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Geringverdiener in Deutschland: Wo die Niedriglöhner malochen

So groß war der deutsche Niedriglohnsektor noch nie: Nach den Kriterien der OECD bezieht inzwischen jeder fünfte Arbeitnehmer ein Billiggehalt. Besonders hoch ist die Quote der Geringverdiener in Mecklenburg-Vorpommern - aber auch in Schleswig-Holstein.

Demonstration für Mindestlöhne: Im Osten ist der Anteil der Geringverdiener hoch Zur Großansicht
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Demonstration für Mindestlöhne: Im Osten ist der Anteil der Geringverdiener hoch

Hamburg - Der Anteil der Beschäftigten unterhalb der Niedriglohnschwelle ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das geht aus aktuellen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Demnach verdienten im vergangenen Jahr 4,6 Millionen der rund 21 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten monatlich weniger als 1800 Euro brutto. Ihr Anteil hat sich zwischen 1999 und 2010 in Westdeutschland von 16,6 auf 20,8 Prozent und in Ostdeutschland von 17,9 auf 21,1 Prozent erhöht.

Bei der Berechnung wird eine Definition der OECD zugrunde gelegt: Dabei gilt als Geringverdiener, wer weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten erhält.

Die Niedriglohnschwelle, die sich aus dieser Definition ergibt, lag im Jahr 2010 bei 1802 Euro. Wer brutto weniger verdient, gilt als Geringverdiener. Wegen des starken Lohngefälles zwischen West- und Ostdeutschland unterscheiden die Experten der Bundesagentur für Arbeit allerdings: Die Niedriglohnschwelle West liegt bei 1890 Euro, die Niedriglohnschwelle Ost bei 1379 Euro.

Legt man diese unterschiedlichen Grenzen zugrunde, hat das Bundesland Schleswig-Holstein den höchsten Anteil an Geringverdienern: 27 Prozent der Vollzeitbeschäftigten blieben im vergangenen Jahr unterhalb der Niedriglohnschwelle. In Niedersachsen waren es 25,2 Prozent.

Würde man für Ost und West die gleiche Niedriglohnschwelle anlegen, kämen die höchsten Werte allerdings aus den neuen Bundesländern - vor allem aus Mecklenburg-Vorpommern.

Wo die Billiglöhner arbeiten
Anteil der Beschäftigten mit Entgelten unterhalb der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle
(1802 Euro)
Anteil der Beschäftigten mit Entgelten unterhalb der westdeutschen Niedriglohnschwelle
(1890 Euro)
Anteil der Beschäftigten mit Entgelten unterhalb der ostdeutschen Niedriglohnschwelle
(1379 Euro)
Gesamt 22,8
(bundesweit)
20,8
(West - ohne Berlin)
21,1
(Ost - einschl. Berlin)
Mecklenburg-Vorpommern 44,9 23,8
Sachsen 43,8 23,0
Thüringen 43,8 22,5
Sachsen-Anhalt 41,8 21,9
Brandenburg 41,6 21,2
Berlin 28,2 15,9
Schleswig-Holstein 24,1 27,0
Niedersachsen 22,5 25,2
Rheinland-Pfalz 20,9 23,1
Saarland 20,0 22,2
Bremen 19,7 21,8
Nordrhein-Westfalen 18,4 20,4
Bayern 18,3 20,6
Hessen 17,2 19,2
Hamburg 17,2 19,1
Baden-Württemberg 16,4 18,2
Alle Angaben in Prozent
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

stk

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insgesamt 544 Beiträge
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1. das Schwein wählt seinen Schlachter
spon-1277755831106 10.11.2011
wäre interessant zu wissen, wie viele von den Niedriglöhnern CSU/CDU bzw. FDP gewählt haben. Vermutlich mehr als wir denken.
2. Haben wird der SPD und den Grünen zu..
lynx2 10.11.2011
Zitat von sysopSo groß war der deutsche Niedriglohnsektor noch nie: Nach den Kriterien der OECD bezieht inzwischen jeder fünfte Arbeitnehmer ein Billiggehalt. Besonders hoch ist die Quote der Geringverdiener in Mecklenburg-Vorpommern - aber auch in*Schleswig-Holstein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797048,00.html
... verdanken und denen, die sie gewählt haben. Schröder war der große Reproletarisierer Deutschlands. Weitere Kriminelle, die mitgewirkt haben, waren Clement und Hartz.
3. Ganz schön
rsi 10.11.2011
1800 Euro bundesdeutscher Niedriglohn. Das sind fast 3600 DM. Vielleicht ist es genauer, wenn man titelt: Neue Niedriglohngrenze! Jetzt wieder ein neuer Rekord der Geringverdiener! Jedem, der daran etwas ändern möchte, kann ich nur empfehlen: Arbeitsplätze schaffen, die mehr einbringen. Es ist immer so schön einfach, sich ein Regelwerk auszudenken, das andere dazu zwingen soll, das zu erreichen. Und selbst dann empört auf diese Anderen blicken. Wieviel neue, gut bezahlte Arbeitsplätze hat z.B. der Spiegel geschaffen? Wäre doch mal eine tolle Zahl in so einem Bericht. Selbst kürzen und dann Geld mit Berichten verdienen, die das bei Anderen anprangern, fände ich nicht okay.
4. schlechte Analyse
indosolar 10.11.2011
Zitat von spon-1277755831106wäre interessant zu wissen, wie viele von den Niedriglöhnern CSU/CDU bzw. FDP gewählt haben. Vermutlich mehr als wir denken.
Dort wo die Niedriglöhne am gravierensten sind, MV und Sachsen wählen 26,2 und 24,4 % am rechten und linken Rand. In Bayern gibt es keine Extremisten im Landtag in Hessen auch nicht. Verbissene Beobachter sehen daher in Niedriglöhnen vielleicht eine Gefahr für die Demokratie, insofern wählen die Armen tatsächlich ihre Schlächter!
5. Tchja....
unemployed50 10.11.2011
Zitat von sysopSo groß war der deutsche Niedriglohnsektor noch nie: Nach den Kriterien der OECD bezieht inzwischen jeder fünfte Arbeitnehmer ein Billiggehalt. Besonders hoch ist die Quote der Geringverdiener in Mecklenburg-Vorpommern - aber auch in*Schleswig-Holstein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797048,00.html
[Zitat][Zitat] Ich würde sagen da ist noch genug Luft nach unten. CDUCSUFDPSPDGRÜNE macht euch ran, da gibs noch viel zu holen! Ironie off Gruß H.P.
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