noch auf*einen Sinneswandel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,736199,00.html
Ich finde es sehr schade daß es immer noch genügend Ärzte gibt, die dieses durch und durch unsoziale Gesundheitswesen stillschweigend weiter unterstützen. Hier wurde, vorerst einmal, die einmalige Chance vertan den Besitzstandswahrern diese Systems die rote Karte zu zeigen. Den Kassen geht es doch nur ums Geld, genauso wie der Kassenärztlichen Vereinigung, deren eigentliche Aufgabe als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts es sein sollte, unsere Beiträge zum Wohle der Patienten an die Ärzte und zur Behandlung der Patienten zu verteilen. Stattdessen wollen diese Herren doch nur ihre Pfründe sichern. Mir tun jetzt vor allem dijenigen Ärzte leid, die durch Werbung in ihren Praxen für die AOK Bayern mindestens 20.000 Patienten mit dem Versprechen einer besseren Versorgung zum Wechsel von den Ersatzkassen zur AOK bewogen haben. Jetzt ist dieser Hausarztvertrag fristlos gekündigt worden und durch die Fallzahlregelung spült die KV nun einen warmen Geldregen in die Kasse der finanziell klammen AOK. Dies war einzig und allein der wahre Grund, ihre Mitgliederzahlen zu erhöhen. Die schamlose Drohung der Politiker in München hat ihr übriges getan um die Mediziner einzuschüchtern. Dabei ging es gar nicht um mehr Geld, wie immer wieder gegen besseres Wissen gestreut wird, sondern die Hausärzte wollten lediglich verlässliche Verträge mit längeren Laufzeiten und eine Entlastung von der überbordenden Bürokratie die ihnen von den Kassen und vor allem der KV aufgezwungen wurde. Söder hat vor ein paar Tagen erst selbst zugegeben daß ein Arzt für eine Behandlung eines Patienten, die vier Minuten daert, noch einmal 12 Minuten Bürokram erledigen muß um diese Behandlung für die KV und die Kassen zu dokumentieren. Die Ärzte wollen nicht mehr und nicht weniger als endlich wieder ihrer eigentlichen Berufung nachgehen zu können, nämlich Patienten zu behandeln und zu heilen und nicht den Kassen die Büroarbeit abzunehmen. Und komme mir jetzt nicht wieder jemand mit den Lügen von den sehr gut verdienenden Ärzten. Auch durch- gezielt gestreute- Äußerungen seitens der Politik wird diese Lüge nicht wahrer! Wenn ihr gesund seid freut euch und genießt ein hoffentlich friedliches Weihnachtsfest, und solltet ihr krank sein wünsche ich euch aus ehrlichem Herzen "Gute und baldige Genesung". Frohes Fest wünscht allen...Steiger68
Neuer Debattierer 22.12.2010
3. Hoppenthallers Fehleinschätzung
Zitat von sysopDer Ausstieg*der bayerischen Hausärzte aus dem System der Gesetzlichen Krankenversicherung*ist vorerst geplatzt. Nur knapp 40 Prozent der Ärzte votierten für einen solchen Schritt. Der Verband bezeichnete die Entscheidung als "schweren Schlag" - hofft aber noch auf*einen Sinneswandel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,736199,00.html
Das war es dann wohl mit der Ära Hoppenthaller. Hoch gepokert und verloren. Bin mal gespannt, ob er jetzt auch bereit ist, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.
mm01 23.12.2010
4. ....
Zitat von sysopDer Ausstieg*der bayerischen Hausärzte aus dem System der Gesetzlichen Krankenversicherung*ist vorerst geplatzt. Nur knapp 40 Prozent der Ärzte votierten für einen solchen Schritt. Der Verband bezeichnete die Entscheidung als "schweren Schlag" - hofft aber noch auf*einen Sinneswandel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,736199,00.html
SpOn sollte doch bitte etwas genauer recherchieren. Nicht der Ausstieg aus dem System der gesetzlichen Krankenversicherung ist geplant, sondern .... ? Ja, lieber SpOn? Das Nachplappern eines erfolglosen, bayerischen MP zeugt nicht von Sachkenntnis.
fracaso 23.12.2010
5. "Nur" 40%
Zitat von sysopDer Ausstieg*der bayerischen Hausärzte aus dem System der Gesetzlichen Krankenversicherung*ist vorerst geplatzt. Nur knapp 40 Prozent der Ärzte votierten für einen solchen Schritt. Der Verband bezeichnete die Entscheidung als "schweren Schlag" - hofft aber noch auf*einen Sinneswandel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,736199,00.html
"Nur" 40%? das sind immerhin 40%, die sich aus der solidargemeinschaft verabschieden wollen. ist das erschreckend oder eher bezeichnend für die vornehmliche klientel der rösner- , pardon, röslerpartei? fällt mir ein schlagwort zu ein: payback!
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