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Gesenkte Kreditwürdigkeit: Rating-Riese verramscht Griechenland

Eine der wichtigsten Rating-Agenturen gibt Griechenland keine Chance mehr: Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Landes um drei Noten herabgestuft. Auch Portugals Bonität nimmt radikal ab - an den Börsen bricht Unruhe aus.

Griechische Nationalbank: Keine Refinanzierung an den Märkten mehr möglich Zur Großansicht
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Griechische Nationalbank: Keine Refinanzierung an den Märkten mehr möglich

New York - Die Staatspleite Griechenlands rückt gefährlich nahe: Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat Athens Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus heruntergestuft. Das hochverschuldete Land werde nun nur noch mit BB+/B bewertet, teilte S&P am Dienstag mit. Damit wurde die Einstufung um drei Noten verringert. Auch der Ausblick sei negativ. Dem Land drohe somit eine weitere Herabstufung.

Die neue Einschätzung reflektiere die politischen, wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Herausforderungen für die griechische Regierung, sagte der zuständige Analyst Marko Mrsnik. Diese erschwerten es, die Schuldenlast wieder auf ein tragbares Niveau zu bringen. Für die Regierung in Athen hat die Aussage von S&P fatale Folgen, denn Kredite werden für das Land dadurch unerschwinglich.

Und damit nicht genug: S&P stufte am Dienstag auch die Kreditwürdigkeit Portugals herab. Das Rating werde von "A+" auf "A-" reduziert, teilte die Agentur mit. Der Ausblick für das Rating bleibt auch hier negativ.

Der Euro sinkt auf ein Jahrestief

An den Finanzmärkten löste die Herabstufung beider Länder große Unruhe aus. Die Furcht ist offenbar groß, dass die Probleme Griechenlands auf andere Länder in der Euro-Zone übergreifen könnten. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen gab um fast drei Prozent nach. Der Euro Chart zeigen sank binnen kürzester Zeit nach Bekanntgabe der Herabstufungen auf ein neues Jahrestief. "Die Probleme weiten sich aus, das schürt Angst", sagte ein Händler.

Auch an der Wall Street ging es bergab: Alle Indizes verloren mehr als ein Prozent.

"Die Herabstufung um zwei Noten reflektiert die vergrößerten haushaltspolitischen Risiken", sagte Kai Stukenbrock, Portugal-Experte bei S&P. Der negative Ausblick signalisiere weitere Herabstufungen, falls die Konsolidierung nicht gelinge. Trotz der Reformen der portugiesischen Regierung im öffentlichen Sektor bleibe der Haushalt schwach, schrieb S&P. Die portugiesische Regierung müsse daher Sparmaßnahmen ergreifen, die über die bisher getroffenen Maßnahmen hinausgingen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte davor, die neue Situation überzubewerten. "Die Lage in Portugal und Spanien sieht entspannter aus", sagte er. Nun komme es darauf an, bei den anstehenden Milliardenhilfen für Griechenland einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Griechen hätten über ihre Verhältnisse gelebt und müssten möglichst schnell ein weiteres Sparprogramm für die Jahre 2011/12 vorlegen.

Griechenland bezeichnete die Herabstufung als "unerklärlich". "Es ist nunmehr ein klar europäisches Thema", sagte der griechische Regierungssprecher Giorgos Petalotis kurz nach der Veröffentlichung der S&P-Einstufung.

Schon zuvor hatte die Regierung in Athen klar gestellt, dass sie kein Geld mehr auf den internationalen Finanzmärkten aufnehmen könne. Die in Aussicht gestellten Nothilfen der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) müssten daher bis zum 19. Mai bereitstehen, sagte Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Dienstag. Es ist das erste Mal, dass Athen erklärt, tatsächlich keine neuen Kredite mehr aufnehmen zu können.

Spanien schlägt Sondergipfel am 10. Mai vor

Um schnell handeln zu können, hat die spanische Ratspräsidentschaft der Europäischen Union einen Sondergipfel vorgeschlagen. Wie der staatliche spanische Rundfunk RNE am Dienstag unter Berufung auf Madrider Regierungskreise berichtete, soll das Treffen nach dem Vorschlag von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero am 10. Mai in Brüssel stattfinden. Auf dem Gipfel könnte eine Milliarden-Finanzhilfe für die Griechen verabschiedet werden.

Die EU-Kommission erarbeitet derzeit mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Sanierungsprogramm für Griechenland. Es ist eine Bedingung dafür, dass die Euro-Länder und der IWF die schon grundsätzlich beschlossenen Kredite für Griechenland gewähren, um das Land vor einer Staatspleite zu bewahren.

Die anhaltenden Diskussionen über Bedingungen und Zeitpunkt einer Rettungsaktion für Athen hatten die Risikoprämie für griechische Staatsanleihen bereits am Dienstagnachmittag auf einen neuen Höchststand getrieben. Die Differenz zwischen den Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen zu denen auf Bundesanleihen stieg auf 6,8 Prozentpunkte. Die Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen beliefen sich damit auf 9,85 Prozent.

Der Fraktionschef der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz, nahm die Entwicklung an den Märkten zum Anlass, die zögerliche Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der EU-Kommission zu kritisieren. Die Maßnahmen hätten schon im Februar oder März ergriffen werden müssen, sagte Schulz in der ZDF-Sendung "Heute in Europa". So wäre die jetzt eingetretene dramatische Lage in Griechenland vermeidbar gewesen.

Finanzminister Schäuble: "Wir lassen Griechenland nicht fallen"

Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich unterdessen gegen die Forderung auch aus den eigenen Reihen gestellt, die Banken und andere Gläubiger am Hilfspaket für Griechenland zu beteiligen. "Lassen Sie es mich ganz deutlich sagen: Es geht nicht um Umschuldung, das ist kein Thema, und davon redet auch niemand, der in der Regierung ein Amt hat", sagte der CDU-Politiker dem "Handelsblatt". "Es muss uns jetzt darum gehen, das Hilfspaket, das wir am 11. April in der Eurogruppe formuliert haben, zu konkretisieren und umzusetzen und damit ein klares Signal zu senden, dass wir Griechenland nicht fallenlassen", sagte Schäuble.

Er wisse nicht, wie die Forderung nach Bankenbeteiligung umzusetzen wäre, ohne über Umschuldung zu sprechen "und damit die Situation weiter zu destabilisieren". Deshalb sei die Umschuldung in den Verhandlungen von IWF, EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank mit der griechischen Regierung "nicht Thema".

yes/Reuters/dpa-AFX

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rkan 27.04.2010
Zitat von sysopEine der wichtigsten Rating-Agenturen gibt Griechenland keine Chance mehr: Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Landes um drei Noten herabgestuft. Auch Portugals Bonität nimmt radikal ab - an den Börsen bricht Unruhe aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691651,00.html
Naja zunächst einmal gibt sich Griechenland selbst keine Chance mehr, wenn es heißt der Schuldendienst kann nicht mehr finanziert werden.
2. Ich kauf dann wieder beim Stand von 2000
verbal_akrobat 27.04.2010
Zitat von sysopEine der wichtigsten Rating-Agenturen gibt Griechenland keine Chance mehr: Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Landes um drei Noten herabgestuft. Auch Portugals Bonität nimmt radikal ab - an den Börsen bricht Unruhe aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691651,00.html
...es sind Fiktionen über die hier Diskutiert wird, am besten wäre es die Berichterstattung zu verbieten und seine Zeit mit sinnvollerem zu verbringen. Ob Rudolf Augstein glücklich über die derzeitige Arbeit dieser Redaktion wäre...!??!!??!?!?!
3. das Volk rated die Volksvertreter down
spiegelmaus 27.04.2010
Solange der Konsens besteht, dass Geldgeschäfte nicht an ethische und moralische Regeln gebunden sind, und der Händler für Waren Schulter an Schulter neben dem Händler für Spekulationsgeschäfte steht, solange die Politiker dieses System bedingungslos unterstützen und immer wieder mit dem Volksvermögen dafür bürgen, solange die Politik von der Angst vor einer Destabilisierung und einem Zusammenbruch des Systems beherrscht wird, und daher aus dem Munde der Volksvertreter nur noch Doppelzüngigkeit, Halbherzigkeit, Prinzipienlosigkeit, Oberflächlichkeit, Verantwortungslosigkeit und Unehrlichkeit kommen, solange umlauern die Krisendämonen die Tänzer um das Goldene Kalb, und die Politiker und Finanzmänner werden keine ruhige Nacht mehr haben!
4. Die USA reiben sich die Hände
rabenkrähe 27.04.2010
Zitat von sysopEine der wichtigsten Rating-Agenturen gibt Griechenland keine Chance mehr: Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Landes um drei Noten herabgestuft. Auch Portugals Bonität nimmt radikal ab - an den Börsen bricht Unruhe aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691651,00.html
...... Und die USA reiben sich die Hände: Da fallen ihre irrwitzigen Schulden glatt nicht mehr auf und ihre Währung erstarkt ohne eigenes Zutun von Minute zu Minute... rabenkrähe
5. Alles doch nicht so schlimm, wie erwartet.
Kurt Köster 27.04.2010
Zitat von sysopEine der wichtigsten Rating-Agenturen gibt Griechenland keine Chance mehr: Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Landes um drei Noten herabgestuft. Auch Portugals Bonität nimmt radikal ab - an den Börsen bricht Unruhe aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691651,00.html
"Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte davor, die neue Situation überzubewerten. "Die Lage in Portugal und Spanien sieht entspannter aus", sagte er." Mir fällt ein Stein vom Herzen.
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Grafik Chart Schulden Griechenland bei Banken im Ausland Zur Großansicht
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Grafik Chart Schulden Griechenland bei Banken im Ausland

EU-Rettungsplan für Griechenland
Die Hilfe
Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.
Das Geld
Wirtschaftsminister Brüderle beziffert den Finanzbedarf Griechenlands auf 135 Milliarden Euro für drei Jahre. Für das laufende Jahr braucht Athen 45 Milliarden Euro. Davon entfielen auf den IWF 15 Milliarden Euro, auf die Euro-Staaten 30 Milliarden Euro. Die bilateralen Kredite sollen erst nach einem einstimmigen Beschluss der 16 Euro-Länder fließen.
Die Kosten
Deutschland müsste den größten Teil der Euro-Hilfen übernehmen. Dem Vernehmen nach entfielen auf die Bundesrepublik entsprechend ihrem Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank (EZB) 27 Prozent der Gesamtsumme. Das wären für 2010 8,4 Milliarden Euro. Für die folgenden Jahre steht noch keine Summe, Wirtschaftsminister Brüderle stellte aber eine Gesamtsumme von 25 Milliarden Euro in den Raum. Derzeit werde geprüft, ob griechische Anleihen gekauft oder über die Staatsbank KfW mit Bundesbürgschaften abgesicherte Kredite vergeben werden. Es zeichne sich die KfW-Lösung ab.
Die Sanktionen
Um das Anhäufen von Rekordschulden künftig zu verhindern, sollen die Sanktionen verschärft werden. Eine Expertengruppe soll bis Ende des Jahres "alle Optionen ausloten, um den Rechtsrahmen zu stärken". Merkel hatte als äußerstes Mittel einen Ausschluss von Ländern aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. In dem Text werden aber noch keine konkreten Sanktionen genannt.

Die Konditionen im Detail
Volumen
Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.
Zinshöhe
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche längerlaufende Anleihen würde der Euribor auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet. Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.
Hilfsanfrage
Die griechische Regierung hat Ende April Hilfe von den EU-Partnern angefordert. Der Grund: Griechenland kann sich nicht mehr ausreichend am Kapitalmarkt finanzieren. Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank haben sich für das Sicherheitsnetz ausgesprochen. Die letzte Entscheidung liegt nun bei den Finanzministern der Euro-Zone, die einstimmig die Auszahlung der Hilfe beschließen müssten.
Auflagen
Griechenland müsste bei Zuweisung der Hilfen noch strengere Auflagen erfüllen als jetzt schon mit seinem drastischen Spar- und Reformprogramm. Welche Bedingungen das wären, ist offen.

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