Gescheitertes Steuerabkommen: Zahl der Selbstanzeigen in NRW vervierfacht sich

Schweizer Flagge spiegelt sich in CD:  Mehr  Selbstanzeigen im ersten Halbjahr Zur Großansicht
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Schweizer Flagge spiegelt sich in CD: Mehr Selbstanzeigen im ersten Halbjahr

Das Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz treibt deutsche Steuerhinterzieher offenbar zur Selbstanzeige: In Nordrhein-Westfalen gestanden im ersten Halbjahr 2013 mehr als 1500 Menschen, Einkommen nicht voll versteuert zu haben - mehr als viermal so viele wie in den ersten sechs Monaten 2012.

Düsseldorf - Nach dem endgültigen Scheitern des deutsch-schweizerischen Steuerabkommens hat sich die Zahl der Selbstanzeigen in Nordrhein-Westfalen vervierfacht. In NRW seien im ersten Halbjahr bereits 1528 Selbstanzeigen mit Bezug auf die Schweiz eingelaufen, erklärte das Landesfinanzministerium. Von Januar bis Anfang Juli 2012 seien es lediglich 347 gewesen.

Das Abkommen war im Dezember am Widerstand der von SPD und Grünen geführten Länder im deutschen Bundesrat gescheitert. NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hat sich dabei besonders stark gegen das von der Bundesregierung geplante Steuerabkommen eingesetzt. "Für manch einen ist und bleibt die Furcht vor der Entdeckung das wichtigste Argument für eine Selbstanzeige, wenn es zur Steuerehrlichkeit nicht gereicht hat", erklärt Walter-Borjans.

"Keine Hoffnung mehr auf Amnestie"

Besonders im Mai und Juni seien die Selbstanzeigen deutlich gestiegen: Im Mai waren es 365, im Juni sogar 452. "Anders als in den ersten sechs Monaten 2012 gab es in diesem Halbjahr keine Hoffnung mehr auf eine Amnestie ohne Preisgabe der Identität, wie sie das unfaire Steuerabkommen mit der Schweiz geboten hätte", erklärte das Ministerium.

Steuerhinterzieher können sich unter bestimmten Bedingungen selbst anzeigen und damit eine Strafverfolgung vermeiden. Voraussetzung ist allerdings, dass sie den gesamten Umfang der Steuerhinterziehung angeben. Auch darf ihnen nicht bekannt sein, dass Ermittlungen gegen sie laufen oder bevorstehen, weil die Straftat bereits entdeckt wurde.

Das von der Bundesregierung ausgehandelte Abkommen hatte für künftige Erträge auf Schweizer Bankkonten eine Besteuerung wie in Deutschland vorgesehen und für Altfälle eine pauschale und anonyme Nachversteuerung. SPD und Grüne hatten kritisiert, dies sei eine Amnestie für Steuerkriminelle, die auch in Zukunft ihre wahre Identität verschleiern könnten.

ade/dpa/AFP

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1. Steuerabkommen
kdshp 09.07.2013
Zitat von sysopDPADas Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz treibt deutsche Steuerhinterzieher offenbar zur Selbstanzeige: In Nordrhein-Westfalen gestanden im ersten Halbjahr 2013 mehr als 1500 Menschen, Einkommen nicht voll versteuert zu haben - mehr als vier Mal so viele wie in den ersten sechs Monaten 2012. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gescheitertes-steuerabkommen-mit-schweiz-mehr-selbstanzeigen-in-nrw-a-910239.html
WOW hätte nicht gedacht das so viele sind die steuern hinterziehen also von denen wo es sich lohnt das ins ausland zu bringen. WAS mich wundert ist das wenn angeblich so viel abgehört wird (internet telefon) das man über diesen weg nicht mehr erwischt. Oder werden diese daten zurückgehalten?
2. Na also,...
kaischek 09.07.2013
...geht doch!
3. Interessanter Aspekt
kabian 09.07.2013
Zitat von kdshpWOW hätte nicht gedacht das so viele sind die steuern hinterziehen also von denen wo es sich lohnt das ins ausland zu bringen. WAS mich wundert ist das wenn angeblich so viel abgehört wird (internet telefon) das man über diesen weg nicht mehr erwischt. Oder werden diese daten zurückgehalten?
Das wundert mich nicht. Nicht jeder Stratäter wird verfolgt. Es wäre ein einfaches das zu realisieren. Auch hier im Forum gab es des öfteren Leute, die sich mit ihren Steuerstraftaten brüsteten. Mich würde interessieren wenn jemand zum Beispiel ein Mädchen gefangen hält und sich hier im Forum dazu äußert. Was würde wohl geschehen?
4. Verrückte Welt
eule_neu 09.07.2013
Wir regen uns in DEeutschland über den Datenklau der NSA auf, aber man stiftet in der Schweiz durch deutsche Steuerbeamte a.D. z.B. zum Datenklau an und freut sich, wenn seltsame Typen mit desolatem persönlichen Hintergrund dann die schweizer Bankdaten auf CD in Deutschland abliefern, so dass die Steuerbehörden mit Diebesgut Steuersünder belangen können. Welche wundersame Welt muss in vielen Hirnen unserer Regierenden herumgeistern? Im Grunde sind doch diese Leute für das NSA-Modell! Die Bundesanwaltschaft muss endlich eingreifen und den Datenklau in der Schweiz wie auch der NSA gerichtlich stoppen! Oder haben die Schlapphutganoven und das andere Gesindel die Oberhand über unsere Gesetze gewonnen? Dann gute Nacht, Deutschland. Oder aber die aufrechten Demokraten lassen in ihrem Protest nicht locker, bis die herrschenden kriminellen Zustände des Datendiebstahls beendet werden. Ist schon seltsam, dass man in einer Demokratie nicht einmal der eigenen Regierung noch trauen kann ...
5.
Jochen Binikowski 09.07.2013
Mal sehen wie lange es diesmal dauert bis uns ein CH-Forist erklärt dass die CDs Hehlerware und wie dumm die Deutschen und wie intelligent die Schweizer sind.
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